#ttw: die besten Free Downloads der Woche mit Makonnen, Mena, y.for$ha uvm.

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Am 20. August, also in gut einer Woche, ist der „1. Tag der Trinkhallen“ – ein Festanlass, der die Kultur und Existenz sämtlicher Buden/Büdchen im Ruhrgebiet feiert. Man braucht nicht unbedingt zur SWBG gehören, um die Bedeutung dieses Ortes zu erkennen, denn auch als Berliner, Hamburger und sogar Rostocker kennt man die Gepflogenheit das Wegbier/den Absacker vor den Toren des Kiosks deiner Wahl zu genießen. Nun hat das zwar wahrlich nichts mit Free Downloads zu tun, doch bin ich mir ziemlich sicher, dass der eine oder anderer Leser mit dieser Kolumne gegen die Folgen seines samstäglichen Exzesses kämpft – und damit haben wir doch eine sehr starke Verbindung zwischen Späti und #ttw. Also, Prost/Load, bzw. Proasd!

01

Makonnen – Red Trap Dragon

Der rap-singende Ex-Ovo und Ex-Moppel und bleibt auf „Red Trap Dragon“ seiner Faustformel aus samtweichen Softie-Schmonzetten und frontenden Rückdeckungs-Raps treu. Wobei es auf vorliegender Streetaltk-Synthie-Overtüre vordergründig, eher Zweiteres geht. Makonnen rappt in seinem gewöhnlich-charmanten Stümper-Flow zahlreiche Dusseligkeiten und Debilitäten auf den größtenteils von Donny Wolf produzierten Brodstein-Trap: „I’m the man, Snapchat all night/From your hoes all night/Tell your bitch to call my phone, ‚cause I might buy that bitch a flight“. Deep. Am Ende der Tracklist schauen auch nochmal Lil Yachty und Skippa Da Flippa vorbei, um sich auch mit den derzeitigen Internetheros (hüben, wie drüben), die im Grunde genommen ja Makonnens Nachfolger sind, gut zu stellen. Eine weiderholte Zukunftsinvestition, übrigens. Alles wie immer. Mit „Red Trap Draogn“ beweist der gebürtige L.A.’ler zwar, abermals dass bei so einem regelmässig-frequentiertem Mixtape-Output, sich sein Hit-Händchen fast nie nicht im Ton vergreifen zu scheint, allerdings sein Signature-Sound aus reduzierten Gummitwist-Synthies und schnurrendem Drumplay erste Abnutzngserscheinungen auweist. In Zeiten von verschwimmendenr Releaseflut zwischen Streettape und Kollabo-EP muss man nicht gleich Forderungen nach so antiquarischen Begrifflichkeiten wie „Album“ fordern. Aber ein weiträumiges Großprojekt wäre zwischendurch mal wieder angebracht.

02

Jesse Boykins III – Barthomolew

Jessie Boykins ist ein Neuzeithippie. „They say women are form venus/But I love my earth girls“ – schon der Opener seines wahnsinnigen „Bartholomew“-Albums ist eine kleine Liebesode an die Generation Globalisierungsfolge. Doch den Worten folgen auch Taten, denn so hat der Chicagoer auf den 17 Anspielstationen zahlreiche Erdenmädchen versammelt, die auch redaktionsintern nicht vom Demotisch gestoßen werden würden: Kilo Kish, Syd, Little Simz, Melanie Fiona, Noname und so männliche Vertreter wie Isaiah Rashad, Mick Jenkins, Donnie Trumpet oder Trinidad James. Anhand der Tracklist, lässt sich bereits erahnen, dass der Sänger und Multiinstrumentalist sich einem eher breispektralen R&B-Entwurf aus organischen Afro-Beat-Anleihen, pointierten Piano-Motiven und dancefloor-tauglichen End-90er bzw. Früher 00-Timbaland-Entwürfen verschrieben hat, der allerdings mit Kick und Snare in der Gegenwart steht. Eine Gefahr, die so ein großspuriges Staraufgebot in Tracklist-Form verbirgt, ist hierbei immer, an seiner selbst gekochten Suppe zu ersticken. Jessie ist allerdings jederzeit der Dompteur seiner Manege. Der 31-Jährige performt mal im Crooner-Modus, mal im sprechsingenden Drake-Flow über orchestrale Strahlemann-Synthies oder dickflüssige Bandstrumentals zwischen einem groovigen Prince-Einschlag, der frechdachsigen Computermusik von Hudson Mohawke und der subtilen Softporno-Delivery von Sade – mit dem entscheidenden Twist, dass es nie überfordernd oder gar überproduziert wirkt. Thematisch geht es, ja genau, im Groben um alles, was so zwischen Gefühlsduseligkeiten von Sex bis Liebe passt. So ist „Bartholomew“ ein Aufgebot an Namen, Instrumenten und Musikalität, das schlichtweg jetzt schon zu den stärksten Releases des Monats zählt. Downloadpflicht!

