Token: „Es ist ja nicht deren Schuld, dass Kids sich zuballern“ // Interview

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Token ist nicht nur einer der versiertesten Technik-Rapper unserer Zeit, sondern auch ein ehrlicher Lyricist, der eigene Schwächen ebenso anspricht, wie er mit einen Stärken prahlt. Während seiner Europa-Tour hat sich unsere Autorin Naima Limdighri mit dem 19-Jährigen getroffen, um über seine Erfahrungen in den hiesigen Landen, diverse Aspekte der Hip Hop-Kultur und seine von Depressionen und Drogenmissbrauch geprägte Generation zu sprechen.

Wieso wäscht du deine Hände vor dem Pissen ?

Damit mein Scheiß sauber bleibt. Tatsächlich – fuck, ich ersticke an Erdnussbutter (hustet) – ist diese Line davon inspiriert, dass ich oft aufs Klo gehe, nur um meine Hände zu waschen, aber das Gefühl des kalten Wassers an den Händen animiert meine Blase, also geh‘ ich dann pissen. Dann frage ich mich natürlich: „Wasch ich jetzt ernsthaft nochmal meine Hände?“ Manchmal mach ich’s, manchmal nicht.

Vor Kurzem ging deine erste US-Tour als Headliner „Have You Seen Him“ mit einem ausverkauften Konzert in deiner Heimatstadt Boston zu Ende – kurz danach ging’s wieder nach Europa und London war auch direkt ausverkauft. Wie gut meisterst du Erfolg, Arbeitspensum und das Tourleben generell?

Ich hab das Gefühl, ich krieg es ganz gut hin. Jeden Tag steht was Neues an, so ist es manchmal schwer nachzuvollziehen, was gerade passiert. Dann muss ich mit Leuten reden, denen ich vertraue, die entweder dabei sind oder dasselbe durchmachen – wie andere Künstler beispielsweise. Ich bin zur Zeit immer unterwegs und auf der Suche nach dem nächsten Schritt, will den Moment aber natürlich auch wertschätzen und genießen. Die letzte Tour war eine wahnsinnig erhellende Erfahrung für mich. Es fühlt sich zwar alles noch nach Anfang an, aber von vielen dieser Momente, die ich heute erlebe, habe ich geträumt, seitdem ich zehn Jahre alt bin.

Ich finde die Cypher als Teil der Hip Hop-Kultur total wichtig, weil man keine Crew im Nacken hat.

Token

Diesen Sommer hast du auf dem splash! gespielt und Hopsin auf seiner Europatour begleitet. Was war für dich der einprägsamste Moment in Europa dieses Jahr ?

Puh, da war so viel und alles war besonders. Das ist jetzt zwar kein spezifischer Moment, aber Europa hat mich vor den USA wahrgenommen und akzeptiert und ich habe das Gefühl, dass die Fans, die hier zu den Shows kommen, auch ältere Musik von mir kennen. Dementsprechend herrscht hier immer ein guter Vibe. Weil sich für mich in jüngster Vergangenheit alles so rasant geändert hat, muss ich mich manchmal daran erinnern, dass die Leute hier den Verlauf Schritt für Schritt beobachtet haben. Auf der Hopsin-Tour haben wir Riesenshows gespielt, die meisten waren ausverkauft, aber für mich ist alles ein bisschen verschwommen, weil es einfach so viel auf einmal war und man jeden Tag Momente erlebt, an denen man sich früher ewig ergötzt hätte. Für mich persönlich ist wahrscheinlich am wichtigsten, dass ich ungezwungener geworden bin und mich einfach generell wohler fühle. Ich erinner‘ mich noch stark daran, wie es war, mit Hopsin im Tourbus zu leben – jemand, zu dem ich früher irre aufgeschaut habe – und zu realisieren, dass wir befreundet sind.

Hast du das Gefühl, dass deine Fanbase hier gewachsen ist ?

Es hat nicht hier gestartet und sich dann verbreitet, aber die Leute in Europa waren viel früher der Meinung, dass ich dope bin, als die Leute in den USA. Als „No Sucka MC’s“ rauskam, haben das Leute in Frankreich und der Schweiz gefeiert und wussten, wer ich bin.

