Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

von am

Noch schnell den letzten Hering ausm Glas gefischt und damit das Katerfrühstück für beendet erklärt – die Weekly Releases sind da! Wie gewohnt servieren wir euch die appetitlichsten Häppchen, die der Rap-Kosmos in dieser Woche zu bieten hatte. Unter anderem mit dem finalen Höhepunkt des „Month of the Mob“, XXXTentacions Debütalbum, einem neuen musikalischen Leckerbissen von Rap-Chef Action Bronson und heimische Canapés in Tonform von Doubtboy & Tightill. Buon Appetito!

A$AP MOB – Cozy Tapes Vol. 2

Der Höhepunkt des „Month of the Mob“ ist erreicht. Und fast könnte man in Wehmut verfallen, ist der Release des langerwarteten „Cozy Tapes Vol. 2“ doch das vorläufige Ende eines Release-Tsunamis, der uns mit A$AP Twelvyys Debütalbum, Fergs „Still Striving“-Mixtape und unzähligen Videos vor Freude strahlen ließ. Und ja, man wäre traurig – wäre da nicht eben genanntes „Cozy Tapes Vol.2“. Denn wenn der gesamte A$AP Mob sich versammelt, um zusammen Musik zu machen, ist das wie Weihnachten und Ostern – oder für Atheisten wie Geburtstag und Geburtstag. Zuviele Köche versalzen die Suppe? Nur, wenn die Köche alle Salz mitbringen, hier hat aber jeder Koch ein anderes Gewürz dabei und so wird aus der Suppe ein absolutes Gourmet-Ensemble.

XXXTentacion – 17

Man mag von seinen Kapriolen und außermusikalischen Aktivitäten halten, was man will – Fakt ist, XXX ist der spannendste Newcomer derzeit. Kaum jemand bildet die Schizophrenie zwischen Braggadocio, Gewaltfantasien und der Zerbrechlichkeit eines Teenagers besser dar als der 19-jährige Rapper aus Lauderhill, Florida. Mit „If you listen to me to get hype or to not think, don’t buy this album, this one is for the depression, for the depressed ones, for the lost ones.” kündigte er das Album an. Und er hält Wort. Auf zehn Songs sucht man vergeblich nach einem zweiten „Look At Me“. Dafür gibt XXX einen Blick in sein Innenleben frei und verliert trotzdem nichts an seiner Intensität. Viel akustische Gitarre und viel Piano begleiten XXX, der beweist, dass er auch gesanglich einiges drauf hat. Und sind zehn Songs (plus Outro) nicht die perfekte Anzahl für einen Klassiker?

Action Bronson – Blue Chips 7000

Man könnte meinen, Action Bronson würde nur noch durch die Welt reisen, Käse, Wein und gebratenes Hirn verkosten und zur Abwechslung einem Fan bei einem seiner Auftritte einen Bodyslam verpassen. Dabei arbeitetet der New Yorker mit albanischen Wurzeln zeitgleich genauso akribisch an seiner Musik, wie sein neuestes Machwerk „Blue Chips 7000“ eindrucksvoll beweist. Der Einfluss von Harry Fraud und Produzentenlegende The Alchemist ist genauso groß wie abwechslungsreich und unterschiedlich. Alchemist bastelt die warmen, liebevoll arrangierten Sample-Beats, Harry Fraud macht Banger. Die Lines sind wie gewohnt gespickt mit popkulturellen und kulinarischen Verweisen. Das schmeckt!

RAF Camora – Anthrazit

Raf Camora, König des deutschsprachigen Afro-Traps, haut mit „Anthrazit“ bereits sein fünftes Solo-Studioalbum raus. Doch nur ein Jahr nach „Palmen aus Plastik“ ist neben dem Fame auch die Erwartungshaltung hoch wie nur zuvor. Und soviel kann verraten werden: Raf liefert. Neben Afro-Trap vermischt er Dancehall, Reggaeton, Reggae und Trap mit dem Raf-eigenen Sound aus Bombast und Epos und liefert damit exakt das, was sich jeder Fan erhofft haben dürfte. Der Mann weiß, was er tut und nach jahrelanger Arbeit gönnt man ihm den Erfolg, denn trotz der Anleihen bleibt der Wiener seinem Sound treu. Das ist kein Anbiedern vor dem Massengeschmack, das ist Zeitgeist-Treffen aufgrund von Talent und harter Arbeit.

Brockhampton – Saturation II

Was soll man noch sagen. „Saturation I“ war ein Meisterwerk. Und die Vorab-Singles und -Videos lassen nicht vermuten, dass sich das bei „Saturation II“ ändert. Das Künstlerkollektiv um Mastermind Kevin Abstract weiß einfach zu genau, welche Hebel es ziehen muss. Ein bißchen Odd Future-DIY-Charme, intelligent verpackte Sozialkritik, eine gesunde Schärfe in den Ansagen und eine enorme Detailverliebtheit – Brockhampton macht komplett alles richtig. Ein abwechslungsreicher, stimmiger Sound durchzieht das Album, jeder Rapper weiß zu glänzen und seine Stärken voll einzubringen. „Saturation II“ ist ein weiterer Meilenstein in der meilensteinreichen Release-Historie Brockhamptons. Und bald schon soll der dritte Teil der „Saturation“-Trilogie veröffentlicht werden. UFF!

