Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

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Casper – Lang Lebe Der Tod

Wir haben lang genug gewartet, dass ein Album erscheint. Nach einer gefühlt 100-jährigen Schaffenspause und einer Lead-Single, die bereits vor einem Jahr das Licht der Welt erblickte, haben wir nun endlich den kompletten Langspieler vor uns. Und damit das Magnum Opus des Exil-Bielefelders. Denn zwischen Indie Rock/Post Rock-Gitarren, wabernden Post Industrial-Synths und Caspers Reibeisenstimme scheint der Mann aus dem beschaulichen Extertal sein absolutes Wunschalbum herausgebracht zu haben. Jeden Song durchzieht eine angenehme Kompromisslosigkeit in der Instrumentation, die nicht zu Lasten der Stimmigkeit geht, sondern jede Emotion, jede Line unterstreicht und dem Album eine Vielschichtigkeit beschert, die „gewollt“ und „gekonnt“ kombiniert. Jeder Ton klingt genau richtig, wo er ist und exakt so platziert, wie man es beabsichtigte. Das alleine wäre in der hochqualitativen Diskographie Caspers kein absolutes Alleinstellungsmerkmal, auch wenn die Instrumentation noch etwas präziser als zum Vorgänger „Hinterland“ klingt. Was aber den Ausschlag für den Titel „Magnum Opus“ gibt, sind die Texte. Man nehme eine gute Portion der tiefstpersönlichen Inhalte aus „XOXO“, gibt die abstrakten Bilder, die auf „Hinterland“ gemalt wurden dazu und fügt Zeitgeist- und Sozialkritik hinzu, die nie oberlehrerhaft, krampfhaft intellektuell oder plump, sondern pointiert und reflektiert wirkt. Dabei heraus kommt „Lange Lebe Der Tod“. Ein gewaltiges, ein verdammt gutes Stück Musik.

Rin – Eros

Kaum ein Release wurde dieses Jahr so sehnsüchtig erwartet wie Rins Debütalbum „Eros“. Eros – das steht (unter anderem) für den griechischen Gott der Liebe. Und um Liebe geht es auf dem 15-teiligen Hype-Tape sehr viel. Was im ersten Moment erfrischend für Deutschrap klingt, hat kleine Makel bei der Umsetzung, denn die Art der Liebe, die Rin besingt, scheint keine einvernehmliche zu sein. „Machen wir Liebe, Babybaby, dann schreist du ‚arrête!‘“, was „hör auf!“ bedeutet. „Ich benutz’ kein Gummi, denn ich liebe dich“ und „Du willst keine Liebe machen, es ist Ramadan“. Diese Kombination aus Exotismus und Romantisierung von nicht konsensuellen sexuellen Handlungen, die gerne als „dadaistisch“ verharmlost werden, hinterlässt einen bitteren Beigeschmack, was schade ist – denn ästhetisch und soundtechnisch haben Rin und seine Produzenten (darunter Alexis Troy, Minhtendo und Lex Lugner) es geschafft, einen Vibe zu kreieren, der spielerisch und mühelos mit Übersee-Größen mithalten kann.

Johnny Mauser – Mausmission

Achtung genialer Vergleich (not!) incoming: Johnny Mauser ist auf „Mausmission“ wie Bernhard und Bianca, die Mäusepolizei. Ganz klein, aber mit einem riesengroßen Mittelfinger für jeglichen Egomodus und dem ganzen anderen Dreck in unserer Gesellschaft. Und während sich Johnny der Mäuserich also gekonnt auf den Mond flowt und dabei alle Köpfe hier unten auf unserem schönen Planeten zum Nicken zwingt, schweben die Beats gefährlich in der Umlaufbahn.

Captain Gips – Klar zum Kentern

„20 Jahre Rap ich hab es nie bereut. Ich höre schlecht, hab Rückenschmerzen, Depression, ne Plautze, graue Haare wie der Tote von den Beastie Boys“ – trotz den gewöhnlichen langsam eintreffenden Altersschwächen, ändert sich bei Captain Gips sonst nicht viel: er kann die Finger nicht vom Mic lassen und droppt weiterhin verdammt harte Punchlines. Unser Hamburger Kapitän macht das Schiff „Klar zum Kentern“ und wir gehen liebend gerne damit unter.