Was hast du an Inspiration von hier mit nach Hause genommen ?

So viel Neues von der Welt zu sehen und neue Erfahrungen und Gefühle durchzumachen – selbst, wenn’s manchmal traurig ist oder eine Beziehung auch mal kaputt geht. Klingt vielleicht komisch, aber das begeistert mich, weil ich das Gefühl habe, als Mensch zu wachsen und das in meiner Musik widerspiegeln zu können. Wieder zuhause, habe ich mich fast wie ein neuer Mensch gefühlt, obwohl die Zeit hier eigentlich recht kurz war.

Du betonst die bedeutende Rolle, die das Performative und der Liveauftritt im Hip Hop haben. „Wenn du ein Publikum nicht beherrschen kannst, bist du kein MC für mich“, hast du mal gesagt. Auf der Hopsin-Tour sowie auf deiner eigenen habt ihr Cyphers für die Fans gehostet. Was tragen solche Cyphers in deinen Augen zur Hip Hop-Kultur und -Identität bei und wo liegen deiner Meinung nach die Gründe dafür, dass sie an Reiz und Aktualität verloren haben?

Hip Hop hat seine Ursprünge in dieser Energie der Cypher, in der hin- und hergerappt wurde. Das war cool, weil man den freundlich gesinnten Wettkampfcharakter spüren konnte. Ich hab nicht das Gefühl, dass Cyphers heutzutage im Hip Hop einen hohen Stellenwert besitzen – Gleichzeitig glaube ich, dass Leute dazu zurückfinden. Ich finde die Cypher als Teil der Hip Hop-Kultur total wichtig, weil man keine Crew im Nacken hat und es eine sehr ehrliche Plattform ist, um einen Künstler authentisch kennenzulernen.

Sag mir bitte, was du von diesem Zitat von Cornel West (Autor und Intellektueller, sowie unverblümte Stimme linksgerichteter Politik in den USA; hat diverse Spoken Word & Rap Alben veröffentlicht) hältst: „I think that the performative as bodily enactment and intellectual enactment has everything to do with trying to exemplify a certain sense of urgency, a certain kind of state of emergency that we find ourselves in. I think it also tries to highlight the energy requisite for the kind of courage we need, the courage to think critically […]“

Dem stimme ich absolut zu. Performance dreht sich komplett um Dringlichkeit, weil Leute sich eben auch schnell langweilen können. Wenn du performst, willst du, dass das Publikum dabeibleibt. Jeder Künstler denkt sich heimlich „Hoffentlich geht während meiner Show keiner auf’s Klo oder an die Bar.“ Eindringlich zu sein ist super wichtig. Kann ich Leute dazu bringen, mich live nicht aus den Augen zu lassen? Internetaufmerksamkeit kann viele Gründe haben – Connections, virale Videos, sonst was. Bei einer Performance ist das anders. Wenn du es killst, killst du es, wenn nicht, nicht.

Ich habe mich selbst eben als bestes Beispiel dafür gesehen, dass echt alles möglich ist, wenn man sich anstrengt.

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In den USA haben Radiohosts ein ganz anderes Standing im Hip Hop als hier. Du hast für Sway Calloway in New York und Tim Westwood in London, beides bekannte und beliebte Radiohosts, gefreestylet. Wer ist für dich als Ostküstennative zwischen Leuten wie Charlamagne Tha God, Ebro und Angie Martinez der einflussreichste Radiohost gewesen?

Ich hab nie wirklich Radio gehört – Internetkind halt. Aber ich hab Sway stets verfolgt und alle meine Lieblingsrapper für ihn freestylen sehen. Ich meine, 2Pac hat bei Sway zuhause zu Abend gegessen, das ist eine ganz andere Generation. Sway gibt dir nicht einfach so ein Co-Sign, ihm ist das alles wirklich wichtig. Ich hab viele Leute getroffen, aber er ist einer der wenigen, bei denen man wirklich das Gefühl kriegt, dass ihm die Kunst am Herzen liegt. Ich spreche dauernd mit ihm und wir simsen hin und her. Manchmal denke ich „Wieviele Leute müssen diesem Mann schreiben, wieso antwortet er überhaupt?“, aber ich glaube, er ist wirklich einfach Fan. Bei meiner ersten New York Show habe ich ihn eingeladen und wir haben diesen Freestyle auf der Bühne für die Fans nachgespielt. Er kam ohne Probleme vorbei und hat sogar Werbung für das Konzert gemacht. Nachts hab ich ihn irgendwann gefragt, was er heute noch macht und er meinte, er fliege morgens um 8 nach London. Es hat mich echt umgehauen, dass er da war, obwohl er so früh rausmusste.

