Soundcloud Treasures: Baguette et L’Amour

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Oui, l’edition francais, oder irgendwie so. Warum? Eigentlich gibt es keinen besonderen Anlass, außer dass unser Soundcloud-Classic Phazz am Freitag in Berlin gespielt hat und weniger als 30 Leute da waren. Das finden wir traurig – deshalb gibt’s diesen Montag eine französische Sonderausgabe mit Raps und Beats aus dem Land von l’Amour, fragwürdigem Essen (ja, Froschschenkel und so) und Haute Couture. Neben Booba, Kaaris und Co. hat Frankreich nämlich noch so einiges an musikalischen Feinheiten zu bieten. Erzählt uns was ihr wollt, auch ohne Französischkenntnisse werden wir von der reizvollsten (?) Sprache überhaupt umgarnt und eingelullt. Rap kann eben auch sexy sein.

01

Soundcloud-Classic: Phazz – I Think About You

Wer brav die Soundcloud-Kolumne liest (hoffentlich jeder!) sollte schon über Phazz gestolpert sein. Der ist nämlich bei Jorrdee, einem der vergangenen Listen-Teilnehmer, für den einen oder andere catchy Beat verantwortlich. „Phazz is powerfully sexy and stylistically innovative.“ – da stimmen wir Earmilk voll und ganz zu. Umso trauriger ist es, dass er bei seinem Berlin-Set in einem halbleeren Club spielen musste. Um das zukünftig zu ändern (wir tun jetzt mal so, als hätte diese Kolumne so viel Einfluss) wird Phazz zu unserem heutigen Soundcloud-Classic. Der französische Beat-Bastler und Soulection-Anhänger füllt von Lyon aus seinen Channel mit einer perfekten Elektro-R&B-HipHop Symbiose. Zwischen Stormzy-Remixen und Club-Bangern finden sich sanfte, verschmuste Tracks wieder – alles mit einer außergewöhnlichen Vielschichtigkeit und Hang zur Innovation.

02

Ash Kidd – 901

Wäre Melancholie eine Melodie, würde sie ungefähr so klingen wie Ash Kidd. Er könnte von den schrecklichsten Dinge der Welt erzählen und trotzdem würde man sich dabei wohler als wohl fühlen. Ob das daran liegt, dass wir fast kein französisch verstehen oder an den utopischen Beats, spielt im Endeffekt keine Rolle. Außerdem ist er Live trotz seines sanften Sounds ein ziemliches Biest – sollte man also irgendwann die Möglichkeit haben, das Kid aus Straßburg auf der Bühne zu sehen, darf man es sich nicht entgehen lassen. Bis dahin reichen aber die 14 Tracks auf Soundcloud und Videos, ertränkt in ihrer Tumblr-Traum-Ästhetik.

03

O’Boy – Desperado

#rockalternatif, #rock oder #dancehall – irgendwie passt sein Hashtag-Game nicht so ganz zu seinem Sound. Viel eher erinnert O’Boy teilweise an Roc-Nation-Signee und The-Weeknd-Songwriter Belly, nur eben auf Französisch. Etwas ruhiger, etwas düsterer, etwas mehr Getuschel, aber eine ähnliche Beat-Ästhetik, die mit trappig-rollenden Bässen mehr als überzeugt. O’Boy aka der Pretty Boy aus Paris ist auf alle Fälle die perfekte (und exotische) Alternative zu all dem Ami-Chill-Rap. PNL sind eben nicht die einzigen, die die französische Straße trap-tauglich machen.

04

Laylow – 10 XXX (J.Anderson)

Lambo, Farrari und Co. – Laylow steht anscheinend auf schnelle Autos. Zumindest fürs Artwork müssen die Karren hinhalten, ob er irl nicht doch in einem Peugeot rumcruist bleibt für immer ein Rätsel. Außerdem scheint es so, als würde er wohl irgendwie mit dem nächsten Listen-Artist in Verbindung stehen. Er shart, likt und promotet Wits Tracks und vic versa. Außerdem gibt’s ein paar Kollabos der Beiden. Trotzdem bleiben Fragen über Fragen und wenig Erfolg auf der Suche nach Antworten. Mysteriös – genau wie die niederschmetternden Beats und verzerrten Bars von Laylow.

05

Wit – Mocciō (prod. Spleener)

Man wühlt und wühlt und findet nichts – so ungefähr fühlt es sich an, wenn man nach Infos zu irgendwelchen Soundcloud-Artists sucht. Unklare Künstlerbeziehungen verstecken sich in mystischen Sphären, Paralleluniversen und WWW-Nischen. Man googelt und stößt schlussendlich dann doch auf nichts. Bei Wit gibt’s dann wenigstens einen YouTube-Channel, der mit artsy Visuals und Game-Ästehtik auf Lan-Kabel-Liebe und Internet-Ära verweist. Auch soundtechnisch bewegt sich der 21-jährige in einer Parallel-Welt aus unebenen Beats und verstrickten Produktionen.