Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

von am

Verkatert? Gelangweilt? Egal wie es euch gerade geht, wir haben wieder was Schönes für euch, und zwar die besten Tapes der letzten Woche. Dieses mal geht die Release-Reise von Virginia über New York nach South Florida nach Indiana bis nach Österreich. Habt Spaß!

Lil Tracy – Life Of A Popstar

„Witchblades“ ist ganz offiziell die Gothboyclique-Hymne, die sofort jeder Emo-Goth-Rap-Fan mitgrölen kann. Und neben Posterboy Lil Peep geht das verdiente Hak an Lil Tracy – der ist schon seit Beginn an GBC-Strippenzieher im Schatten von Peeps Mainstreamerfolg. Musikalisch steht er diesem aber keinesfalls nach. Deren gemeinsames Mixtape „CÅSTLES II“ steht und fällt mit den Rap-Parts von Tracy, der nämlich viel mehr MC ist, als Peep mit seinem liebenswürdigen Singsang. „Life Of A Popstar“ verdeutlicht das nur noch: Lil Tracy liefert ratternde Bars abseits von all dem (nicht falsch verstehen, wir lieben es) Soundcloud-Emo-Rap-Rumgeheule. Trappige Produktionen, die sich quer durch die wolkige Talentschmiede winden und Rap-Parts, die einen nicht zum weinen bringen, lassen „Life Of A Popstar“ zu einem ausgesprochen glücklich machenden Kunstwerk werden. Aber Lil Tracy erklärt das eigentlich ganz gut selbst: „I’m a goth boy not a sad boy!“

A$AP Twelvyy – 12

Der immer noch allgegenwärtige A$AP Yams meinte noch kurz vor seinem Tod, Twelvyys Debütalbum sei „the best NY rap album I heard in years, I think it’s going to surprise a lot of people“. Und tatsächlich flog der Bronx-Rapper besonders im Vergleich zu Mob-Kollegen Ferg und Rocky bislang eher unter dem Radar. Das ändert sich nun, denn „12“ ist tatsächlich ein verdammt gutes Album und verbindet typischen A$AP-Sound mit einer Oldschool-NY-Soundästhetik. Twelvyy kann und möchte seine Herkunft nicht verleugnen und er tut gut daran, denn sein Flow passt gleichermaßen auf Boom Bap wie auch auf 808-Gewitter. Und von beidem gibt es zu Genüge auf „12“. Foreshadowing betrieb der Gute bereits im Januar 2016 auf dem Song „L.Y.B.B.“, der sich auch auf dem Album wiederfindet – „This my last year bein‘ broke/Let’s get this money“. Mit dem Release von „12“ könnte diese Vorhersage durchaus eintreffen.

Wifisfuneral – Boy Who Cried Wolf

Spätestens mit „JoeBuddenProbablyThinksICantRap“ hat Wifisfuneral unser Herz gewonnen – für immer, für immer immer. Aber auch sonst sind wir dem South Florida-Rapper komplett verfallen. Irgendwo zischen ratternden Rap-Parts, die an den jüngeren Trap-Bruder von Eminem erinnern (würde dieser existieren), einem Three-Six Mafia-Sample („Pop“) und Beat-Brettern von Pierre Bourne (ja, der ist verantwortlich für Playboi Cartis „Magnolia“), TeamSesh-Beatgenie Curtis Heron, Hit-Lieferant Murda Beatz (ja, Gucci, Travis, Drake etc.) und noch vielen mehr findet man auf „Boy Who Cried Wolf“ eigentlich nur eines: Hits! Also, so als Fazit: Danke, Wifisfuneral und fick dich Joe Budden!

Ugly God – The Booty Tape

Der XXL Freshman 2017 aus Houston schafft das, woran sich deutsche „Rapper“ bis heute die Finger verbrennen. Rap und Humor – wer sich mit Deutschrap auseinandersetzt, kriegt bei dieser Kombination entweder Angst- oder Wutattacken. Dabei ist das Ganze gar nicht so schwer. Alles, was man machen muss, ist Rap und die Kunst dahinter ernstzunehmen, nicht aber unbedingt sich selbst. Während „lustige“ Deutschrapper noch mit umgedrehter Cap,Baggys und „Yoyoyo“-, „Yolo!“- oder „Swaaag“-rufend durch die Gegend laufen und damit der Szene den Spiegel vorhalten wollen, macht Ugly God einen Track über seine Liebe zur Masturbation und wird damit zu einem der heißesten Newcomer dieses Jahres. Jetzt hat der gute Mann endlich sein langerwartetes „The Booty Tape“ rausgebracht und die erste Überraschung ist die im Vergleich zur Ankündigung vor wenigen Wochen doch stark gekürzte Playlist. Von ursprünglich 16 Songs haben es nur ganze zehn aufs Tape geschafft. Woran das liegen mag – man kann nur munkeln, mindern tut das den Hörgenuss aber nicht. Dazu sind die Produktionen zu gut, die Lines zu humorvoll und das Tape in seiner Gänze zu stimmig. Die Melodien sind edgy, aber eingängig, der Bass immer druckvoll und dreckig, insgesamt könnten es ein paar mehr unbekannte Songs sein, denn von den zehn Anspielstationen kennt man bereits vier. Trotzdem lohnt sich das Reinhören. Und eine gute Überbrückung bis zum ersten Album ist es allemal!

Einfachso – TAKTAK

Wer unsere Verliebtheit mit Jugo Ürdens verfolgt hat, ist dabei auch schon über Einfachso gestolpert – auf „Ajde“ hat er nämlich einen brutalen Featurepart hingelegt. Hatte Jugo auch hier seine Producer-Finger im Spiel, steht aber „der Polak“ zu 100% im Vordergrund: „TAKTAK“ ist sein erstes EP-Geschenk an die Deutschrapwelt, die ihn mit offenen Armen Willkommen heißt. Zwischen sonnigen Fahrradtouren mit dem „Citybike“, leicht Arroganten Punchlines auf „Alles Gut“ und stabilen „Stani“-Straßenrap-Parts liefert Einfachso ein verdammt solides erstes Projekt, einfach so eben. Über manch holprige Parts sieht man hinweg, hat man das Talent im Hinterkopf, das der junge Österreicher mit sich bringt. Also, alles gut – wir cruisen mit Einfachso viel zu breit auf dem Mietfahrrad durch Wien!