Auf „Self-Taught“ rappst du „I’ve been learning that what’s running my generation is fear/I’ve been learnin‘ that you cannot teach dedication to peers“. Was hat dich das realisieren lassen ?

So viele junge Leute sind unsicher, aus Angst davor, verurteilt zu werden. Heutzutage stellen sich die Leute mit Social Media fast schon selbst Fallen. Ein kindlicher Geist ist sehr fragil und leicht manipulierbar. In der Generation meiner Eltern wusste man, dass es Kinder gibt, die vielleicht beliebter sind als man selbst oder, dass dieser oder jener Freundeskreis gefragter ist. Klar tat auch das weh, aber heute ist all das so nah an einem dran – Man weiß immer, wer wo mehr Likes hat als du. Allein schon die Idee, etwas zu „liken“, ist so fucked up. Likes und Kommentare sind so greifbar und konkret, aber vermitteln ein total falsches Selbstbild. Beide Lines hab ich so mit 17 geschrieben und die zweite kommt daher, dass ich damals mit vielen Homies gerappt habe und meine Karriere langsam startete. Ich wusste aber, dass ich das verdiene, weil ich immer hart geackert habe und auch meinen Freunden ständig in den Ohren lag, härter zu arbeiten. Das hat mich frustiert, weil ich das Gefühl hatte, auf total offensichtliche Sachen hinzuweisen. Ich habe mich selbst eben als bestes Beispiel dafür gesehen, dass echt alles möglich ist, wenn man sich anstrengt. Manche haben diesen Drive aber einfach nicht und da spricht einfach die Frustration aus mir, aus meinen Freunden nicht die Ergebnisse hervorlocken zu können, die ich eigentlich für möglich hielt.

Ist das vielleicht auch die Realisierung, dass deine Stärken nicht anderer Leute Schwächen sind ? Man kann den Hängern aus der Heimatstadt schlecht böse sein, dass sie es nie rausgeschafft haben, nur weil man selbst mehr wollte.

Auf jeden. So lustig, dass du das sagst. Sowas ähnliches hab ich letztens mit meiner Mutter besprochen. Ich bin immer noch enttäuscht, wenn ich sehe, was Leute machen oder vor allem, was sie nicht machen, aber meine Mutter hat mich dran erinnert, dass nicht jeder so drauf ist wie ich und Leute eben verschieden sind, unterschiedlich arbeiten und wachsen. Ich versuche, das im Hinterkopf zu behalten, um Andere nicht zu verurteilen. Zudem: Ich bin 19. Die meisten in meinem Alter sind grad an die Uni gegangen und machen irgendwas, worauf sie eigentlich kein Bock haben, weil sie nicht wissen, was sie mir ihrem Leben anstellen wollen. Ich kann mir das kaum vorstellen, weil ich nicht weiß, wie es sich anfühlt, nicht zu wissen, was man machen will. Ich fühl‘ mich fast schlecht, wenn ich Leuten sage, sie sollen rumexperimentieren und heraufinden, was sie machen wollen.

Heutzutage laufen Teenager wie Zombies auf Xanax durch die Schulflure.

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Wann fühlst du dich am verletzlichsten ?

