Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

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Noch gut sechs Wochen bis Weihnachten, das heißt: Noch sieben Wochen, bis wir an dieser Stelle ausschließlich Weihnachts-Tapes besprechen. Wir wollten euch nur mal vorwarnen. Heute allerdings fühlt es sich schon fast nach Weihnachten an, denn Yung Lean hat uns ein Album geschenkt. Viel Spaß auch mit dem Rest und erholt euch gut!

Yung Lean – Stranger

Als Yung Lean 2013 mit „Unkown Death“ seinen ersten Langzeitspieler releaste, begann für eine ganze Generation ein neues Zeitalter – ein Zeitalter voller Melancholie, Depression, soundästhetischer Innovation und schwedischer Trübseligkeit. Seit dem sind viereinhalb Jahre vergangen und der skandinavische Avantgardist hat sich in dieser Zeit ein massives Imperium aufgebaut. „Stranger“ ist nun der frisch glänzenden Thron, auf dem sich das Sad Boy-Oberhaupt erstmal niederlassen kann und seine Machenschaft genießen darf. Das Tape ist nämlich durchaus ein verdammtes Meisterwerk. Die Produktionen sind ausgereift und vielschichtig, die Texte streifen immer noch durch traurige Gefilde, doch wirken klarer und reflektierter – musikalisch gesehen trauen wir uns zu behaupten, dass „Stranger“ bis dato womöglich das stimmigste Projekt von Yung Lean ist und „Red Bottom Sky“ bleibt der beste Track auf dem Album.

Veedel Kaztro & Teka – Frank und die Jungs

Der Kölner hat bisher immer genau das gemacht, worauf er Lust hatte. Das war gut so und heraus kamen vor allem relativ unbeschwerte Alben voller Boom Bap, ironischer Schmunzellines und hin und wieder auch mal fundierter Gesellschaftskritik. Umso schöner ist jetzt allerdings, dass sich Veedel Kaztro für sein neues Album sechs Tage lang mit Kitschkrieg-Gründungsmember und Reggae-Produzent Teka in Berlin zusammengesetzt und ein Album fertiggestellt hat. Gleich auf dem ersten Track heißt es: „Kann mich endlich mitteilen, weil Teka einen Beat aufmacht“. Und genau das passiert dann auch – Auf elf Anspielstationen harmonieren die Beiden perfekt, von Selbstmord bis Globalisierung bespricht Veedel alles, was ihn beschäftigt und soundästhetisch geht es plötzlich voll ins Level 2017. Man hätte sich einfach auf Büdchenrap ausruhen können, stattdessen passiert ein Entwicklungsschritt, der das Album zu einem unserer Lieblinge des Jahres macht.

Cam’ron – The Program

Cam’ron hat sein erstes größeres Projekt seit dem 2013er „Ghetto Heaven Vol. 1“ veröffentlicht. Das Mixtape war eigentlich schon für die erste Jahreshälfte angekündigt, wurde dann verschoben und kam jetzt relativ überraschend. Weniger überraschend leider der Inhalt – 15 Ghetto-Hymnen, neben einigen wirklich Stimmigen (interessanterweise gerade die düstereren Stücke) wie „D.I.A“ oder „Remember Game“ viele Beats und Flows, die schon vor zehn Jahren nicht besonders aufregend gewesen wären. Halb so wild, denn wie der Titel des Ersteren in voller Länge verrät: Cam’ron „done it all“. Insgesamt ein befriedigendes Release, das aber nicht lange darüber hinwegtrösten wird, dass das seit Ewigkeiten angekündigte „Killa Season 2“ immer noch nicht da ist. Wird schon noch.

Sa4 – Neue Deutsche Quelle

Die Jungs von 187 sitzen mit Roli am Arm und Haifisch-Nikes an den Füßen auf dem Deutschrap-Thron und werden von dort auch nicht mehr so schnell aufstehen – Gold, Platin und unzählige Wochen in den Charts sind dabei nur ein kleiner Nebenverdienst. Rund um Sa4 war es dabei bis jetzt immer sehr ruhig, doch sein Erstling überzeugt auf ganzer Linie – mit „Neue Deutsche Quelle“ steigt er weiter in den 187-Olymp auf und beweist, dass man keinen Release-Zyklus wie Bonez MC oder Gzuz braucht, um uns Einsachtsiebööön-Anhänger zu befriedigen. Trotzdem bleibt die Gang-Hymne „Allstars“ der Standout-Track.

