Die besten Musikvideos des Monats: Januar // Visualizing Music

von am

New year, new Kolumne. Ab jetzt hier jeden Monat die besten Musikvideos zum Nachschauen und mit den Kommilitonen durchanalysieren. Macht das bitte. Nächstes Mal vielleicht auch pünktlich zum Monatsende.

10

Argonautiks – Hoe (R: Emma Weh)

Klar, hier oben darf ein bisschen Eigenwerbung auch sein. Denn völlig abgesehen davon, dass dieses Video bei uns Premiere gefeiert hat, ist es auch eines der besten Videos des Monats. Die Aesthetics sind von vornherein on point – sowohl farblich als auch in der Montage passt alles perfekt zur kalt-gefährlichen Aura des Tracks, die nochmal von der Performance der beiden unterstrichen wird. Und die Storyline der aufblasbaren, nackten Gestalt erfährt zum Ende des Videos eine Wende, die wenigstens mich mit leichter Gänsehaut zurücklässt. Bitterkalte Romantik – Es ist eben auch immer eine Hassliebe mit der zu battlenden Konkurrenz.

09

Bruno Mars feat. Cardi B – Finesse (Remix) (R: Bruno Mars)

Eine kleine Zeitreise in die 90er: Bruno Mars holt Cardi B auf den Remix zu „Finesse“ und führt Regie beim Video dazu. Das ist insgesamt eine Hommage an die Comedyserie „In Living Color“, die 1990 bis ’94 im amerikanischen Fernsehen lief. Keine Ahnung, da hatte ich noch nicht das Licht der Welt erblickt und das gilt wahrscheinlich auch für viele unserer Leser – Wie auch immer, der Theme Song kam damals aus der Feder von Heavy D. Rap! Im Video zu „Finesse“ jedenfalls fließt alles in den Vibe ein: Von den Outfits über den Track an sich bis zur Studio-Blockparty, die am Ende abgefeiert wird. Aber mich könnt ihr nicht täuschen mit eurem Full HD, ha! Trotzdem animiert das Video ebenso sehr zum Hüpfschwung und 2-Step wie der nicht zu verleugnende Hit, den die beiden da produziert haben.

08

Fruchtmax feat. Nura – Wenn ich will (R: EASYdoesit)

Nochmal einen Schritt zurück in der Zeit: Bevor man in den 90ern mit Rap in TV-Show-Intros durchstarten konnte, durfte sich in dern 80ern erstmal die VHS-Kassette als Medium etablieren. Damals Peak der Verfügbarkeit bei hoher Qualität von Videomaterial, sehen die ollen Dinger heute natürlich alt aus gegen Blu-Ray und IMAX. Die Ästhetik der auf Magnetband gespeicherten Bilder allerdings wurde in den letzten Jahren wiederentdeckt – und spätestens letztes Jahr auch im Musikvideobereich ordentlich durchgespielt. Fruchtmax und Nura bzw. Easydoesit mischen dem noch Digitalisierungsfun per multiplen, sich überlappenden Screens bei und geben eine Prise längst veralteter Special Effects hinzu, die das Video zu einer Mischung machen, die genauso sehr ballert wie der wesentlich moderner anmutende Track. Shutdown!

07

Olexesh – Gopnik (R: Mikis Fontagnier)

Bleiben wir noch kurz im gleichen Jahrzehnt: Es kam nämlich bei der Olympiade in Moskow 1980 dazu, dass das komplette Team der Sowjetunion in adidas-Trainingsanzüge gekleidet war. Ob das der Grund dafür war, dass eben jenes Team mit riesigem Vorsprung die meisten Medallien sammelte, sei mal dahingestellt, jedenfalls wurde diese Mode dadurch popularisiert. Dieser Hype hält in gewisserweise bis heute an und führt uns direkt zu den sogenannten „Gopniks“ – der jungen, kriminellen Unterschicht, mit der sich Olexesh hier wohlwollend identifiziert. Lifestyle eben dieser wird in diesem Video in jedem Detail durchzelebriert und die drei ikonischen Streifen so oft untergebracht, wie es nur geht. Musikalisch untermalt wird das von einem absolut zeitgemäßen Brett von einem Beat und Olexeshs abartigen Flow, der wiederum vom perfekten Schnitt untermalt wird. Bounce!

06

St. Beauty – Not Discuss It (R: Lacey Duke)

Dieses Track bewegt sich in wesentlich softeren Gefilden: In melodisch-souligem, aber trotzdem modernem Gewand mit schnatternden 808s singen die beiden Ladies vom Beziehungsleben zwischen Diskussionen, Streit und Versöhnungssex. Die Visuals dazu bewegen sich maßgeblich auf zwei Ebenen: Einerseits sehen wir die Sängerinnen in kaleidoskopartiger Komposition, ebenso transparent wie ungreifbar, während die eingeblendeten, kleineren Screens mit überraschend naher Intimität punkten. Im Fokus steht damit immer ein Zwiespalt zwischen Körperlichkeit und der Unerreichbarkeit derselben. Und genau deshalb ist dieses Werk so verdammt stimmig.

