Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

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Unsere Weekly Release-Liste kommt ab jetzt immer Freitags. Wieso? Weil wir am Samstag nicht mehr arbeite wollen. Joke (kein Joke). Aber egal, denn alles andere bleibt gleich: wir sammeln für euch die besten Tapes der Woche und geben unseren Senf dazu. Dieses mal gibt’s das frische Pandababy von Cro und ganz viel Emo-Kram. Sehr schön, wie immer halt.

Cro – tru.

Cros dritter Langzeitspieler ist eines dieser Alben, das man vor Release schon mit jedem möglichen Menschen in der Rapwelt besprochen hat. Bevor man es gehört hat. Bevor man wusste, was da auf uns zu kommt. Legt er die Maske ab? Ist er erwachsen geworden? Hat Cro seine Raop-Phase gut überstanden? Alles in allem gab es dann zwei Möglichkeiten: Entweder „tru.“ wird ein peinlicher Reinfall – ein nostalgischer Versuch eines jungen Rappers mit der früher ausgesprochen gut funktionierenden Erfolgsrezeptur immer noch Girls im Teenager-Alter zu besäuseln, oder das Album wird ein erwachsenes, musikalisch unhatebares kleines Kunstwerk, das voller ausgeklügelter Soundästhetik und gewohnter, frischer Verspieltheit beweist, dass Cro immer noch ganz genau weiß, was er macht. Und um euch alle zu beruhigen, es ist natürlich letzteres der Fall.

Misogi – Death Metal

Tausend Herz- und Rosen-Emojis für Misogi! „Death Metal“ ist der wahrgewordene Traum unseres 15-jährigen Emo-Ichs. Gleichzeitig könnte das Album dank seiner 90er Grunge-Ästhetik der Soundtrack von einem Film wie „Breakfast Club“ sein. Also, rebellische Teenager, die nach Freiheit und Individualität streben. Und obwohl wir Mitte Zwanzig sind, kommen uns die Tränen bei dem melancholischen Gesang und den vielschichtigen Produktionen des Londoners.

Corbin – Mourn

Wenn Corbin a.k.a Spooky Black, Shlohmo und D33J ihre Kräfte bündeln, kann nach laut unseren wissenschaftlichen Nachforschungen eigentlich nur etwas ausgesprochen Geniales entstehen. Und weil wir uns (fast) nie in irgendetwas täuschen, ist das bei „Mourn“ auch der Fall. Jeder einzelne Track lässt uns in einer angenehmen sozialen Isoliertheit zurück, die uns mit Corbins klagender Stimme, dichten Synths und grungigen Drum-Kits aber doch irgendwie an das Licht am Ende des Tunnels glauben lässt. Wir trauen uns zu behaupten, dass niemand, wirklich niemand auf dieser Welt eigentlich schmerzhafte Erfahrungen so wohlwollend klingen lassen kann, wie Corbin – vor allem nicht in Kombination mit LA-Produzenten und WeDitIt-Honcho Shlohmo.

Ghostemane – Hexada

Horrorcore, Death-Metal, Shadow-Rap – egal wie man es nennen mag, Ghostemane liefert mit „Hexada“ die nächste Stufe von dem Soundcloud-Genre, das Posterboys wie die $uicideboy$ und Bones salonfähig gemacht haben. Mehr Verstörung, mehr Geschrei, mehr Raserei, mehr Wut, mehr Depression – einfach immer mehr und das in den düstersten und verstricktesten Ausprägungen des WWWebs. „Hexada“ ist quasi eine Agressionstherapie unserer schwarzen Seelen, die sich nach hämmernden Bass-Schlägen in einer zerstreuten Soundlandschaft sehnen. Wir. Lieben. Es.

