#ttw: die 15 besten Free Downloads 2016 (bisher)

ttw 2016

Die ersten sechs Monate von 2016 sind vergangen und neben zahlreichen Newcomern, haben auch ein paar alte Bekannte den Sound der Stunde mitbestimmt. Bei aller Informationsflut kann das manchmal unübersichtlich werden. Außerdem läuft in noch schnelleren Schritten die Festival-Saison, die ihren Höhepunkt in ziemlich genau neun Tagen beim #splash19 erreichen wird. Genau diese zwei Anlässe geben unserem Kolumnisten Fionn Birr Gründe, die besten Free Downloads des bisherigen Rap-Jahres Revue passieren zu lassen.

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Brown-Eyes White Boy Lvl. 12 – Vibes

Die „Vibes“-EP des minderjährigen Rap-WWWunderkindes Brown-Eyes White Boy legte offen, was das Wesen dieses Trends namens Trap bzw Cloud ist: Eingängigkeit. Seit seinem viralen Hit „Messer Raus *Positivität*“ hat das Berg Money Gang-Mitglied mit seiner nun,ja kindlichen Auto-Tune-Perfromance mal eben halb Deutschrap-Hausen erobert. Klar, die (prä-)juvenile Naivität schlug sich auch in den seichten Cloud-Produktion nieder – die träumerische Glockensynthies, brummende Drum-Fundamente und konnte kaum klischeereicher sein. Doch wer „Vibes“ hatet, hat kein Herz, keinen Humor und damit auch absolut keine Existenzberechtigung auf dem Planeten HipHop.

14

Sektorwestebüdchengang – Dat Mixtape

Nachdem Veedel Kaztro und Tami mit ihren Releases, den Namen des Kölner Kollektivs einmal durch die Cyphers der Republik trugen, introducte sich nun auch die restliche Sektorwestbüdchengang mit der zusammenfassenden Vorstellungsrunde „Dat Mixtape“. Größtenteils von den üblichen Mucker-Homies Mels, Spexo und DJ Exzem produziert, rappte die Mäurchen-Mannschaft wahlweise auf jazzigem Sample-Bap, manchmal auch trappigem Eckkneipen-Ambient oder rückwärtsgewandten NYC-Geädchtnisübungen. Neben Sparkys, Ammos oder Tamis eher ernsthafterer Malocher-Mentalität gesellten sich selbstironische Hobbyrapper oder auch mal anbei politische-motivierte Member. So resultierte „Dat Mixtape“ im Grunde zu einer authentischen Cypher-Situation eines Freundeskreises, der einfach Spaß am Musikmachen hat.

13

OG Maco – The Lord Of Rage

Jedermanns Lieblingsschreihals OG Maco schien auch 2016 kein Anti-Agressionstraining in Erwägung zu ziehen und droppte standesgemäß am 1.Januar seine lang-angekündigte EP „The Lord Of Rage“,. Größtenteils von Dolan Beatz und Phresh Produce arrangiert, raunte sich der 24-Jährige gewohnt überheblich und schlecht-gelaunt durch trappige Horrorpiano-Kulissen. Mal nutzte er diese für die erkenntnisreiche Feststellung, dass er eine Legende ist, anderer Stelle demonstrierte er das unfassbare Kunststück, die Mutter aller käsigen Hooklines – nämlich wie „We Are The Champions“ von Queen – mit gehörig viel Shouter-Swag auszustatten. 2016 bleibt wütend!

12

Post Malone – August 26th

Die Welt ist manchmal ungerecht: Seit Post Malone vor gut einem Jahr mit „White Iversion“ einen der größten Hits der laufenden Rap-Ära vorlegte und damit 166-facher (!) YouTube-Klick-Millionär wurde, trug ihn die Hypewelle einmal um den Globus und zuletzt sogar mit einem Fearturepart auf Kanyes jetzt schon ikonischen „TLOP“. Trotzdem hat Austin Post bis heute kein vollwertiges Release gedroppt – „August 26th“ war tatsächlich die erste Vollzeit-Veröffentlichung des Wahl-L.A.’lers. Weniger überraschend war, dass er sich auf den zehn Song vorwiegend auf seine Auto-Tune-Kernkompetenzen konzentriert und wahlweise auf bratzigem Post-Trap mit 2 Chainz über den neu-gewonnen Reibach schnodderte, mit Will Smiths Sohn Jaden über die Wesenszüge des zweisamen Allein-Seins sinnierte oder mit Lil Yachty eine club-taugliche Streicheleinheit vornahm – leichtfüßig, beängstigend melodiös in der Performance und unwiderstehlich dope.