03

Mena – Strawberry Avenue

Eine Starthilfe von Ex-Emo-Rap-Schmalzlocke Sierra Kidd wäre vermutlich für durchschnittliche Rap-Newcomer ein musikalischer Gnadenschuss Richtung Abstellegleis – im Falle von Mena erbrachte es dank Juice-Vorarbeit schwellende Lobgesänge und Zukunftsprognosen. „Du weißt, wenn ich komme, ist deine Bitch weg/Denn, wenn du Cash hast, brauchst du kein Sixpack“, lässt der Bremerhavener uns etwaige Street-Weisheiten auf der EP „Strawberry Avenue“ zuteil werden und steckt damit auch nebenher das grobe Content-Spielfeld ab: Kräftemessen, Kilos puschen, Kätzchen knutschen. Wobei nicht ganz gesichert ist, ob es sich bei Menas lyrischen Drogen- und Großmaul-Eskapaden um Lebenserfahrungen oder doch eher um Mafiafilm-Phrasengedresche handelt. Letzteres würde zwar in Puncto angestrebter Seriosität, die sich auch in der melodischen, aber sehr ernsthaften Brunftschrei-Delivery veräußert, stark schmälern, doch angesichts des beeindruckenden Performance-Range fällt das auch nicht so stark ins Gewicht. Das hier hat man in Deutschland in der Tat bislang selten gehört – allenfalls bei dem Wiener Meydo, der durchaus ähnliche Einflüsse auf solche bratzigen Bombast-Synths, schnurrenden Snarerolls und sensiblen, brüchigen Melodiebögen vorzuweisen hat. Der selbsternannnte „Mula Master“ Mena hingegen switcht allerdings auch weitaus melodisch-routinierter zwischen zähnefletschenden Silbenzähler-Attacken und langatmigem Breitbild-Singsang, der leichtfüßig über die rotzigen Trap-Rollbretter fliegt – call it Autobahn-Lichter-Rap. Auch an der Seite von Yen Junge und Sierra Kidd besteht der #ttw-Neuling auf Augenhöhe hinter den Membranen. Stimmeneffekte, detailliertes Adlib-Game, preschendes Bass-Geschepper – die Musikalität ist auf „Strawberry Avenue“ bewegt sich zwischen der Freakness von Death Grips, der Lässigkeit von Travis $cott und den rap-lastigen Momenten von Young Thug. Gerne gönnt man dieser atmosphärischen Asphaltwolke im EP-Format größtmögliche Aufmerksamkeit, auch wenn in der Genetik des Releases durchaus ein paar Spuren von „Days Before Rodeo“ screenen kann.

04

y.for$ha – Sheesh !²

Die Bergmoney Gang ist nicht ganz unschuldig daran, dass deutscher Rap mittlerweile ein ziemlich solides Soundcloud-Game vorzuweisen hat und gleichzeitig dennoch gewissen Qualitätsansprüchen genügt. Auch y.for$ha, der bereits vor einigen Monaten mit „Sheesh!“ hier vorstellig wurde, zählt zu diesem undurchsichtigen Internetkids-Kreis. Ähnlich wie seine Squad-Mitglieder, bedient sich auch er auf seinem zweiten 16-Tracks-umfassenden Mixtape-Nachfolger „Sheesh!²“ kräftig am Zeitgeist-Sound: repetitive Synthie-Synkopen, schizophrene Morph-Bassläufe und Fahrradketten-Hi-Hats. Über dieses musikalischen Trap-Hologramm spaziert for$ha überwiegend Themenfelder ab, die sich um die eigene Großartigkeit (Rap-Skills, Lebensweise, Geschäftstüchtigkeit, ihr wisst schon) bzw. die Minderwertigkeit der Konkurrenz (wacke Rapper, Hater, Staatsgewalten, ihr wisst schon) geht. „for$ha, for$ha, ich setze Ziele ziemlich früh, komm‘ mit meinem Fokus auf Rap/Während die anderen bald auf der Strecke zurückliegen im Eifer des Gefechts“ – Ja, das hier ist über weite Strecken eine Art Neuauflage des in den letzen Jahren so verteufelten Rap über Rap – jedoch mit gut versteckten Kalauern und Einblicken in die Persönlichkeit for$has. Allerdings fällt die Delivery zuweilen etwas lieblos aus, was vermutlich auch der mitreißenden Spontanität der vorliegenden 30 Minuten verschuldet ist und auf mittlerer Ebene ein wenig die Aufmerksamkeit abhanden geht. Trotz vorhandener Qualitätsmerkmale und dem Herz am rechten Fleck ist for$has Release in all seiner Solidität demnach auch ein Paradebeispiel, dass es heute eben nicht mehr reicht, mit Migos-Flows und Trigger-Rolls aufzufahren. Mit anderen Worten: Is‘ halt ein Mixtape, ne?