Wenn ich am Aufnehmen bin. Teilweise so krass, dass ich nicht aufnehmen will, wenn andere Leute dabei sind. Ich nehm mich gern selbst auf, versuche das aber abzulegen und mehr mit Leuten zu arbeiten, aber für mich ist das ein sehr verletzlicher Punkt. Erstens: Ich nehme ständig neu auf, weil ich total perfektionistisch bin. Zweitens: Meine Songs sind persönlich und es ist komisch, wenn dir jemand Komplimente dafür macht, wie du deinen mega depressiven Part aufgenommen hast. Ist ja eigentlich normal, den Take zu loben, wenn er gut war, aber auf meinem Schulabschlussball ist mir genau sowas seltsames passiert. Ich hatte gerade „New Problems“ veröffentlicht – ein sehr persönlicher Song, in dem ich über viel Abgefucktes rede. Meine Mitschüler hatte ich schon eine Weile nicht mehr gesehen, weil ich auf Tour war und so weiter. Am Abschlussball habe ich also alle wiedergesehen und alle schienen der Meinung zu sein, dass es richtig wäre, mir für diesen Song übertriebene Komplimente zu machen. „Hey, ich liebe deine Probleme, einfach geil“ (lacht) – komisch halt.

Im Allgemeinen sprichst du in der Musik offen über jugendliche Depression und verunsicherte, angsterfüllte Teenager. Nach Lil Peep’s medikamentös-verursachtem Tod war man schnell bei dem Fazit angelangt, dass die Verherrlichung von Medikamentenmissbrauch im Rap aufhören muss. Findest du diese Schlussfolgerung problematisch ?

Es ist schade, dass erst jemand sterben muss, damit Leute verstehen, dass das nicht cool ist. Ich kann es wirklich kaum glauben, in welchem Ausmaß gewisse Substanzen oder Medikamente glorifiziert werden. Partydrogen kann ich noch irgendwo nachvollziehen, aber bei Xanax & Co. hört für mich der Spaß echt auf. Man nimmt so Zeug nicht, um Spaß zu haben, sondern weil man richtig depressiv ist. Es ist sau traurig, dass erst jemand sterben musste, aber es war unvermeidlich und eben auch keine schwarz-weiß-Situation. Trotzdem bin ich fest der Meinung, dass sich da was ändern muss. Als ich in der Highschool war, waren die bösen, älteren Kids für uns die, die in der Pause geraucht, vielleicht gekifft und maximal heimlich Schnaps in die Wasserflasche gefüllt haben. Das war echt so das schlimmste, was ging. Heutzutage laufen Teenager wie Zombies auf Xanax durch die Schulflure.

Ich stimme teilweise zu. Substanzmissbrauch ist Substanzmissbrauch, aber eben auch Sympton und meistens liegt dem ja viel Schmerz oder Trauma zugrunde. Die Unterscheidung zwischen illegalen Drogen und verschreibungspflichtigen Medikamenten ist da fast schon obsolet – Medikamente haben ja eher noch diesen „Ich hab das von meinem Doktor, also kann es so schlimm nicht sein“-Touch, der natürlich auch total fehlgeleitet ist – Big Pharma lässt grüßen. Ich finde es auch zum Kotzen, dass Leute mit jugendlicher Fanbase exzessiv von Lean und Pillen labern, weil das diese Kids mit Sicherheit beeinflusst, aber gleichzeitig sollten wir die Hintergründe für ein solches Verhalten nicht aus den Augen verlieren.

Total. Ich nehme gar nichts zu mir – außer Erdnussbutter, an der ich gern mal fast ersticke. Künstler sollten sich und ihre Realität frei äußern können und ich nehmen keinen Künstler dafür in die Mangel – Es ist ja nicht deren Schuld, dass Kids sich zuballern. Aber weiß ich, dass Kids sich von diesen Aussagen dazu verleiten lassen? Ja, selbstverständlich. Scheiße gelaufen, aber ab jetzt wird man zumindest die Augenbrauen hochziehen und an Lil Peep erinnern, sobald jemand über Xanax rappt. Zudem: da werden noch mehr Leute von draufgehen und es wird alles nur schlimmer machen.

Mehr junge Leute reden über Depression und suchen Unterstützung durch Therapie, trotzdem ist das Stigma noch sehr real. Was hältst du für die einflusreichste Erkenntnis, die du durch Therapie erlangt hast ?

Erstmal sollte jeder sich in Therapie begeben und sich helfen lassen, sich selbst besser zu verstehen. Ich wäre gern wieder in Therapie, ich habe ja in der fünften Klasse aufgehört. Ich war so jung, dass ich nicht mehr genau weíß, was ich mitgenommen habe, aber die Therapeutin war damals in der Lage, das schlechte Verhältnis zwischen meinem Vater und mir aufzulösen. Heute sind wir sehr eng.