11

Future – Purple Reign

Future ist auch 2016 für Überraschungen gut. So droppte der ATLien locker easy das Mixtape „Purple Rain“, welches federführend von DJ Esco und Metro Boomin produziert wurde und auch musikalische Beihilfe von unter anderem Southside, Nard & B oder Zaytoven bekam. Doch wer, ob des Titels, schmalzige Rap&B-Versätze mit Prince-Einschlag erwartete, konnte sich die Jheri Curls getrost wieder abschneiden. Stattdessen macht Future einfach da weiter, wo er mit „WATTBA“ aufgehört hat – Instant-Repeater wie „Inside The Mattress“ oder „Salute“ wummerten und vocoderten sich quasi barrierelos ins Kleinhirn, den Sonnen- und Schattenseiten des süßen Lebens frönend. „Austronaut Music“, halt. Und ganz nebenbei die weltbeste Prince-Hommage, die keine sein wollte.

10

Camufingo- Diaspora 0.5

Politischer Rap hatte seinen Swagger zurück: Camufingos Viral-Offensives Anfang des Jahre bewies dies eindrücklick. Der Potsdamer Angolaner/angolanische Potsdamer krönte dies mit seiner Debüt-EP „Diaspora 0.5“ – eine EP, die sich mit verschiedenen Darstellungen von Rassismus beschäftigte. Das war nicht nur mutig, sondern auch noch geradezu vorbildlich umgesetzt. Keine aggressive Pro Black-Brandrede gegen „White Privilege“-Problematiken, sondern ein hochsensibler, auch mal selbstironischer und dazu durchweg geschmackvoller Umgang mit diesem komplexem Thema. Musik, die auch ästhetisch und nicht bloß zweckdienlich Rap und Message wieder zusammenführte und im Zeitalter von „besorgten Bürgern“ und „Flüchtlingskrisen“ absolute Download-Pflicht war.

09

Denzel Curry – Imperial

Denzel Curry, dank Rvider Klvn-Fame schon eine gefühlte Ewigkeit im Spiel, ist nach wie vor auf einem aufsteigenden Ast. Nicht zu letzt durch sein letztjähriges Release „Nostalgic 64“ oder seine erinnerungswürdige splash!-Performance zeigte sich kontinuierlich, dass der Rahmen seines Potenzials noch nicht abgeschöpft war. Mit „Imperial“ stieg der gerade mal 21-Jährige endlich in die vorderen Reihen der Rap-Bundesliga auf. Abermals bediente sich Curry hier großzügig am Erbe des Memphis-Sound um die Prophet Posse, kombinierte diese Horrorcore-Ansätze aber weiterhin mit modernden Spielarten aus glitzerndem Cloud-Pathos und monströsem Trap-Gewummer. Eine sensible Balance zwischen Hardcore-Rap-Schlüsselreizen und Experimentierfreude. Kategorie: Lieblingsrapper.

08

LACA x Kuchenmann – Phunkonia 58459

„Cloud Rap, Boom Bap, Trap – nenn es wie du willst/der Scheiß ist superwack.“ Laca und Kuchenmann halten nicht viel von musikjournalistischen Kunstblasen und Fantasiegenres. Unterkühlte Knistersamples, grummelige Bauchbässe, kantige Snare-Rolls – der Phunk des fränkischen Duos verstand sich als Underground-Statement. Entsprechend häuften sich in der nebeligen Kellerkulisse aus bedrohlichen Melodieschwaden und pulsierenden Tieftönern misanthropische Aussagen wie „Gib mir deine CD und ich schmeiße sie auf die Autos, die zu lange an der Ampel stehen/Zweckentfremdung, aber Dankeschön.“ „Phunkonia“ – eine gesunde Mischung aus Straßenjungs-Swagger, politischem Bewusstsein und Realkeeper-Mentalität.

07

Jazz Cartier – Hotel Paranoia

Als Nachkomme der Drakes und Weekends, ist der Jazz Cartier Teil einer neuen Rapper-Generation aus Toronto, der auch Tory Lanzezugerechnet werden kann, die mit einem weiträumigeren Kreativitätskosmos das Game zu übernehmen gedenken. „Hotel Paranoia“ war damit eigentlich nur eine Erweiterung von Cartiers bislang hoch-effektivem Songwriting, das stets in einfachen Worten komplexe Sachverhalte verbildlichen konnte. Cinematoskopischen Post-Trap, Auottune-Singsang inklsuive postalkoholische Depressionen, Erfolgsssehnsüchten und natürlich aktuelle, wie vergangene Frauenprobleme. Eine musikalische Twin Peaks-Fortsetzung, die schaurig-schöne Wahnvorstellungen erzeugte und den Status Quo im Rap nicht besser ausformulieren konnte.

