Beside The Hype: UK abseits vom Grime

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Abseits von dem ganzen Grime-Hype, der seit ein paar Jahren über den Ärmelkanal schwappt, hat das nasse aber höfliche Königreich noch einiges zu bieten. Ob ein bisschen Dancehall, oder doch 90s-R&B spielt dabei keine große Rolle – J Hus, Che Lingo, Ray Blk, Last Night In Paris, Kojey Radical und Tiggs Da Author sind die zukünftigen Stimmen des United Kingdom und bringen frischen Wind in die sonst so Grime-überfüllte Musikszene.

J Hus

J Hus war 2015 schon Gesprächsthema, wurde angestochen, mit Gang-Kriminalität in Verbindung gebracht und verlor die mediale Aufmerksamkeit dann schnell wieder. Jetzt ist er zurück und macht von Anfang an klar: er will bleiben. Während er Stormzys „Gang, Signs and Prayer“ mit einem Feature-Part schmückt, rückt er sich mit „Did You See“ ins Solo-Scheinwerferlicht. In ein Genre einordnen lässt sich J Hus aber immer noch nicht – lieber wandert er irgendwo zwischen Dancehall, HipHop und Garage umher und macht London Dancehall-tauglich.

Che Lingo

Für Stormzy und Lady Leshurr hat der Südlondoner als Support-Act gespielt, vergangenes Jahr releaste er seine geniale EP „Better Visions“ und zählt offensichtlich zu den spannendsten Uprising-Artists aus dem Königreich. Seine Texte sind gezeichnet von lyrischer Zauberei und sein unvergleichbarer Flow wechselt schneller zwischen 140 BPM, Indie-Sing-Sang und Trap-Rap, als man sich jemals erträumt hätte. Che Lingo ist ein Flow-Gott und zaubert zwischen Jazz, Grime und 90s-HipHop eine brillante Rap-Erfrischung.

Ray Blk

Seit dem Stormzy-Feature „My Hood“ sollte Ray Blk eigentlich keine Untergrund-Queen mehr sein. Viel mehr sollte sie auf einem Thron quer durch die Welt getragen werden, während man der gesamten Menschheit ihren US-ifizierten 90s-R&B in voller Lautstärke vorspielt. Denn die rauen, souligen Vocals der nigerianisch-britischen Künstlerin balancieren zwischen schmeichelhaft-souligen R&B und kantigen, dreckigen London-Vibes. Ihre aktuelle EP „Durt“ ist ein musikalischer Traum, aus den wir die nächsten Jahre nicht mehr erwachen wollen.

Last Night In Paris

Last Night In Paris ist das DIY-Künstler-Kollektiv, zu dem man eigentlich gern dazu gehören würde. Eine Kollektiv in dem jeder Künstler als Individuum einzigartig ist – ob Singen, Rappen, Schreiben, Produzieren oder Visuelle Kunst: Mitglieder kommen und gehen. Eigentlich spielen sie keine Gigs, sondern hosten Partys in irgendwelchen Lagerhallen. Soundtechnisch bewegt sich Last Night in Paris zwischen düsteren HipHop, rauen Rap und sexy R&B – ihre „Pure„-EP ist alles andere als basic.

Kojey Radical

Ja, Kojey Radical ist einer unsere Lieblings-Insulaner. Sollte man das immer noch nicht wissen, darf man sich gerne noch einmal das Interview mit dem Londoner Multitalent durchlesen. Mit seiner EP „23Winters“ brachte er Poetry-Rap an die Spitze des UK-Undergrounds – obwohl es eigentlich unfair ist, zu versuchen Kojey in irgendeine Schublade zu stecken. Denn eigentlich ist er Poet, Visual Artist, Tänzer – also ein Vollblut-Künstler. Seine Texte kommen mit unangenehmer Ehrlichkeit und lassen Themen wie Provokation, Religion und Revolution zu wunderschönen Gedichten und harten Raps werden.

Tiggs Da Author

Obwohl das regnerische Königreich selten mit guter Laune und sommerlichem Spirit assoziiert wird, schimmern immer wieder ein paar musikalische Ausnahmefälle durch die sonst so roughe englisch Musikszene – Tiggs Da Author ist einer davon. Geboren in Tansania, aufgewachsen in London, liefert er einen Mix aus HipHop, Soul, Funk und Jazz: also irgendwie alles, dass unsere Gemüter positiv stimmt. Im November vergangenen Jahres veröffentlichte er seine EP „Glenville Grove„, die man bis zum Sommer auf Dauerschleife laufen lassen sollte.