Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

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Im Vergleich zur vergangene Weekly Release-Liste, die kurz vor dem überlaufen war, waren die letzten sechs Tage ein sehr mageres Veröffentlichungs-Spektakel. Gerade mal vier Tapes haben ihren Weg in unsere heilige Liste gefunden. Darunter Vic Mensa, Aminé, JD. Reid und Madchild & Evidence. Aber ihr wisst, Qualität vor Quantität.

Aminé – Good For You

Wenn Rapper anfangen zu singen, kann das schnell in einem Desaster enden. Wenn dann noch poppige Melodien dazukommen, verschließen geneigte Rap-Hörer schneller die Ohren als Hamburger Ladenbesitzer ihre Geschäfte während des G20. Wieso also ist Aminé einer der aufstrebendsten Newcomer der vergangenen 12 Monate? Um das zu verstehen, muss man sich „Good For You“ anhören. Viele sind schon an zu hohen Erwartungen gescheitert, der Rapper aus Portland lächelt den Druck weg, als wäre es nichts. Die nicht immer ernsten, aber immer durchdachten Zeilen, die Aminé mit einem Augenzwinkern vorträgt, sind dermaßen charismatisch, dass man selbst nahezu unerträgliche Pop-Melodien (s. „Wedding Crashers“) anstandslos hinnimmt und sich kurze Zeit später selbst beim Fußwippen erwischt. Darüberhinaus ist die musikalische Untermalung durchaus anspruchsvoll und detailreich produziert. Es macht tatsächlich verdammt viel Spaß, dem sympathischen XXL Freshman 2017 zuzuhören!

Vic Mensa -The Autobiography

Nur anderthalb Monate nach dem Release der “The Manuscript”-EP bringt Vic Mensa mit “The Autobiography” nun sein langerwartetes Debütalbum auf den Markt. Der Titel verrät es, das Werk, das seit mehr als drei Jahren in der Mache war, gerät äußerst persönlich. Kein Makel, viel mehr kommen die insgesamt 15 Tracks erfrischend authentisch und ehrlich rüber. Mit Features von Syd, Pharrell, Saul Williams, Ty Dolla $ign, Pusha T, Chief Keef, Joey Purp, The-Dream und Weezer wurden durchaus große Namen akquiriert. Die musikalische Untermalung ist, wie nicht anders zu erwarten vom ehemaligen Indie Band Member, verdammt abwechselunsgreich – Vic Mensa versteht es wie kaum ein anderer poppige Melodien mit interessanter Instrumenation zu verbinden und auch ein musikalisch abwechslungsreich durch einen inhaltlichen roten Faden zusammenzuhalten und stimmig wirken zu lassen. Seit„Innanetape“ mussten wir vier geschlagene Jahre auf ein neues Release warten – das Warten hat sich gelohnt!

Madchild & Evidence – The Darkest Hour

Swollen Members trifft auf Dilated Peoples: Madchild droppt nach zwei Jahren Pause einen Langzeitspieler produziert von Evidence. Und ja, er klingt genau so wie wir uns das vorgestellt haben. Das ist aber keineswegs was schlechtes, denn die beiden Rap-Koryphäen liefern mit „the Darkest hour“ ausgereifte Produktionen ohne 808-Geballer und lyrisches Feingefühl, das sich wieder voll und ganz auf Inhalt im Rap fokussiert. Ja, das liest sich alles zwar eher wie „HipHop-Heads, die nichts mit 2016-Rap anfangen können, philosophieren über die Echtheit von Sprechgesang“, ist aber viel mehr eine verdammt stabile LP, die mit Gastbeiträgen von Fashawn, Alchemist, A$ton Matthews und Oh No zu einem kleine Kopfnick-Meisterwerk abseits von dem teils überflüssigen Trap-Gepose wird – „Stay lowkey and hang with OGs“!

JD. REID – Calibrate

OK! OK! Beruhigt euch! Aber, JD. Reid hat wohl gerade eines der besten Mixtapes des Jahres gedroppt. Und nein, wir übertreiben nicht. Mit Gastbeiträgen von Kojey Radical, Novelist, Hodgy, slowthai, Oscar #Worldpeace und 808ink erschüttert er die Mauern des Vereinigten Königreich und packt London und Umgebung noch höher auf die „musikalischsten Orte dieses Universums“-Liste. Vielleicht sogar auf Platz 1. Denn zwischen dreckigen Grime, tiefen Bässen und verträumten Synthesizern wird „Calibrate“ zu einem bedeutenden Meilenstein von JD. Reid. Er verlässt nämlich seine gewohnten Territorien und bewegt sich langsam in abstraktere Gefilde. Gut so, wir knien nieder vor Reid!