06

Haiyti aka Robbery – City Tarif

„Ich guck dich an, du bist schon freeze/ Schlafe ein nach Nasen Speed/ Hypno-, Hypno-Sound nur für die G’s“ – schon die ersten Lines ihrer Vorab-Single „Peter Doherty“ erklärten das Universum von Haiyti – haufenweise Drogen, zwielichtige Geschäfte, angriffslustiger Rap. Nachdem die Hamburgerin aufmerksamen Deutschrap-Stöberwichten schon seit einer halben Ewigkeit in der Youtube-Sidebar vorgeschlagen wurde, stieg Robbery durch ihr Mixtape „City Tarif“ mit Asadjohns musikalischer Beihilfe zum weiblichen Rap-Star des Jahres auf. Die etwa 30-minütige Reeperbahn-Führung der Queen of Cloudrap brach die Rap-Formle 2016 auf seine wesentliche Merkmale herunter: ruff, raw und unfassbar eingängig.

05

Juicy Gay – Hip Hop Hurra

Deutschrap hat endlich eine Mixtape-Kultur. Eines seiner Zugpferde war und ist Juicy Gay, der mit „Hip Hop Hurra“ 13 weitere Geistesblitze mit Instrumental-Beiträgen von seinen PNCs Lorenz & Urbach, aber auch yung isvvc und Gloomy Boyz-Producer DJ Krypt vorlegte. Düster, cloudy und trappig morphten sich die Basslines und Zitter-Synthies über die hallenden Drumrolls, die der Trapgaylord wahlweise an der Seite von Why SL Know Plug, Jame$ $pace, Kulturerbe Achim oder auch MC Smook nutzte, um Deutschrap-Insider, Aufschneidersprüche und andere Unterhaltsamkeiten ins Autotune zu nölen. Gewohnt ignorant und bissig, immer in Balance zwischen Avantgardismus und Anspruch war „Hip Hop Hurra“ vor allem das, was deutscher Trap selten ist: unverkrampft.

04

Yung Hurn – Krocha Tape

Yung Hurn, das Phänomen. Auch sein zweites Mixtape „Krocha Tape“ blieb in jenem dadaistischen Fahrwasser, das bereits Sommerhits wie „Nein“ oder „Sk8erboi“ an die Ufer des WWW spülte. Neben nicht weniger ikonischen „Opernsänger“ assoziierte der Wiener Autotune-Addict auf nebelschwadig-trägen Synthie-Wolken von unter anderem Wandl und Lex Lunger weitere heutige Hits wie „Skrrt Skrrt“, „Ferrari“ und „Online“ . Soundtrack für MDMAncholie.

03

Ahzumjot – 16QT02: Tag Drei

Seit seiner sträflich unterschätzen Rückkehr mit der „Minus EP“ im letztjährigen Oktober, durfte man Ahzumjot ja endlich wieder ungescholten liebhaben. Das Mixtape/Streetalbum „16QT02: Tag Drei“ war der finale Befreiungsschlag, raus aus den gescheiterten Pop-Star-Fantasien, rein ins aussichtslose Künstlerleben zwischen Existenzängsten und Selbtsverwirklichung. Seelenstriptease? Verzweiflungstat? „16QT02: Tag Drei“ war das hoffnungsloseste Stück Deutschrap des bisherigen Quartals, welches am Ende nur ein Gefühl übrig lies: Hoffnung (auf mehr).

02

Fruchtmax & Hugo Nameless – Auf der Jagd nach dem HAK

Es brauchte nur eine rhetorische Frage, ein simples Psycho-Piano-Crunk-Gerät und ein grenzdebil-stupides Songwriting, um Deutschrap mit „Wie kann man sich nur so hart gönnen (WKMSNSHG)“ seinen ersten Konsens-Hit 2016 zu bescheren. Doch wer Fruchtmax und Hugo Nameless allein auf trappige Partypöbeleien und Klischee-Instrumentals reduzieren wollte, wurde von „Auf der Jagd nach dem HAK“ ziemlich überrascht sein. Leichtfüßig und ungezwungen verwandelte das Tag-Team Twitter-Slang, Insiderjokes und hörbare Vorliebe für Großmaul-Rap aus den Südstaaten in schlüssige Songkonzepte. „Auf der Jagd nach dem HAK“ war eine unwiderstehlich-spaßigen Demonstration, wie deutscher Rap 2016 klingen kann: smart, schnodderig und swaggy.

01

LGoony & Crack Ignaz – Aurora

Die Goon Squad und Hanuschplatzflow kamen zusammen auf „NASA Universe“-Tour, Deutschrap den Weltraum näher zu bringen. Quasi um die Enttäuschung über die teilweise ausverkauften Shows ein bisschen auszugleichen, hatten sich LGoony und Crack Ignaz für drei Tage in den Red Bull Studios verschanzt, wo sie so schnurrende 808-Prollo-Klanglandschaften von DJ Heroin, Lex Lugner, GEE Futuristic, hnrk, Yung Nikki3000 oder padillion zu einem umfassenden Hitkatalog zusammenrappten. Nicht bloß der erste Surprise-Release im Deutschrap 2016, sondern circa sechs Monate später ein unbestrittener Deutschrap-Klassiker.