Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

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Trotz Feiertag war diese Woche verdammt lang. Aber nun ist Freitag Abend, wir haben es endlich überstanden und oben drauf gab’s heut noch massig Releases. Also, nehmt euch genug Zeit, schenkt euch ein Gläschen Wein ein und lasst euch von den besten Tapes der letzten Tage verwöhnen.

Skepta – Vicious

Seit dem Release von „Konichiwa“ in 2016 war es doch recht ruhig geworden um Skepta. Klar, es gab Features mit Drake und dem A$AP Mob sowie eine Kollaboration mit Nike. Als dann im August endlich ein neues Musikvideo erschien, ist auch dieses eher untergegangen. Pünktlich zu Halloween meldete sich der erfolgreichste Grime-Repräsentant mit einer ganzen EP zurück. „Vicious“ klingt Themenabend-mäßig mehr spooky als grimy und überzeugt nicht nur mit den hochkarätigen Features von Lil B, A$AP Rocky, A$AP Nast und Section Boyz. „Happy Halloween you paigons!“

21 Savage, Offset, Metro Boomin – Without Warning

Wir waren schon von dem Tape überzeugt, bevor wir es überhaupt gehört haben. Wieso? Ähm, „Darth Vader“ – mit Star Wars kann man nur gewinnen. Aber auch nachdem man sich durch die die zehn Tracks gehört hat, bleibt man befriedigt. Ja, fast schon verwöhnt von der Kombo aus 21s ruhigen, dahinrollenden Bars, Offsets Ad Lip-Perfektion und Metros wohltuenden Produktionen. Und wie ihr wisst: wir vertrauen Young Metro.

Brown-Eyes White Boy – Hab keinen passenden Titel gefunden

Als letztes Jahr das erste Mixtape des Teenagers erschien, stand die Cloud-Rap-Welt kopf. Dass jemand in diesem Alter so viel Gefühl für catchy Lyrics und Melodien hat, war für viele erstmal schwer zu begreifen. Mittlerweile ist es 2017 und die Zuhörerschaft hat sich irgendwie daran gewöhnt – Brown-Eyes White Boy ist also nun eigentlich gezwungen, sich etwas Neues auszudenken, um die Community zu überzeugen. Und das tut er in gewisser Weise auch: Mit „ihr hängt an ketten“ beinhaltet das Tape nur einen Hit vom alten Schlag, der gerade mit seinen minimalistischen Lines glänzt. Der Rest kommt irgendwie unerwartet: Die Beats sind schroffer, die Texte teilweise kaum verständlich durch das donnernde Gitarrenriff („seh aus wie oktober“). Ob das auf Dauer überzeugen kann, wird man sehen müssen, fürs Erste bleibt die musikalische Entwicklung des Nachwuchsrappers auf jeden Fall spannend.

Bones – NetworkUnknown

Ja, kein Witz! Bones hat vergangene Nacht mal eben ein Tape gedroppt. Einfach so. Und obwohl wir nicht mal mehr wirklich überrascht sind, wenn der Sesh-Boss ohne Vorwarnung einen Langzeitspieler auf uns loslässt, fühlt es sich immer noch an wie Weihnachten. Nur schöner, aber in düster und so. Naja, Tracks wie „XLR“ untermauern Bones Talent nur noch stärker und bestätigen die „Innovation im kleinen Rahmen“-These, die wir bei seinem letzten Album (das noch nicht mal ein Monate her ist) schon herangezogen haben. Bones bleibt weiterhin Flow-Gott und Soundcloud-Liebling. Ganz einfach. Punkt.

Prinz Pi – Nichts war umsonst

Prinz Pis 14. Album „Nichts war umsonst“ ist draußen und bei jemandem mit solch einer Erfahrung und einem Output ist es klar, dass das ganze Prozedere äußerst professionell abläuft und die Musik erwachsen, gefestigt und zielsicher klingt. Alles ist gewissenhaft durchdacht: Vom Konzept der Box bis hin zum epochalen Radio-Song wird nichts dem Zufall überlassen, was für ein solides Album eines gestandenen Künstlers spricht.

Veysel – Hitman

„Hitman“ ist ein Album wie ein Kinofilm. Vielleicht ohne klaren roten Faden, dafür mit Stunts, Explosionen und Geballer im Minutentakt. Ab und zu ein kleines Flashback zur Jugend, hier und da ein kleiner Nebenplot. Im Gesamtpaket ist das zwar nichts wirklich Neues, aber trotzdem immer authentisch und unterhaltsam. In Nebenrollen außerdem überzeugend: Macloud, Luciano, Eunique und Torro West.

Lil Wop & Trippie Redd – Angels & Demons

„Angels & Demons“ ist für alle, die wissen wollen, wie Engelchen und Teufelchen auf unseren Schultern so aussehen. Auf der einen Seite unser Teufelchen, Lil Wop: er ist quasi Gucci Manes Baby, aufgewachsen in den Straßen Atlantas – gefährlich, bewaffnet, harte Bars. Auf der anderen Seite Trippie Redd: harte Schale, weicher Kern und wahrscheinlich der nächste große Raop-Star (sorry Cro). Denn abgesehen von seinem Face Tat-Swagger und den drogeninfizierten Lines, liefert Trippie wunderschönen Pop-SingSang über Liebe und so. Was wir eigentlich sagen wollen: hört euch „Angels & Demons“ an!

