#ttw: Die besten Free Downloads der Woche mit A-F-R-O, Jakarta Records, MRJAH uvm.

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Xavier Wulf – The Local Man

Memphis ist musikhistorisch quasi die inoffizielle Hauptstadt der Melancholie. Ob Johnny Cash, Elvis Presley oder Three 6 Mafia – das Trinkwasser der Uferstadt in Tennessee scheint angereichert mit den Klängen bittersüßer Seelenklagen. Auch die Hollow Squad sind Kinder dieses Geistes und ihr Mitglied Xavier Wulf zollt diesem Umstand mit seinem letztwöchigen Release gehörig Tribut. „The Local Man“ ist vor allem der Soundtrack für die dunklen Stunden. Dass der 23-Jährige eine Affinität für die melodiöse Delivery von Bone Thugs hat, ist genauso offensichtlich, wie dass sich seine Produktionsweise stark an frühen DJ-Paul-Instrumentals orientiert. Horrorfilm-Pianos, übersteuerte 808s und reichlich okkulte Symbolik vermischen sich hier zu einem größtenteils hooklosen Trauerkloß-Tango. Der Black Blood Alpha ist den meisten wohl durch seine Beiträge in der Rvidxr-Klvn-Diskografie bekannt und teilte sich als frischgebackener Wahl-Kalifornier die Booth nun mit Eddy Baker, Chris Travis und dem 2015 schon fast obligatorischem Bones. Recht kryptisch bis (grünlich-) nebulös watet Xavier durch Themenfelder aus Misanthropie, Rauchwaren oder Ex-Freundinnen und singsangt auch gerne mal über käsige Fusionjazz-Gitarren. In einem Interview outet sich Xavier übrigens als Fan der Sad Boys. Kitsch und Wahnsinn liegen manchmal dicht beieinander.

02

Dean Blunt – UK2UK

Ex-Hype Williams (nein, nicht der Regisseur) und Teilzeit-Weirdo Dean Blunt hat in dieser Woche eine Hand voll Tracks in einem fortlaufenden Mix auf seine Soundcloud-Seite gelacet (#nomadrapper). Gewohnt eklektisch fischt der Londoner Producer und Sänger auf „UK2UK“ zwischen avantgardistischem Klangwellen-Echolot und gerne windschiefen Lo-Fi-Symphonien in den Unterschlüpfen des Großunternehmens known as »Electro«. Zahlreiche (bekannte) Samples wie etwa der nimmer alternde Sugar Billy-Break paaren sich auf den zehn Skizzen, Edits und Instrumentals mit himmelklaren Ambient-Synths. Untermauert mit dem nötigen Rhythmusgefühl aus treibenden Snare-Rolls und wummernden 808s hält sich die Tracklist allerdings größtenteils in kopfnickertauglichen BPM-Spähren auf und lässt nur gelegentlich mit Tanzflur-Ambitionen aufhorchen. Neben DJ Escrow bummelt Björk-Producer, Kanye-Buddy und Musiksnob-Liebling Arca derweil auf „pagans“ vorbei und lässt final feststellen, dass „Insel-Sound“, wie es Hade diese Woche im Interview bezeichnete, weiterhin spannend bleibt.

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A-F-R-O – Tales From The Basement

Als R.A. The Rugged Man – loyaler Untergrund-Soldat, Lieblingsrapper deiner Lieblingsrapper und überhaupt eine sympathische Sau – Ende des letzten Jahres ein Video teilte, wo er einen unbekannten Rapper namens A-F-R-O mit dem altbekannten Gegenstände-reichen-Thema freestylen ließ, raunte die Backpacker-Gemeinde unter den YouTube-Hatern sogleich im Chor: „FAKE!“ Eine Mini-Doku, ein Treffen mit DJ Premier und ein paar Soundcloud-Abos später ist All Flows Reach Out längst auf dem Weg in die Herzen aller Realkeeper. Auf seiner EP „Tales From The Basement“ leistet der bebrillte Kalifornier entsprechend Fundament-Arbeit und bespittet einige Klassiker-Beats von unter anderem RZA, Doom oder Havoc mit seiner bassigen Stimmgewalt. „Blind Toxic, headphones over his ears/Over his fears, swarmin‘ syllables colder than beer.“ Obwohl kaum ein Track die Zwei-Minuten-Marke überschreitet und man sich die vollmundige Ankündigung dieses angeblich „most cohesive work“ hätte sparen können, demonstriert der 18-Jährige hier eindrucksvoll, dass verspielter Lyricism und die Berufung auf traditionalistische Rap-Techniken auch 2015 nicht immer sofort mit Bawrz gleichzusetzen sind.

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V. A. – Autumn In Jakarta

Nach „Summer In Jakarta“ und „Winter in Jakarta“ zelebrieren die Freunde von Jakarta Records nicht nur die windigen Regenmonate, sondern auch nebenbei ihr zehnjähriges Bestehen mit der dritten Folge ihrer Jahreszeiten-Downloads. „Autumn In Jakarta“ versammelt insgesamt 15 unveröffentlichte Beiträge von Weggefährten, Labelmates und Freunden. In dieser musikalischen Feiermeute tummeln sich unter anderem solche Lichtgestalten wie Ta-Ku, Blu, Oddisee, Suff Daddy, IAMNOBODI, JuJu Rogers oder Mura Masa. Es gibt durchaus anstrengendere Partygäste. Dass sich der Sound dann irgendwo zwischen zartbeseeltem Optimisten-Boombap, tunesischem Wollsocken-Funk und flächigem Synthie-Gesäusel einordnet, liest der Fachmann ja bereits aus der Tracklist heraus. Also, Gönnungsplficht! Wer übrigens ganz schnell ist, kann sich eine Kassette der Compilation auf der Bandcamp-Seite für unschlagbare 50 Cent + Versandkosten ordern. Happy B-Day, Jakarta!

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MRJAH – Resurrection 2

Das Berliner DJ- und Producer-Team MRJAH steht nicht nur für den gepflegten Turn-up auf dem Tanzflur, sondern frickelt auch gerne mal an der Musikmaschine. Mit „Ressurrection 2“ legen Marc und Julien nun eine Remix-EP vor, die vor Swag nur so trieft, dass dein Producer-Homie seinen „Lex Luger Type Of Beat“ besser direkt in den Papierkorb exportiert. Die selbsternannten „german pioneers of German trap music“ veranstalten mit Tracks von u.a. Holy Modee oder Mauli allerlei elektronischen Unfug, den ihre Facebook-Seite vermutlich als Swagschool oder Experimental einordnen würde. Dass hier nicht unbedingt musikalische Innovationsräder erfunden werden, sondern in erster Linie Tanzanimation anvisiert wird, liest sich schon aus der BPM-Zahl ihrer Werke. Dauer-Ohrwurm „Dewit“ wird in eine hypnotische House-Version gehüllt und Maulis „Meine Jungs“ reitet über ein ultra-käsiges 90er-Jahre-Dancefloor-Piano. Das kann man alles sehr furchtbar finden. Oder aber das Haar für MRJAH schütteln, als gäbe es Reis.