Doubtboy & Tightill – RnB Anarchie

Anfang des Jahres ist im deutschen Interwebkosmos ein kleines Soundblümchen aus der Erde gesprießt: „sneaker“ von Doubtboy machte seine Runden durch unsere geliebten sozialen Netzwerke und ein neues Musikzeitalter begann. Ein Zeitalter voller Schnulz, Kitsch & Genialität – das Zeitalter von Doubtboy & Tightill. Die zwei Bremer Rosenkrieger releasten nun mit „RnB Anarchie“ ihren ersten gemeinsamen Langzeitspieler und treffen damit mitten in unser Herz. Ohne dass wir es wussten, sehnten wir uns schon seit immer nach ihren genialen Texte zwischen Liebe, Sex, Bier und Philosophie-Lehrstunde und wollen nicht mehr auf ihre smoothen Schlafzimmer-Beats verzichten. Danke, Doubtboy und Tightill! Einfach nur Danke!

YOURZ & AsadJohn – Nights in Paname

Mit „1 Night in Paname“ hat Berliner DJ und Hitproduzent AsadJohn eine Partyreihe in die Welt gerufen, die national für Furore sorgt. Nun hat er sich mit dem Kölner Produzenten Yourz zusammengesetzt und seinen Sound irgendwo zwischen Cloud/Trap, Dancehall/Reggaeton und afrikanische Rhytmen auf eine gemeinsame EP gebannt. Damit treffen sie genau das Herz einer von Regen und Gewitter gebeutelten Nation. Während draußen also die Regentropfen gegen das Fenster schlagen, lassen wir uns von „Nights in Paname“ in wärmere Gefilde entführen. Die Beats sind unser Antidepressivum und das ganz ohne Nebenwirkung. Da braucht man auch nicht seinen Arzt oder Apotheker nach fragen.

Lil Uzi Vert – Luv Is Rage 2

Im November letzten Jahre teaste Uzi seinen langerwarteten Nachfolger seines Durchbruch-Mixtapes „Luv Is Rage“ zum ersten Mal an. Seitdem warten Fans ungeduldig, Singles wie das unglaubliche „XO Tour Llif3“ ließen die Vorfreude, aber auch die Erwartungshaltung, in ungeahnte Höhen schnellen. Einen Tag vor Release überraschte uns der Philly-Rapper mit der Ankündigung und heute ist es da. Promo-Phase my ass. Und Uzi wird der Erwartungshaltung absolut gerecht. Der Rockstar-Ansatz findet sich wie gewohnt, abgesehen von ein-zwei Samples (z.B. auf „X“) und etwas Distortion-Einsatz, nur in der Attitüde, nicht aber in der Musik wieder. Auf Features wird dabei weitestgehend verzichtet. The Weeknd steuert einen Part bei, Pharrell ebenfalls, den Rest bestreitet Lil Uzi alleine. Gute Entscheidung, gutes Album.

WIKI – No Mountains in Manhattan

Einige stumme Tränen liefen die Wange runter, als inoffiziell die Nachricht die Runde machte, dass das Rapduo Ratking vorerst Geschichte ist. Diese können nun getrocknet werden, denn Ratking machen trotzdem noch verdammt gute Musik, wenn er auch jeder der beiden auf Solopfaden. US-Raps schönste Zahnlücke Wiki (geteilter erster Platz mit Danny Brown) beglückt uns mit einem großartigen Album. Zudem hat sich der Rapper aus der Upper Eastside Manhattans nicht lumpen lassen und niemand geringeren als Wu-Tang-Member Ghostface Killah als Feature auf sein Debütalbum geholt. Und auch die Producer-Credits sind nicht von schlechten Eltern – unter anderem Kaytranada, Earl Sweatshirt als sein Producer-Alias randomblackdude und DJ Earl Teklife sitzen an den Reglern und verpacken die überragende Performance Wikis stilgerecht.

Felix Krull – Almantape

Der größte aller Stemmer kehrt in seinem neuesten Machwerk von der Skyline zurück zum Bordstein. Münchner Schickeria wird eingetauscht gegen lauschige Campingplatz-Atmosphäre. Nicht die mit prasselndem Lagerfeuer und Gitarre, sondern die mit „Die Camper“-Charme und Gartenzwerg vorm Vorzelt. Das „Almantape“ trinkt auf Malle ausm Eimer und bedankt sich mit einem stolzen „Sänk Ju“. Gekleidet ist das Ganze in zeitgeistgemäße Afro Trap- bis Trap-Gewänder, geschneidert von Kitschgang-Member Nuro. Damit liefert uns Felix Krull ein weiteres gutes Argument für den Erhalt der deutschen Leitkultur.

Lazy Lizzard Gang – Wald

Jetzt werden wieder süße Tier beschützt! Die Lazy Lizzard Gang bleibt dem Kush treu, verschiebt aber den Fokus auf den soviel wichtigeren Erhalt ihres natürlichen Habitats und werden damit zur politisch stärksten Stimme im Deutschrap-Dschungel. Klar, die Antilopengang gabs auch noch. Aber was haben die wirklich je für die Antilopen getan?! Untermalt von so erlesenen Beatkünstlern wie AsadJohn und Lorenz & Urbach werden auf Cloud/Trap-infundierten Soundgemälden Echsen-typische Themen in zeitgemäßer Lingo für uns ausgebreitet. Natürlich, man hört „Wald“ und schreddert sich danach trotzdem den Coffee-to-go und einen auf Tropenholz-Kohle gegrillten Burger rein. Aber zumindest müssen wir für das gute Gewissen ab jetzt kein Krombacher mehr trinken. Prost.