Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

von am

Und es ist schon wieder Wochenende. Deshalb gibt’s für unsere treue Folgschaft hier wieder die besten Tapes der vergangenen Woche. Habt Spaß und hört euch alles an, denn nur so zahlt sich unsere Arbeit aus. Bussi.

Young Thug & Future – Super Slimey

Was Feature? Was? Young Thug und Future brauchen das nicht und irgendwie ist das eine schöne Abwechslung zu all den mit hochkarätigen Gastbeiträgen überladenen Tapes der letzten paar Wochen. Außerdem sind wir eh schon ein bisschen von dieser exzellenten Kombination überfordert. Denn obwohl wir Gerüchten von irgendwelchen Joint-Alben meist wenig Glauben schenken, haben wir uns insgeheim, ganz tief in unseren kleinen Rap-Herzen gewünscht, dass der Traum eines Future-Thugger-Tapes in Erfüllung geht. Da darf aber auch der 2017-Migos-Pflicht-Part nicht fehlen – Offset hat also auf „Patek Water“ die Ehre, als einziger seinen Ad-Lip-Senf dazuzugeben. Der Rest ist „Super Slimey“, solange man unter super Schleimig eine zusammenhängende, leider nicht wirklich herausragende Masse an Auto-Tune und lieblichem Gemurmel versteht.

Zugezogen Maskulin – Alle gegen Alle

Gesellschaftskritik kann man subtil verpacken: Man kann den Zuhörer veranlassen, sich selbst und sein Handeln zu hinterfragen und ihn die Absurditäten des Alltags selbst entdecken lassen. Man kann aber auch ganz einfach den visuellen, akustischen und lyrischen Gesellschaftskritik-Holzhammer nehmen und ihn mit voller Wucht durch Augen und Ohren in den Kopf rammen. Zugezogen Maskulin haben sich für Letzteres entschieden. „Alle gegen Alle“ ist quasi der Lehrfilm, der uns armseligen menschlichen Kreaturen klar und deutlich vor Augen hält, wie armselig wir eigentlich wirklich sind – Grim104 & Testo sind dabei die Psychologen im weißen Arztmantel, die uns die Äuglein mit Metallklammern auf spreizen und uns zwingen zuzusehen. Wie immer natürlich mit diesem wunderbar düsteren Humor, so dass wir ihnen einfach nicht böse sein können, obwohl wir uns ein bisschen schlecht fühlen. What a time to be alive!

Conway & DJ Green Lantern – More Steroids

Im März unterschrieben Conway und Westside Gunn bei Shady Records, angekündigt wurde unter anderem ein Conway-Solo-Album für 2017. Im Mai kam dann das Mixtape „Reject On Steroids“. Jetzt also „More Steroids“. 15 Tracks, gewohnt griesgrämige Raps über düstere Boom Bap-Beats, zwei Featuregäste, dazwischen ab und zu geschriene Schussgeräusche. Die Produktionen stammen zum Großteil vom hauseigenen Doringer, mit Statik Selektah und Alchemist stehen aber auch hochkarätigere Namen im Programm. Alles sehr unterhaltsam, aber halt irgendwie immer noch keine Albumqualität. Wir warten also weiter und hören so lange die Nebenprodukte der Albumentstehung.

Negroman – SEQUEL EP

Als wäre der Negroman aus dem Kreis des Sichtexotheismus nicht sowieso die Speerspitze des deutschen Avantgarde-Raps, ist er mit seiner neuen EP „Sequel“ auch noch soundtechnisch ein Stück weiter Richtung Moderne gerutscht. Auf flächigen Arrangements mit viel Saxophon von Anthony Drawn bringt der Mainzer wesentlich melodischere, aber gleichbleibend wild-assoziative Strophen, in denen auch mal am Pitch-Regler und im Autotune-Plugin gespielt wird. Experimentell, „aber besser als wenn man sich nie täuscht“ („Vibe oder Werbung“). Inhaltlich bleibt er dabei immer angenehm unangenehm mit dem Finger in der Wunde der postkapitalistischen Fetischgesellschaft. Das einzige Rap-Feature kommt diesmal von Lunte auf dem Re-Edit von „Schlüsselloch“, an dem sich die Entwicklung vom letzten Album zur neuen EP am eindeutigsten erkennen lässt. Auch wichtig und selten erwähnt: mehr unverkrampft selbstbewusste Lines über das Leben als PoC (und dann auch noch allgemeiner Weirdo) in Kaltland à la „Ich wusste, dass ich ein Fetisch bin bevor mir meine Haut bekannt war“ („Block“) würden Deutschrap gut tun.

Lorenz & Urbach – 2017hoch2

Wir geben dem Jahr 2017 die Hand, es war wunderschön. Nicht nur politisch (lol, checkt ihr den Joke?) sondern auch musikalisch, letzteres sogar ganz ohne Ironie. Vielleicht war’s sogar schöner als 2016, das wissen wir aber nicht genau: erstens kann in den letzten zwei Monaten noch viel passieren, zweitens können wir uns nicht mehr so gut an vergangenes Jahr erinnern. Auf was wir eigentlich hinaus wollen: Lorenz & Urbach hatten dieses Jahr noch nicht genug, deshalb legen sie mit „2017hoch2“ nochmal nach. Ein Intro, fünf Tracks und ein Sommerhit-Remix , was will man mehr? Genua, nichts – wir sind mehr als zufrieden mit Burak, Clayalle, Chari Crack, byrichcolesoy, Toni Strange, Fabi Süd, Crack Milla und Kulturerbe Achim & Fruchtmax.

Krept & Konan – 7 Days 7 Nights

Das South London-Duo hatte Hits, von denen sogar ein French Monatan oder ein P. Diddy nicht die Finger lassen konnte. Sie sind stolze Besitzer eines MOBO Awards. Krept & Konan haben sogar einen verdammten Eintrag im Guinness Buch der Rekorde. Und trotz all dem, bewegen sie sich im Deutschsprachigen Raum immer noch unter dem Radar. Vielleicht liegt das aber auch einfach an der weitverbreiteten Ignoranz gegenüber Grime die in unserem wunderbaren Land herrscht, solange es kein Stormzy oder Skepta (sind btw. beide auf dem Tape vertreten) ist, der dir dreckigen Garage-Lines ballert. Aber egal, spätestens ab jetzt wird es einfach nicht mehr akzeptiert, wenn man Krept & Konan nicht auf dem Schirm hat. Die beiden Grime-Veterane droppten nämlich nicht nur ein verdammt stabiles Tape, sonder gleich zwei davon. Und während „7 Days“ voller harter, niederschmetternden Banger und einer geballten Ladung dreckigen Straßen-Vibes direkt aus den Endz ist, ist „7 Nights“ das Mixtape, das ihr Abends eurer besseren Hälfte vorspielt – voller Grime-Balladen und Schlafzimmer-RnB-Anleihen ist.