Curtis Heron – The Answer

Team Sesh arbeitet gerade auf Höchsttouren: Bones, Cat Soup und Curtis Heron beschenken uns diese Woche mit neuen Tapes und wir sind verdammt glücklich darüber. Letzterer liefert nämlich mit „The Answer“, wie schon erwartet, die Antwort auf die wichtigste Frage in unserem Leben: Was ist Glück? Glück ist in diesem Fall sieben Tracks, die Dank wunderschön melancholischen Piano-Riffs und klassischen Streichern zu einer wohltuenden Soundlandschaft werden, in der wir zufrieden Richtung Sonnenuntergang spazieren. Curtis Heron, danke für diese Seelen-Massage. Wir heulen weil’s so unglaublich schön ist (vor allem bei „What If This Is The End?“).

Cat Soup – Aureal

Wenn Cat Soup Beats liefert, kann man eigentlich nie was daran aussetzten. Das Sesh-Member weiß nämlich ganz genau, an welcher Stelle es unser Tromelfell kitzeln muss, um unser Interesse zu wecken. Mit seinen experimentellen Glocken und vorantreibenden Drums wird auch „Aureal“ zu einem weitern kleinen, aber ausgesprochen feinem Kunstwerk aus dem Soundcloud-Universum.

Destroy Degenhardt – Das Handbuch des Giftmischers

Degenhardt macht Musik zum alleine hören. Es ist auch irgendwie keine Musik, die man spontan seinen Freunden zeigt. Irgendwie verständlich, dass der Rapper trotz über sieben Jahren Aktivität in der Szene und Besprechungen auch von größeren Medien nicht so wirklich durchstartet. 2017 hören die Meisten eben immer noch lieber humor- und reflexionslose Tracks, die sie abholen, wo sie stehen – Schade. Vielleicht wäre die Welt ein kleines bisschen besser, wenn wir alle versuchen würden, Degenhardt zu verstehen.

Jorrdee – D€€​-​A​-​VELLI

Auch wenn wir unsere eigene Franz-Rap-Kolumne haben, können wir hier auf Jorrdee nicht verzichten. Es erwartet euch sanfter, verschlafener Franzosen-Rap mit fast schon meditativen, tief rollenden Beats und experimentelle, verstrickte Soundkonstrukte. Was Jorrdee so zu erzählen hat, wissen wir nicht genau (unser Frankreich-Experte ist leider nicht anwesend), aber im Endeffekt ist es eh egal. Denn auch ohne inhaltliche Analysen funktioniert der Sound – auf sinnlicher, emotionaler Ebene, so wie Französisch und die Liebe eben auch funktionieren.

Eazy – Black Tape

Garma ist die Kang! Berlins stylischste Untergrund-Squad liefert endlich wieder frischen, musikalischen Output. Und obwohl Eazys „Black Tape“ als Soloprojekt auf Spotify seinen Platz einnimmt, bleibt alles natürlich Gang-Angelegenheit: von Produktionen bis Features, nie ohne das Team. Das heißt aber nicht, dass Eazy keinen Platz zum glänzen hat. Wenn also am Wochenende alle schönen Menschen Berlins auf irgendwelchen Freedrinks-Events die Fashion-Szene abreißen, wird das „Black Tape“ aus den Lautsprechern ertönen.

Dave – Game Over

Größere Aufmerksamkeit hat der Londoner zum ersten Mal letztes Jahr erhalten, als Drake seinen Song „Wanna Know“ geremixt und mit einem Gastpart versehen hat. Der 19-Jährige veröffentlicht mit „Game Over“ seine zweite EP und überzeugt uns auf ganzer Linie. Beeindruckend ist vor allem die Themenvielfalt des Londoners: Ruht er sich auf „No Words“ auf Status und Battleattitüde aus, geht es auf „Question Time“ extrem politisch zu, während „How I Met My Ex“ eben diese Geschichte wahnsinnig athmosphärisch erzählt. Zwar lässt sich so kein geschlossenes Konzept der EP erkennen, aber Dave zeigt definitiv, dass er viel kann und viel will.

Juan RIOS & Smoke Trees – KO-OP 1

Yes, wir schreiben endlich mal wieder über ein Instrumental-Release! KO-OP ist ein neues Projekt des Kölner Labels Melting Pot Music und soll jungen, frischen Beatmakern eine Gelegenheit geben, sich zu vernetzen und Musik zu veröffentlichen. Dazu gehört nicht nur das Kuratieren zweier Playlists auf Soundcloud und Spotify, sondern auch reale Releases: Das erste dieser Art stammt nun aus der Feder von Juan Rios und Smoke Trees, die jeweils eine Seite der LP bespielen. Ersterer steuert recht sonnige Beats bei, die einfach nach Sommerurlaub klingen, während die Seite des Stuttgarter Smoke Trees eher reduzierter und basslastiger auftritt und mehr zum besinnlichen Kuschelabend Mitte Dezember einladen als zum Beachvolleyball. Und weil die Platte gleich zwei von Rahel Süskind illustrierte Cover hat, konnten wir uns nicht entscheiden und keines der Beiden taucht im Header auf.