Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

von am

Zwischen Kuschel- und Straßenrap haben wir auch diese Woche wieder einige Sondierungen (aktuell schwierig) der derzeitigen Release-Landschaft für euch vorgenommen. Ganz ohne parteiübergreifenden Dialog bekommt ihr unsere Ergebnisse aber an dieser Stelle einfach vorgesetzt. Wohl bekomm’s!

Luciano – Eiskalt

Endlich hat Lucianos Erstling das Licht der rauen Deutschrap-Welt erblickt und macht von Anfang an einen echt lobenswerten Eindruck. Irgendwie ist alles stimmig: man muss weder auf die obligatorischen Afro Trap-Anleihen verzichten, noch auf die hingerotzten Straßen-Lines. Diese Symbiose gipfelt dann in einem düsteren Schatten, der sich über Berlins dunkle Gassen legt, auf denen Luciano mit dem Sheytan kämpft. Und sobald man an dem Punkt ankommt, an dem man das Album als „verdammt stabiles Werk“ betiteln will, stolpert man über „Geh mein Weg“. Ein Track, auf dem das Locosquad-Member sich auf ehrlichste Art und Weise mit seinem Struggle, seiner Familie, seinem Schmerz und der Liebe auseinandersetzt. Aus dem „verdammt stabilen Werk“ wird plötzlich ein kleines Kunstwerk, das Luciano in einem noch helleren Licht glänzen lässt.

NxWorries – Yes Lawd! Remixes

Über ein Jahr ist es schon her, dass Knxwledge und Anderson .Paak mit „Yes Lawd!“ den romantischen Soundtrack schlafloser Nächte veröffentlicht haben. Und obwohl auch der Originalsound des Albums noch immer ausreicht, um uns in Stimmung zu bringen, hat sich Knxwledge jetzt nochmal an sieben der Tracks rangemacht und sie neu produziert. Das Ergebnis hören wir heute und müssen sagen: Jeder der Remixe haucht den Tracks neues Leben ein, macht sie noch ein wenig facettenreicher und sorgt einfach für noch mehr Spaß an der Musik. Bemerkenswert auch die zwei zusätzlichen Remixe zu „Suede“ und „Best One“, die selbst den jeweiligen Originalbeat nochmal in ein anderes Licht stellen. Wenn ihr diese Remix-LP hört, kuschelt euch ganz eng an eure Liebsten und lasst euch einfach Herz und Seele erwärmen.

Talib Kweli – Radio Silence

„Brooklyn is changing and so am I.“ – Und das seit Langem auch mal wieder in eine Richtung, die tatsächlich interessant ist und eine musikalische Weiterentwicklung darstellt. Die Beats besitzen eine große musikalische Bandbreite, sind dabei trotzdem immer auf der Höhe der Zeit, wofür neben Talib himself unter anderem Kaytranada und LordQuest die Verantwortung tragen. Kweli glänzt mit melodischer und rhythmischer Flowvariation und zeigt sich textlich mal aufgeklärt-reflektiert, mal als stimmiger Storyteller. Bei den hochkarätigen Gästen kommt man außerdem aus dem Aufzählen gar nicht mehr heraus: Rap-Parts kommen unter anderem von Jay Electronica, Anderson .Paak oder Rick Ross, mit Soul und Jazz heißen uns zum Beispiel Robert Glasper, Bilal und Amber Coffman willkommen. Wenn man mal wissen will, wie man als Conscious-Rap-Veteran 2017 nicht immer weiter in der Mittelmäßigkeit versinkt, sollte man sich dieses Album zu Gemüte führen.

Roberto Echo – Jamais Vu

Obwohl einst schon besprochen, fangen wir nochmal von vorne an: MPM hat ein Projekt namens KO-OP gestartet, das es sich zum Ziel macht, junge, neue, frische Beatmaker zu vernetzen und auf einer eigens dafür geschaffenen Plattform zu präsentieren. Neben sich ständig weiterentwickelten Playlists auf Soundcloud und Spotify erschien zuletzt der erste physische Langspieler, verantwortlich zeichneten sich dafür Juan RIOS und Smoke Trees (wir berichteten). Jetzt kommt mit „Jamais Vu“ die erste digitale EP, auf der der junge, in Düsseldorf lebende Kölner Roberto Echo, elf jazzige und soulige Anspielstationen platziert hat. Was ein Jamais-Vu ist und wieso der Titel im Zusammenhang mit dem Inhalt Sinn ergibt, könnt ihr im Pressetext auf Soundcloud nachlesen, dem wir nur zustimmen können. Außerdem: Wann wurde bitte zum letzten Mal ein Vocalsample so verdammt dope und schön eingesetzt wie auf Track Numero Vier, „Where Are You“?

Jaden Smith – SYRE

Ach, Leute. Was soll man zu Jaden Smith noch groß sagen. Er ist wahrscheinlich einer der mystischsten super famous Teenager überhaupt – er trug seine abgeschnitten Dreads auf ’ner Gala spazieren und philosophiert regelmäßig über’s Leben, und zwar so abstrakt, dass niemand irgendwas davon versteht. Trotzdem aber schafft er es immer wieder, dass man sich eingestehen muss – natürlich aus rein musikalischer Sicht – Jaden Smith weiß was er macht und er macht es verdammt gut. Klar bewegt sich alles in einem eher esoterisch-experimentellen Rahmen, inklusive Kamasutra-Lines, Astrologie-Lehrstunde und Wahrsager-Vibes, trotzdem kann man sich „Syre“ anhören, ohne dabei nur einen Funken an Fremdscham zu verspüren. Vielleicht waren wir einfach zu hart zu Jaden Smith? Vielleicht haben wir ihn zu Unrecht in diese Rich-Kid-ohne-Talent-Schublade gesteckt?

T-Pain – Oblivion

T-Pain ist zurück aus seiner Langzeitspieler-Abstinenz – seit dem 2011er Tape „Revolver“ gab’s nämlich nur ab und zu ein paar Singles oder Gastbeiträge. Trotzdem hat Pain es aber irgendwie geschafft, uns bei Laune zu halten, aber naja, er ist halt auch T-Pain. Der AutoTune-Gott kehrt also mit „Oblivion“ zurück auf unseren Planeten und lässt die Sonne in diesen tristen Wintermonaten wieder etwas heller scheinen (wahrscheinlich war deshalb das Wetter heute so schön?). Und wenn’s doch mal zu kalt wird, kann man sich zu „Second Chance (Don’t Back Down)“ mit der besseren Hälfte vor den Kamin kuscheln – was für ein Brett! Wir fragen uns zwar immer noch, wieso man denn unbedingt Chris Brown-Features braucht – musikalisch und menschlich – ist aber nur ein Track, kann man also skippen.

morten – 10551 moabit island season 1

Die erste Staffel der von morten konzipierten Dokumentation über den Heimatbezirk besteht aus vier ganzen Folgen und vier dazugehörigen Trailern. Während die Episoden auf ganzer Linie als Ausdruck moderner Ästhetik und eines gewissen Lebensgefühls überzeugen, wirken die über den Verlauf der EP immer länger werdenden Teaser eher verwirrend. Das ist aber auch gut, denn Kunst muss verwirren. Insgesamt schießt sich der Moabiter mit dem acht FruityLoops-Projektdateien umfassenden Werk endlich (!) weiter in den Vordergrund. Mehr von solchen Tracks und Konzepten und schon wären alle Sorgen, neben anderen Immer.Ready-Membern zu verschwimmen, Geschichte.