Tereza’s Selection: Shut up, Azealia!

„The UK really can’t rap though. UK rap is just a disgrace to rap culture in general. UK rappers never have swag.“ Wow Oida wow. Ganz schön verwirrt, diese Azealia Banks. Um ihr mal ein bisschen auf die Sprünge zu helfen, hat Tereza – abseits von Grime – sieben spannende UK-Rap-Talente aufgelistet, die Azealias Twitter-Rant im Handumdrehen als Unsinn entlarven.

01

Avelino

„Fuck your opinion … (wie für Azealia Banks geschrieben) … I’m in T chilling, that’s thrilling.“ North London, Tottenham, du weiiiißt! Meine Begeisterung lässt sich kaum in Worte fassen: Den Typen muss man ahnen – Stimme, Delivery, Texte! Seine erste EP „FYO“ hat er vor einem Monat gedroppt – komplett von Raf Riley produziert. Obwohl er meine persönliche Neuentdeckung der letzten Wochen ist, scheint er nicht so super neu im Game zu sein: Nach Release eines Mixtapes in 2014 inklusive Bonkaz- und Stormzy-Feature, hat er Letzteren schon auf Tour supportet – allerdings war da die Stormzy-Skepta-Grime-Hypemaschinerie noch nicht abzusehen. Seine aktuelle EP ist musikalisch vielseitig, voller progressiver Produktionen, aber tief im Hip-Hop verwurzelt.

Wer jetzt sagt: Ha, erinnert mich an Tyler, The Creator – japp, ging mir genauso. Aber schieben wir’s mal auf die Beatwahl und seine Stimmfarbe – und behalten ihn im Auge.

02

Edgar The Breathtaker

Vom Avelino- zum Edgar-The-Breathtaker-Fanmodus: Es gibt nur wenige Künstler, die mich so faszinieren und inspirieren, wie Edgar The Breathtaker aka King Krule aka Archy Marshall aka Edgar The Beatmaker aka DJ JD Sports. Seine musikalische Bandbreite ist beeindruckend. Keine Schublade wird ihm wirklich gerecht. Seine Produktionen sind in jeglicher Hinsicht dope und erfrischend – und das mit gerade mal Anfang 20. Sein Album „6 Feet Beneath The Moon“ aus 2013 läuft bei mir immer noch auf schwerer Rotation. Dementsprechend kann man sich ungefähr vorstellen, wie happy ich bin über „some new electronic garbage“ (wie er es bezeichnet).

03

Kojey Radical

Kojey entstammt dem kreativen Melting Pot East Londons; Hoxton, um genau zu sein. Zusätzlich zu seinem musikalischen Talent bringt er als Illustrator mit Abschluss vom London College of Fashion ein unglaubliches Gefühl für Ästhetik und Visuelles mit – ein Allround-Künstler sozusagen. Das kam 2014 mit seiner Debüt-EP „Dear Daisy“ erstmals zum Vorschein und das untermauerte er mit dem im Februar erschienenen Projekt „23-Winter“. Kojeys aus Ghana stammender Vater führt darauf als Erzähler durch die zehn Anspielstatioen, wobei neben Liebe, Religion und Gesellschaft, das Leben afrikanischer Einwanderer in London und die damit verbundenen Anpassungsschwierigkeiten thematisiert werden. Die Visuals – auch zu vorangegangenen Projekten – sind übrigens sehr sehenswert! Der Song „Kwame Nkrumah“ ist eine Hommage an den ersten Präsidenten Ghanas: Er führte Ghana 1957 in die Unabhängigkeit und gilt als einer der wichtigsten Sprecher der panafrikanischen Bewegung.

04

Little Simz

Eine der – für mich – besten Rapper(innen): Little Simz. Okay, Azealia, du kannst endgültig einpacken und nach Hause gehen! Neben dem Konzeptalbum „A Curious Tale of Trials + Persons“ von letztem Jahr und geschätzten vier Mixtapes und fünf EPs liegt das vor allem an ihrer Live-Performance, Co-Signs von Lamar und Cole als Bonus obendrauf. „Wings“ stammt vom Album und wurde vom deutschen IAMNOBODI produziert, mit dem Simbi schon vorher einige Male zusammengearbeitet hat. Im Juni und August wird sie Anderson .Paak bei einigen Stopps seiner „Malibu“-US-Tour begleiten.

05

Loyle Carner

Loyle Carner – frei übersetzt: „your girlfriend’s favorite rapper“. „Smooth“ erfasst nicht im Ansatz das, was Benjamin Coyle-Larner macht: Mit klassischen Beats und starkem Jazz-Einfluss ist er – wie sein Kumpel Rejjie Snow – der Gegenentwurf zu all dem, was aktuell mit UK-Sound assoziiert wird. Seine letzte EP „A Little Too Late“ befasst sich mit dem Tod seines Stiefvaters – sehr persönlich, sehr emotional. Storytelling on point.

Sein neustes Video gibt es übrigens hier.

06

Jay Prince

Smooth geht es weiter mit dem East Londoner Jay Prince. Mit großer Unterstützung vom in L.A. ansässigen Label Soulection hat er vor allem in den USA ein kleines Hypechen kreiert. „Homecoming/Love Is“ ist das neuste Soundcloud-Release – vielleicht schafft er es ja auf die „XXL“-2016-Freshmen-Liste damit. 🙂

07

Gaika

Last but not least (und wieder etwas näher an Grime): dark, darker, Gaika. Spannende Soundwelten mit Anleihen aus Dancehall, Grime, R&B, Grunge, TripHop, dazu Performance-Kunst und eine Maske – das sind Eckdaten, die mir spontan zu Gaika einfallen. Seit dem Release seines Projekts „Machine“ in 2015 habe ich den Typen aus Brixton auf dem Schirm und es macht Spaß, jedes neue Projekt mitzuverfolgen. Aktuell hat er mit „Security“ ein weiteres Mixtape über das aus Brooklyn stammende Label MIXPAK releast. Wie er selbst sagt, geht es darum, das Selbst zu finden: von der Unsicherheit zur Sicherheit. Im Endeffekt wird wahrscheinlich keine Beschreibung Gaika gerecht, deshalb am besten seine Soundcloud-Seite auschecken!