05

Trippie Redd – Hellboy (R: mamesjao)

Nach einem Ausflug in die Zuckerwattenwelt geht es direkt zurück in die Hölle. Der Track allein ist so moody, irgendwie ignorant, aber auch verdammt düster, irgendwo zwischen selbstbewusst und selbstzerstörerisch. Und die derzeitige Annäherung an das 88risinng-Kollektiv tut seinem Videogame verdammt gut, denn die Ästhetikschienen laufen perfekt ineinander. Verdammt trippy kämpft Trippie (hehe) gegen diverse Wesen aus der Unterwelt, inklusive Endboss und ordentlich Splatterei. Ich persönlich wünsche ihm alles Gute im Kampf gegen die inneren und äußeren Dämonen. Und noch was: Mir kommt das Sample so unfassbar vertraut vor. Nein, ich meine keinen der auf whosampled.com aufgelisteten Tracks. Es macht mich wahnsinnig, nicht zu wissen, woher ich das kenne. Hinweise bitte an till@splash-mag.de. Danke.

04

Young Fathers – In My View (R: Jack Whiteley)

Schon wieder nur so halb HipHop. Aber von vorne: Das Video entpuppt sich erstmal als Fundbecken der geillsten Aesthetics des Jahres. Hier werden acht visuelle Plots mehr oder weniger entfaltet, drei davon stehen in direkter Verbindung zur Gesangsperformance, die anderen fünf erzählen in abstrakten Formen von zwischenmenschlichen Beziehungen. Jeder einzelne wäre eigentlich schon genug Material für eine größere Analyse, aber naja. Denn da passiert ja noch was anderes am Ende: In einer Art Making Of wird die gesamte Psychologie des kleinen Meisterwerks komplett auseinandergedröselt und beeindruckt gerade dadurch noch mehr.

03

Joji – Window (R: BRTHR)

Es ist 2018 und 88rising dreht komplett hoch. Honorable Mentions generell an alles, was die jungen Leute da machen. Abgesehen davon ist das Video zu „Window“ von vorne bis hinten in einer Art 90er-Future-Horror-Ästhetik gehalten, die ebenso schön wie schaurig unterhält. Eine junge Dame läuft durch eine futuristische Stadt, um joji zu retten und muss dafür gegen einige Dämonen im Zweikampf antreten. Der zu rettende säuselt dazu eine kleine Hommage an Travis Scott, die er aber im nächsten Moment zu einem eigenständigen Song ausbaut. So viele iconic Momente. Nicht nur die Kämpfe, sondern auch der Unterwasser rauchende joji und die Maskenshots bleiben einfach im Gedächtnis.

02

Zugezogen Maskulin – Der Müde Tod (R: Martin Swarowski)

Okay, wir haben uns genug an durch die Gegend spritzendem Blut ergötzt – Kommen wir also zum Soft-Psycho-Horror. Die Jungs von Zugezogen Maskulin sind für ihr Video zu „Der Müde Tod“ in eben jene Käffer gefahren, aus denen sie einst flohen. Der Track ist dem ältesten Freund der beiden gewidmet, dem Tod, der sie ihr ganzes Leben begleitet. Denn hier, wo es nichts gibt, gibt es immerhin ihn. Und er lauert in jedem Winkel und verzerrt die Sicht. Das wird nicht nur durch verschiedene Formate in den Aufnahmen der Tristesse zur Schau gestellt, sondern auch die Ansichten an sich verzerren immer wieder. Als kleinen Bonus gibt es im Outro es den Dialog, in dem grim104 und Testo ihre Flucht und Rückkehr miteinander verhandeln. Sehr großes Kino über eine sehr kleine Welt.

01

Kali Uchis feat. Tyler, the Creator & Bootsy Collins – After the Storm (R: Nadia Lee Cohen)

Der Januar ist vorbei und ich habe genug von der Winterästhetik und dieses Video bringt mir den Sonnenschein. Bis ins Kleinste ist dieses Meisterwerk detailverliebt und das zahlt sich wahrlich aus. Bootsy Collins singt uns das Intro von der Frontseite einer Cerealienpackung, während Kali ihren Einkaufszettel schreibt – Ganz unten und am Wichtigsten: „LOVER“. Dementsprechend werden auch Tyler Seeds in den Einkaufswagen gepackt und fortan beobachten wir den Flower Boy beim Wachsen. Wenn es etwas gibt, das mich letzten Monat glücklich gemacht hat, dann ist es diese Schlussszene. Und alles. ist. so. schön. Hoffen wir, dass Tyler die Eisheiligen gut übersteht.