Kamaiyah – Before I Wake

Ach, wie schön, lange nichts gehört! Nach ihrem gefeierten Debüt-Mixtape Anfang 2016 hat sich die Kalifornierin an ihre Albumproduktion gemacht, dieses sollte eigentlich schon im Frühjahr dieses Jahres erscheinen, steckt aber im Sample-Clearing fest. Und weil Kamaiyah sich weder davon, noch von ihren privaten Problemen zurückhalten lässt, releaset sie einfach ohne ihr Label Interscope den Nachfolger zu „A Good Night In The Ghetto“. Auf „Before I Wake“ bestreitet Kamaiyah ohne Features zehn introspektive und reflektierte Tracks auf West-Coast-Brettern von Link Up, der auch schon an dem Vorgänger mitgewirkt hat. Und noch schöner ist, dass die Rapperin mit diesem auch schon das nächste Mixtape namens „Woke“ angekündigt hat.

Azizi Gibson – I’m Good On People

In Frankfurt geboren, in Bangkok aufgewachsen, danach based in Maryland. Nachdem er zufällig Flying Lotus kennengelernt hat, wurde Azizi Gibson ziemlich schnell auf Brainfeeder gesignt, hat sich aber nach einigen Releases dafür entschieden, dass es Zeit für was Eigenes ist. So erscheint jetzt wie sein letztes Album auch die neue EP über sein Label PreHISTORIC und man merkt, dass die Unabhängigkeit Gibson guttut. Die Beats sind gleichzeitig zeitgemäß und interessant, darüber rappt der gute Herr entspannt und melodisch, aber dennoch prägnant und mit viel Energie. Zu Billboard sagte er: „It’s always been quality over quantity with me, so I wanted to do a compact project that was filled with bangers so when it’s over, you’re in shock.“ Das ist ihm gelungen.

88GLAM – 88GLAM

88GLAM sind 88Camino und Derek Wise, die wiederum sind zwei relativ frische Newcomer aus Toronto, auf XO Recordings gesignt und profitieren ungemein davon, dass Hörer dank ihrem Labelchef The Weeknd und Superstar Drake überhaupt Rap aus der kanadischen Großstadt auf dem Schirm haben. Was sie machen, gab es sicher so ähnlich schon, und nicht nur ein Mal. Trotzdem harmonieren 88Caminos säuselnder R’n’B-Sprechgesang und Derek Wise‘ tiefe, kratzige Stimme so gut mit dem Mellow-Trap-Sound der Beats, dass vor uns einfach ein gut hörbares, souveränes Album liegt, dass nur eben weder inhaltlich noch ästhetisch irgendetwas wirklich Neues verhandelt. Trotzdem ist es schön, dass die aktuell populärste Soundästhetik auch mal beruhigend wirken kann.

Oddisee & Good Compny – Beneath The Surface

Oddisee macht Rap mit Soul- und Jazz-Einflüssen, groovy und melodisch, mitreißend und schön. Allein das wäre Grund genug gewesen, eine seiner fast 100 Shows in diesem Jahr zu besuchen. Dort konnte man nämlich seine positiven Vibes und Energie live erleben, musikalisch noch ausgefeilter als auf Platte aufgrund der Band-Begleitung durch Good Compny. Wer sich das hat entgehen lassen, kann sich jetzt allerdings Abhilfe verschaffen, indem er sich das erste Live-Album des Producers und Rappers reinmontiert. Und sich dann gefälligst bei der nächsten Gelegenheit die Eintrittskarte für ein Oddisee-Konzert kaufen.

Caramelo – Tales From The Dungeon

Abseits ihrer diversen avantgardistisch-experimentellen Auswüchse hat „Live From Earth“ jetzt ein Mixtape des Zugezogenen Caramelo auf Beats von DJ Creep veröffentlicht, das einfach so richtig schön nach Mixtape klingt. Die Produktionen sind laid-back und trotzdem sehr modern, Caramelo bleibt entspannt und trotzdem fast durchgehend im Battle-Modus. Auf fast jedem Track ist ein Feature aus dem Freundeskreis zu finden, man bekommt fast das Gefühl, dem Showcase eines Künstlerkollektivs zuzuhören. Der eigenständigste Track „Schwimmen geh’n“ hingegen handelt von der Liebe und wird alleine bestritten und zeigt, was Caramelo kann, wenn er will: Einen Vibe transportieren, der ankommt, der sich dem Hörer wirklich vermittelt.