Auf „Necessary Evil“ gibst du mit deinen Rapskills an, attackierst aber auch die, die „intellectual homicide“ lieben und unser aller Geist „kolonisieren“. Kannst du beide Ideen erklären und vielleicht einen Weg für die De-Kolonisation von Hip Hop vorschlagen ?

Im Prinzip geht’s um alles, was wir bereits besprochen haben: Leute dazu zu ermutigen, Sachen zu tun, die deinen Intellekt schmälern, deine Hirnzellen oder dich als Individuum killen. Leute hören sich Musik an und wollen wie der jeweilige Künstler sein. Wenn Leute ein Gemälde betrachten und feiern, wollen die meisten trotzdem nicht der Maler sein. Im Hip Hop ist das anders: Menschen eifern dir nach und wollen du sein. Bei „colonize all your minds“ gings mir darum Leute zu ermutigen, ihre Individualität nicht zu verlieren.

Ich dachte daran, wie Hip Hop in den 1970ern die De-Kolonisation städtischer Räume von marginalisierten Gruppen erlaubt hat, um dann Anfang der 2000er mit Minstrelstereotypen, die bei Major Raplabels auf einmal gefragt waren, wieder in die Kolonisierung zu rutschen, anstatt politisches und kulturelles Bewusstsein zu stärken. Oder anders ausgedrückt: Rapmaskottchen, die innerhalb eines kapitalistischen Markts Hip Hop-Ästhetik verkaufen, während sie dieselben kulturellen Werte bestätigen, die den Großteil marginalisierter Hip Hop-Fans weiter in Armut halten. Wie geht man damit um ?

Viele sind der Meinung, dass es Hip Hop zur Zeit schlecht geht, aber das sehe ich anders. Ich sehe eine sehr diverse Szene, leider ist das Populärste oft das Schlechteste. Das beliebte Zeug ist aus einem Grund beliebt – Leute mögen es.

Aber doch nur, weil es den Status Quo nicht stört, oder? Frauen sind Bitches, schwarze Rapper Thugs, Erfolgsskript.

Durchaus, aber diese sexistischen, hyper-kommerziellen Inhalte sind schon ewig im Hip Hop und werden heute halt noch weniger subtil verkauft als früher. Heute ist alles sehr leichtsinnig. Biggie zum Beispiel hat richtig krasse Scheiße gesagt, aber Hip Hop als Kultur hebt ihn in den Olymp. Wie kann man dann auf einen zeitgenössischen Rapper sauer sein, wenn er Sachen sagt, die Biggie genauso gesagt hätte? Es ist schwierig, aber wo zieht man da sie Grenze? Wahrnehmung ist eine irre Sache, weil die Art, wie du etwas sagst (und nicht unbedingt: was du sagst), viel dazu beiträgt, wie man dich wahrnimmt.

Wie verhandelst du deinen einsamer Wolf-Lifestyle mit einer solch extrovertierten Profession und deinen Fans ?

Tolle Frage, ich lerne jeden Tag, das zu tun. Für mich ist das eine sehr einzigartige Situation. Ich war nie übertrieben gesellig und jetzt kennt mich jeder, ich bin aber immer noch derselbe. Mein Selbstbewusstsein ist in jedem Fall gewachsen, aber ich komme immer noch ins Straucheln. Ich kann vor einer Riesenmasse performen und mich total natürlich und zuhause fühlen. Wenn ich dann wirklich wieder zuhause bin, fällt es mir teilweise irre schwer, eine Konversation mit einem Jugendfreund zu führen. Ich finde das interessant, weil es mir viel Bestätigung gegeben hat, Token zu sein und diese Kunst geschaffen zu haben. In dieses extrovertierte Leben gezwungen zu werden hat mir geholfen, mich zuhause wohler zu fühlen. Nichtsdestotrotz suche ich nicht die Aufmerksamkeit oder das Lob. Auf Tour ist das normal, man bedankt sich jeden Tag und drückt den Fans seine Wertschätzung aus. Zuhause kann ich das weniger gut, weil Gerüchte über deine angebliche Arroganz oder dergleichen sich wie Lauffeuer verbreiten und man sich auch mit sowas konfrontiert sieht.