Syd – Always Never Home

Das „the kid“ in ihrem Namen hat sie schon lange abgelegt, Syd ist jetzt erwachsen. Nachdem sie kürzlich ihr Solo-Debüt „Fin“ gedroppt hat, legt die The Internet-Frontfrau mit ihrer „Always Never Home“ EP nach. Dabei sind nur zwei Tracks wirklich neu, „Bad Dream/No Looking Back“ wurde im Vorfeld schon releast. Das Motto lautet eindeutig Qualität statt Quantität, denn jeder Track überzeugt auf voller Linie. Das professionelles Stimmtraining, das Syd seit der The Internet Anfangszeit genommen hat, zahlt sich aus. Die so smoothe und zärtliche Stimme klingt auf der neuen EP besser als je zuvor und auch die Future R’n’B- artigen Beats sind wie gewohnt beeindruckend.

Leikeli47 – Wash & Set

Jeder der brav unsere wundervollen Newsbeiträge liest (ja, Eigenlob stinkt, aber wir riechen nichts), sollte schon über Leikeli47 gestolpert sein. Die New Yorkerin hat in den vergangenen Wochen nämlich im Sturm unser Rap-Herz erobert. Und obwohl das Girl mit Sturmmaske schon in Jay-Zs Tidal-Playlist auf Platz Eins war, brauchen wir Almans wieder einmal ein bisschen länger. Das ist aber nicht schlimm, solange wir ihr Debütalbum „Wash & Set“ mit dem verdienten Lob in die Welt hinaustragen. Direkt aus Brooklyn liefert Leikeli mit ihrem Erstling ein Werk zwischen elektrifizierenden, vorantreibenden Club-Banger, straighten Rap-Parts, souligen Gesangseinlagen und der Roughness des Big Apples – also eigentlich genau das, was man sich auf einem vielschichtigen Debütalbum wünscht. Leikeli47 ist eine Rap-Queen, die für Empowerment, Individualität und Echtheit steht und die frühe Missy Elliott wahnsinnig stolz machen würde.

Jace – Vorschuss

Irgendwo zischen Selbstironie, Augenzwinkern und konsequenten Ansichten liefert der Hamburger Rapper Jace mit seiner „Vorschuss“-EP zwar nicht seinen ersten Langzeitspieler, aber ganz sicher sein erstes gebührendes, persönliches „Hallo“ an die Rap-Welt. Mit jugendlicher Orientierungslosigkeit, aber doch sehr viel Selbstbewusstsein lässt er seinem musikalischen Hunger freien Lauf und beschallt uns mit einem teils düsteren und atmosphärischen, teils verstrahlten und feierwütigen Sound – die Flavour Gang ist eben mehr als bereit in der Szene mitzumischen.

Mavie Gagnoa & Freddy Kana – Phonk EP

Freddy Kana und Mavie Gagnoa klingen auf ihrer neuen „Phonk EP“ hungrig und wütend, das ist im HipHop bekanntlich immer gerne gesehen. Das Ding ist fünf Tracks stark und es wirkt so, als hätten die beiden noch richtig was vor. Wer sich bei dem Begriff „Phonk“ an irgendwas erinnert fühlt – Erfinder des Begriffs, Rapper/Produzent und Staatsfeind Nummer 1 in der Amirap Welt SpaceGhostPurrp aus Miami ist für die Produktion von gleich drei Tracks verantwortlich.

Lunice – CCCLX

Fans des Ausnahmeproduzenten haben kein einfaches Leben. Das Output des Kanadiers über die letzten Jahre lässt stark zu wünschen übrig. Wer trotz Ungeduld nie das Interesse verloren hat, der darf sich jetzt freuen – Lunice haut endlich sein langerwartetes Debütalbum raus. Bekannt ist der Mann aus Montreal für sein einflussreiches elektronisches Soundkonstrukt, das man unter anderem, wissend oder nicht, auf „Yeezus“ zu Ohren bekam. „CCCLX“ kommt mit frischen kanadischen Rap-Talenten als Feature-Gästen ums Eck und ist trotz teils überladener elektronischer Produktionen immer wieder offen für straighte Raps – Standout-Track ist ganz eindeutig „Distrust“ mit Denzel Curry, J.K. The Reaper und Nell.