#ttw: die besten Free Downloads der Woche mit Juicy Gay, Joell Ortiz uvm.

Ist Rap Sport? Können technische, ja statistische Bewertungsgrundlagen und Ansprüche herangezogen werden, um einen Rapper, ja was eigentlich genau zu belegen? Dass er rappen kann? Dass er reimen kann? Wer entscheidet das und wie? Wird es dann sowas wie das deutsche Rap-Abzeichen geben? Fahren dann junge Rap-begeisterte Menschen bald nicht mehr zum splash! sondern zu den Olympischen Spielen, um Tech N9ne Goldmedaillen zu überreichen? Hoffen wir, dass Rap doch nicht Sport ist. Hoffen, wir es.

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Juicy Gay – Internet

Juicy Gay, gerne genommenes Vorzeige-Beispiel bei Erklärungen zum Phänomen „Cloud Rap“ und heimlicher Rekordhalter in Sachen #ttw-Einträgen, hat diese Woche eine weitestgehend Feautre-lose EP veröffentlicht, die den griffigen Titel „Internet“ trägt. Inhaltlich wie musikalisch hält sich der Trapygaylord weiterhin in neuzeitlichen Ami-Instrumental-Gefilden auf, die er für seine mal dadaistischen, mal selbstironischen und ja, auch mal gesellschaftskritischen Lyrics verfleischwolft. Was dem „Internet“ allerdings thematisch wie subtextlich über die Gesamtespielzeit anhaftet, ist die Langeweile in der Einsamkeit, die Juicy zu ungewohnt persönlichen Momenten hinreißt. Da die Grenze zwischen Rwalität und Ironie allerdings weiterhin fließend bleibt, hält Juicy Gay auf „Internet“ vor allem fest, dass er derzeit der unberechenbarste Rapper in Deutschland ist.

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Genz – Schön für dich EP

Nach „Zelle.1“ und „Zelle.2“ unter seinem Producer-Alter-Ego Zimmermann, erregte Genz neben seinen Aktivitäten auf dem Social-Media-Dienst Twitter zu letzt vor allem durch seinen überraschenden Gastpart auf der nachträglichen splash! 19-Hymne „i bims das“ an der Seite von Dexter, Crack Ignaz, Ahzumjot und Juicy Gay Aufmerksamkeit. Nun erschien sein EP-Debüt „Schön für dich“, für das er nicht nur sämtliche Produktionen aus schrabbeligen Almansynthies, verspieltem Drumplay und leichtfüßigem Melodiegespühr anfertigte, sondern sich auch hinter das Mikorfon schlich. Die sieben Tracks, mit Features von Dieser Gordon, Ichbinart, Millone, Fang und Usel, drehen sich im Gorben um Genz eigene Großartigkeit, Grenzwertigkeiten anderer Rapper/Menschen oder täglichen Gepflogenheiten eines Großverdieners. Tatsächlich hat Genz nicht sonderlich viel zu berichten, sportet allerdings so viel Selbstironie und unterhaltsame Seitenhiebe, dass man dann auch getrost darüber hinweg schauen kann, dass hier performativ und rap-technisch kein Rad neuerfunden werden will.

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No Panty – Westside Highway Stories

No Panty ist eigentlich eine Verzweiflungstat. Weder haben Bodega Bamz, Nitty Scott, noch das Ex-Aftermath-Siging/Slaughterhouse-Backpackerliebling Jo-Ell Quickman einzeln tatsächlich nennenswerte Auszeichungen in ihrer musikalischen Laufbahn eingesammelt, noch stehen sie für besonders herausragende Impulse. Sie sind schlichtweg okaye bis gute Rapper – und ich habe ein Herz für Underdogs. Denn an Ego mangelt es den Beteiligten nicht, wurde das gemeinsame Mixtape der frischgegründeten äh, Supergroup (?) „Westside Highway Stories“ doch vollmundig als „Supries Release“ bezeichnet. Aha. Wie überraschend kann ein klassisches NYC-Mixtape, das immerhin komplett von Salaam Remi produziert wurde, heutzutage schon sein? Inhaltlich wie musikalisch ist schnell klar: es ist ein Latino-Tape. Das wäre so gesehen nicht bedauernswert, wären die drei Lyricists im Stande gewesen, die doch recht klischeebeladenen Flamenco- und NuYorican-Funk-Anleihen mit Reality-Rap statt Ghettoromantik zu versehen. Hamse aber nicht. So findet sich Nitty Scott bspw. in einer reichlich vorhersehbaren One Night Stand-Geschichte wieder („Now it’s Sunday morning, think he up for scoring/Church goers looking at us like they know we been sinning“). Auf „Westside Highway Stories“ wird gerockt „“like my man Santana“ oder „like a Sancoho“. Fehlt noch, dass Sie ein Rezept für ein Huhn-Reisgericht rappen. Warum es dann in den „besten Free Downloads der Woche“ gelandet ist? Weil es eben doch irgendwie dope ist, wenn man gerade von Trap die Schnauze voll hat.