#ttw: die besten Free Downloads der Woche mit Brown-Eyes White Boy Lvl 12, Bluestaeb, Zimmermann uvm.

Umzugsbedingt fällt die Einleitung heute aus. Dafür gibt es Musik. Tschüß.

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Zimmermann – Zelle.2

Bereits in der letzten Woche hat Zimmermann den Nachfolger zu seiner 2015er Instrumental-EP „Zelle.1“ gedroppt. Auch „Zelle.2“ bedient sich erfrischender Weise kaum klassischer Beatmaking-Struktur aus Premo-Drums und Soul-Sample-Chops, sondern setzt vor allem weniger auf Etiketten und mehr auf Eingängigkeit. Entgegen des inflationären Gebrauchs von Begriffen wie Cloud oder Trap stemmt sich allerdings schon der Opener „Monnrise“ – ein enthusiastischer Handclapping-Song mit Stakkato-Piano und Ohrwurm-Vocal-Cuts, welcher in Punkto weltverbesserlicher Breitbildlichkeit sicher ein paar Clams Casino-Bezüge aufweist, aber auch dem Indie-Tronic nicht abgeneigt ist. Auch der sentimentale Soft-Crunk „God“ oder der trapende Chipmunk-Wave von „Wassitgonnabe“ lassen sich nur schwerlich kategorisieren, gerade auch, weil gern Tropical House-Anleihen daneben platziert werden. So ist Zimmermann auch bei „Zelle.2“ ein Blatt, das sich mit verschiedenen Schriften katalogisiert und abermals klarstellt, dass er einer der vielversprechensten Producer der aktuellen Jahrgangsstufe ist.

02

Bluestaeb & S.Fidelity – Sidekicks EP

Bluestaeb weiterhin als Figub Brazlevič-Zögling mit Rumpel-Drum-Fetisch einzuordnen, wäre grob fahrlässig. Der gebürtiger Berliner hat seit seinem Debüt „1991 Extraterrestrial“ seine Boom Bap-Wurzeln mit zahlreichem Soulection/WeDidIt-Einflüssen genährt und mittlerweile einen Sound entwickelt, der über das übliche microKorg-Geklimper herkömmlicher Bedroom-Producer hinausgeht. Zusammen mit dem vergleichbaren Producerkollegen S-Fidelity erschienen dieses Woche zwei neue Songs, vollmundig als „Sidekicks EP“ verpackt, die sich abermals aus organischer Sample-Ästehik, scheuklappenfreiem Boogie-Bumm-Tschakk und jazziger Proberaum-Handhabe zusammensetzt. Sicherlich keine Rad-Neuerfindung, aber aber auch bestimmt keine Reifenpanne.

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Brown-Eyes White Boy Lvl. 12 – Vibes

Die „Vibes“-EP des minderjährigen Rap-WWWunderkindes Brown-Eyes White Boy legt offen, was das Wesen dieses Trends namens Trap bzw Cloud ist: Eingängigkeit. Seit seinem viralen Hit „Messer Raus *Positivität*“ hat das Berg Money Gang-Mitglied mit seiner nun,ja kindlichen Auto-Tune-Perfromance mal eben halb Deutschrap-Hausen erobert. Auch die Nachfolger „Rare undso“ zeugt von einem unfassbaren Talent, Catchphrases in bezauberndem Slogan-Rap zu gießen: „Frischer Mango-Saft am Strand, Brudi/Frischer Mango-Saft – nom nom, Brudi“. Wie sollte ein Junge in seinem Alter auch anders können, als den Slang und die Probleme der Didgital Natives vertonen „Ich schaue in mein Handy rein/Du meinst, ich verplemper Zeit/Doch mein Intellekt wächst und wächst“, wird zum Beispiel Smartphone-Kritikern entgegengesetzt. Klar, die (prä-)juvenile Naivität schlägt sich auch in den seichten Cloud-Produktion nieder – die träumerische Glockensynthies, brummende Drum-Fundamente und könnten kaum klischeereicher sein. Und wäre das hier nicht so unverschämt leichtfüßig und eingängig, müsste der innere Realkeeper beim ultra-käsigen „Sitze im Gras“ auf die Betonbarrikaden gehen. Doch wer „Vibes“ hatet, hat kein Herz, keinen Humor und damit auch absolut keine Existenzberechtigung auf dem Planeten HipHop.

04

Alex Wiley – Tangerine Dream

Im Grund genommen vermischt Alex Wiley auf den zehn Anspieleren seines Mixtapes „Tangerin Dream“ den nachdenklichen Kendrick mit dem emotionalen Drake von vor fünf Jahren und versucht gelegentlich zeitgeistige Dancehall-Voicing sowie Future/Young Thug-Delivery einzustreue – auch Lil Uzi scheint ihm ein paar Ideen im Stimmeneinsatz geliefert zu haben. Das funktioniert manchmal hervorragend, wie auf dem unberechenbaren Jazz-Cloud „Quest“ oder dem mystischen Folk-Trap“Games“, mal weniger beeindruckend wie auf dem experimentierfreudig-gedachten, aber doch eher konfusem Orgel-Halftime-Hyphy „That’s A Rule“, das sich einfach zu sehr bemüht, wie ein Leftover von „TPAB“ zu klingen. „Tangerin Dream“ bezieht sich übrigens tatsächlich auf die deutsche Krautrock-Band, verzichtet (leider) allerdings vollkommen, dies auch musikalisch zu veräußern. Insgesamt kann der Chicagoer aber durch flexible Perfromance und stilsicheres Songwriting eine überzeugende halbe Stunde abliefern und sich immerhin für die nächsten sieben Tage einen Platz in der Mediathek erkämpfen.

05

Bumm Clack Records – MUC2PDX Beat Tape

Das Wesen der kostenlosen Beat-Tapes aus dem WWW ist im Prinzip sehr bedauerlich, da sich selten kaum merkliche Unterschiede im Anspruch festmachen lassen. Jeder zweite Bedroom-Producer dieser Tage, schwankt wahlweise zwischen Pseudo-DJ-Shadow-Gestiken und raw-gemeinten Kellerkind-Kladderadatsch. Das Bumm Clack-Kollektiv versucht diesem Klischee entgegen zu wirken, in dem es Münchner Realkeeper-Rap ohne Rap mit Portland-Hipster-Handhabe kombinieren möchte. Das „MUC2PDX Beat Tape“ wagt allerdings nicht den Schritt, diese Musikstile zu vermischen, sondern lässt es einfach separat in zwei Spielhäften passieren. Auch wenn die experimentierfreudige „Hipster“-Seite aus allerlei Sound-Spielkinderrei und auch die traditionalistische „HipHop“-Seite mit nostalgischem MPC-Mindstate jeweils für sich genommen, durchaus geschmackvolle Veranstaltungen sind, hinterlässt diese geringfügige Risikobereitschaft in der Kombi einen eher durchwachsenen Eindruck. Allerdings sei fairer Weise festgehalten, dass es auch durchaus langweiligere VÖs dieser Sparte gibt.