#ttw: die besten Free Downloads der Woche mit Noname, Blur La Flare und The Jazz Knuckles

yb_cover_final

Auch wenn sich zumindest eine Hand voll Rap-Liebhaber an diesem Wochenende vermutlich auf dem Spektrum oder dem Rewe Family Event tummelten, um sich über die wachsende Bekanntheit ihrer Lieblingsband zu ärgern, sind auch in dieser Woche einige musikalische Highlights für die Generation Early Adopter erschienen – garantiert noch unbekannt und kostenlos.

01

Noname – Telefone

Eigentlich hatte Noname ihr Debüt-Mixtape „Telefone“ nach dreijähriger Produktionszeit bereits vor circa einem Monat ins WWW gestellt, bis es nach ein paar Tagen aus ungeklärten Gründen wieder offline genommen wurde. Mittlerweile ohne den Nachnamen ihres alten Pseudonyms Noname Gypsy, debütiert die Chicagoer Sängerin/Rapperin in jener geschmeidig-kreativen Fusion-Flora, der auch schon Chance The Rapper oder Saba entwachsen sind. Im Bewusstsein der freigeistigen Jazz-Tradition ihrer Stadt fährt die 24-Jährige in ihrer wortverspielten Performance einen entsprechenden Open-Mic-Charme auf: Rap, Poetry Slam, Spoken Word – die Ausgangslage auf „Telefone“ hängt von der Beschaffenheit der Musik ab. Ein etwas kindlicher Unterton mischt sich während der Gesamtspieltzeit der zehn watteweichen Gospel-Wave-Anleihen auf der Schnittstelle von ATCQ und Soulquarians, die zwar die gleiche Desillusionierung wie Chief Keef durchlebt haben, aber statt Aggro-Ansagen lieber Kopf-hoch-Hymnen singen und sich auf die kleinen Dinge im Leben besinnen: „Everything is everything/A cigarette for wedding ring“, heißt es etwa auf „All I need“. Bei „Telefone“ treffen verspielter Wattebausch-Soul auf Betondschungel-Lyrik. Ein Beweis für jenes Fingerspitzengefühl, das ein Mixtape-Schnellschuss bei aller Detailliebe nur extrem selten aufbringt.

02

Blur La Flare – Meine Sicht vom Boltsa EP

Franken bleibt ein brodelnder Kessel: Nachdem zuletzt Laca und Kuchenmann ein lässiges Statement zum Thema „Phunkonia“ aus den Wohnzimmer-Studios südlich der Mainlinie ins WWW schnodderten, rücken nun die Nürnberger Blur la Flare und Pablo mit „Meine Sicht vom Boltsa“ nach. Rapper Yung Blur und sein Producer-Kompagnon werden auf ihrer acht Songs starken EP bereits mit dem fünften Release ihrer Turtle Squad vorstellig, das sich abermals in mitternächtlicher Ungewissheitsatmosphäre suhlt. Was nämlich schon bei den Free Downloads der artverwandten SMS-Crew oder eben Laca auffällig war, sind auch hier die dezent-geschmackvollen Neuzeit-Instrumentals. Anstatt effekthascherische Hornstep-Vorhersehbarkeiten und 0815-808s vorzulegen, konzentriert sich Pablo eher auf Musikalität, kombiniert zarte Space-Melodieschichten mit rumorenden Drum-Sets. Die behutsame Reduktion am synthie-halligen Firmament des Soundbilds, gibt der EP eine angenehme Struktur. Das liest sich jetzt wie Rotweinmusik, ist tatsächlich aber eben eher streettalkender Cloudrap aus der Kifferhöhle als eine durchschnittliche Trap-Partyreihe. Inhaltlich beschränken sich Blur und die gastierenden Vokalisten wie Yen Junge, Lanik oder Crime Daim auf die essenziellen Lebensaspekte: „Der Tag ist erst gelungen, wenn du nicht mehr hustlen musst/Nicht mehr verpacken musst/Das Cash einfach verprassen und/fressen wie Pacman.“ Gras, Gwalla, Girls, Gemütlichkeit – „Meine Sicht vom Boltsa“ erfindet das Rad definitiv nicht neu, aber sportet nachtblaue Chromfelgen, die im bedrohlichen Mondlicht Rauchwolken und Geldbatzen spiegeln. Ein Gemälde für die Generation Free Download.

03

The Jazz Knuckles – The Jazz Knuckles

JuJu Rogers, bekannt als Teil von Man Of Booom oder dank seines letztjährigen Solo-Releases „From The Life Of A Good For Nothing“, und Eloquent, bekannt von Sichtexot oder als genereller Deutschrap-Untergrund-Liebling, fahren mit „The Jazz Knuckles“ die Jazz-Fäuste aus. Ein Umstand, der vor allem einer Sache geschuldet ist: die deutsche HipHop-Producer-Legende Ill Will war bei den vorliegenden zehn Anspielern für die musikalische Federführung verantwortlich (unter anderem beackerten schon Total Chaos, Eins, Zwo, Nico Suave, Curse, Aphroe oder Blumentopf Instrumentals des Hamburgers). Im Rahmen der Arbeit an Elos Album „Skizzen in Grau“ entstanden auch diese fluffigen Eckkneipen-Vibraphon-Loops, stehend auf einem unverkennbaren 90s-Drumbreak-Fundament, das zu keiner Zeit Anstalten macht, Themen wie Zeitgeist oder Trendanbiederungen auch nur anzuschneiden. Eine Umgebung, die sich für weitere Ausführungen von Elo und des auf Englisch rappenden JuJu und hervorragend eignet, um im angriffslustigen Battle-Ton über Wack-MCs, Wutbürger und weitere gesellschaftliche Abfall-Ausgeburten herzuziehen wie eine wildgewordene Affenbande: „Ich will nicht sagen, du musst Scheiße fressen, um gut zu rappen/Ich will nur sagen, du musst hungrig sein, um Blut zu lecken.“ So ist das Projekt in Ansatz wie Sound zwar etwas lo-fi bis inkohärent und bringt bis auf den Umstand, dass JuJu Rogers sogar mit einem kurzen deutschen Part vertreten ist, weder affektierten Künstler-Erfindungsgeist, noch negative Überraschungen. Das hier ist einfach nur schnörkellose, dope Rap-Musik. Soll es ja auch geben.