#ttw: die besten Free Downloads der Woche mit Hunney Pimp, Jeremih, Zaytoven uvm.

Es ist glasklar: die Alu-Hut-Gemeinde ist sich einig, in Pokemon Go das nächste digitale Äquivalent von Zuckerbrot und Peitsche entdeckt zu haben. Doch während ein Großteil von euch angeblich völlig verblendet kleinen Fantasietierchen nachjagt, stellt sich auch die Frage, was Popmusik und insbesondere kostenlose Rap-Mixtapes in diesem Zusammenhang darstellen? Sind sie ebenfalls von einem diabolischen Geheimbund gesteuerte Ablenkungstaktiken? Muss Zaytoven seinen jährlichen Releaseplan auf der Bilderberger-Konferenz einreichen, um ihn mit ggf. kollidierenden N.W.O.-Schachzügen abzugleichen? Wir werden es bestimmt bald auf YouTube erfahren. Aber zunächst einmal folgen die besten Täuschungsmanöver der Woche.

01

Hunney Pimp – Zum Mond

Als Madda Rah hatte die Wienerin Hunney Pimp bereits einige musikalische Existenzbeweise ins Internet gestellt, wenngleich diese eher im klassischem HipHop-Gewand durch die Kopfhörer spazierten, als Genregrenzen ausloteten. Doch kreative Emanzipation kann auch mal ein bewusstes Brechen mit der Vergangenheit sein. Denn ihr letztwöchiges Mixtape „Zum Mond“ stellt sich im Puncto Perfromance zwischen nachtblauem Weltschmerz und synthetischer Edginess als eine Art deutscher Rap-Variante der frühen SZA vor, was spitzfindige Musikjournalisten wohl als Cloud-Rap bezeichnen würden. Doch „Geh wieda weg“, „rotz wossa“, „wunderschene wöd“ – allein die Songtitel assoziieren eine gewisse Suizidtendenz, was sich musikalsich vor allem durch nachtblinde Nordlicht-Synthies und schweratmige Downtempo-Drums ausdrückt. Im astreinen Ösi-Schmäh swaggert die selbsternannte Honig-/Hunderter-Zuhälterin zwischen Adlib-schweren Halluzinations-Raps und ausgedehnten Gesangseinlagen einen beklemmend-brodelnden Emotionskessel in die dampfende Unendlichkeit der urbanen Geisterstunde. Call it Sorgenfresser-Rap.

02

Jeremih – Late Nights: Europe

Wie unsere Twitter-Galerie zum #splash19 zeigte, können manche US-Amerikaner europäische Staaten nicht so gut unterscheiden. Ihnen sei verziehen. Jeremih hingegen hat nicht bloß in Musik aufgepasst, sondern auch in Erdkunde. Kurzerhand widmete er mämlich sämtlichen Stationen seiner Europatour einen Song und bündelte sie diese Woche in seinem neuen Mixtape „Late Nights: Europe“. Wie es sich für einen sensiblen Gentleman-Crooner gehört, setzt er auf Tour durchschlagende Prioritäten: Damen, Drinks und äh, Doggystyle. Der morpehnde Schalfzimmer-Trap findet Vocal-Unterstützung von Ty Dolla $ign, K Camp oder Wiz Khalifa – also doch keine Völkerverständigung, sondern ein reicher Ami als Tourist auf dem alten Kontinent. Ignorant, aber schön. Vielleicht hat er wenigstens diese Zeigefinger-Fotos vor dem Eifelturm gemacht.

03

Paulinger – Lux – Lukas (Remix EP)

Lux und Paulinger hingegen arbeiten, nun ja gezwungenermaßen grenz-übergreifend, denn der Münchner Wahl-Londoner und Producer schusterte dem ebenfalls aus Minga stammenden Lux eine Remix-Variante seines Debütalbums „Lukas“, das mit Features von unter anderem Edgar Wasser, Boshi San, Maniac oder Teekanne immerhin unterhalb des Weißwurst-Äquators für ein paar Hingucker gesorgt haben dürfte. Doch das eher traditionalistische Soundbild der LP wurde von Paulinger nun in ein vermehrt synthetisches Setting verpflanzt, was „Lux – Lukas (Remix EP)“ vor allem für jene zugänglich macht, die dem manchmal arg vorhersehbaren Sample-Bummtschakk der Originale einen aktualisierten Spannungsbogen verleihen. So stehen die vier Songs auch exemplarisch für eine vorbildliche Zweitverwertung. Leute, respektiert den Remix

04

Zaytoven – Where Would The Game Be Without Me

Tja, wo würde HipHop heute nur sein, gäbe es Zaytoven nicht? Der 36-Jährige Star-Producer hat unter anderem Dinge für Travis $cott, 2 Chainz, Migos, Gucci Mane, Future, Juicy J und so ziemlich jeden namenhaften Rapper der aktuellen Spielzeit verbrochen. Entsprechend prominent ist sein weitestgehend klassisch-arrangiertes Producer-Mixtape „Where Would The Game Be Without Me“ auch besetzt, das sich abseits von Promibonus und Freundschaftsdiensten von Future, Young Thug, Lil Uzi Vert oder Metro Boomin, aus den üblichen Zutaten aus groovigen Südstaaten-Orgel-Cruisern oder Glockenspiel-Streicher-Opern zusammensetzt. Die Frage, wo HipHop ohne dieses Tape wäre, ist vermutlich leichter zu beantworten, als der eigentliche Titel – aber wer kann schon etwas gegen ein Juicy J-Feature sagen?