Soundcloud Treasures: Von Mittelerde ins WWW

von am

Wer sich schon einmal im großteils unerforschten Soundcloud-Universum bewegte, weiß, dass auch nach ewigem Suchen nicht annähernd alles Erwähnenswerte gefunden ist. In irgendwelchen dunklen Ecken verstecken sich Künstler, denen man oft aufgrund minimaler Follower-Anzahl keine Aufmerksamkeit schenkt – viel zu oft eine Fehlentscheidung. Um diesen Fehler so gut wie möglich zu neutralisieren, gibt es hier eine kleine Auswahl dieser unterschätzten Soundcloud-Schätze – egal ob Beats, Remixe oder Raps.

01

Soundcloud Classic: Kamiya – Middleearth

Als Gandalf in den Abgrund stürzt und für alle Mordor-Gegner unter uns die Welt eine Zeit lang verloren schien, zauberte Kamiya den wohl epischsten „Herr der Ringe“-Remix aller Zeiten. Ob Film-Fan oder nicht, diese Seelenmassage sollte niemandem vorbehalten bleiben. Zwischen Chorgesang auf Elben-Basis und rollenden Bässen verschlägt es uns schneller nach Mittelerde als es uns lieb ist. Genauso schnell wird man aber auch wieder aus der Traumwelt gerissen, denn nach gut einer Minute ist es vorbei (Wir brauchen einen drei-Stunden-Edit oder eine Dauerschleife-Funktion!). Von Straßburg aus, füttert er seinen Soundcloud-Channel mittlerweile nicht mehr so regelmäßig. Vor drei Monaten gab es das letzte Release, in den vorherigen Jahren war er schon produktiver. Trotz der mageren aktuellen Uploads, findet man hier die stets benötigte Dosis Balsam für die Seele. Außerdem gibt’s auf Bandcamp Kamiyas frühere elektronische Traumreisen für umme. Der Mittelerde-Mix ist jetzt schon ein Klassiker, zumindest unter Hobbits und in Soundcloud-Sphären.

02

Rakeem Miles feat. Herrick and Hooley – Sunflower

Rakeem will uns glücklich machen und schickt uns Sonnenblumen aus Baltimore. Gleich einen ganzen Strauß, gebündelt in Bumm-Tschakk-Vibes, teils trappigen Flows und mächtig viel Funk. Den früheren Madlib-J-Dilla-Einfluss hört man da sofort raus. Im März des vergangenen Jahres releaste Rakeem sein Debüt-Album „Do They Really Love You?“ – und ja, wir lieben dich wirklich! Eigentlich wäre das Ganze ja was für Tyler, The Creator und seine Wolf Gang – also falls das jemand mal vorschlagen könnte?! Bis dahin kann man sich von Rakeem Miles an warmen Sommertagen auf ein Picknick einladen lassen – so ungefähr klingt seine Musik. Fühlt ihr es?

03

Hikori – Last Time

Russland, irgendwann Anfang 2016: In einer eiskalten, verschneiten Nacht hat ein junger Mann schlussendlich die Erleuchtung, nach der er Jahre lang suchte. Irgendwo in der Tundra, ganz im Stereotyp-Russland-Stil mit Wodka, Traurigkeit und so. Seine Lebensaufgabe: uns Musik-Nerds mit verträumten Beats am Leben zu halten. So zumindest stellt man sich die Story hinter Hikori vor, wenn man sich durch seine Soundcloud-Page hört. Depressiv, aber doch irgendwie vorantreibend. Emotional, aber doch irgendwie kalt. Melancholisch, aber doch irgendwie beglückend. Und vor allem: mystisch. Hikori ist eine dieser sagenumwobenen Gestalten, denen man stets auf der Spur ist, aber nie einholen wird – ein Soundcloud-Producer, der sich mit massig Talent hinter einem geisterhaften Klangbild versteckt.

04

Jorrdee – Rambo

Einen Schlafzimmer-Banger (Schlafzimmer, Banger… Achtung, Wortwitz!) mit Beat von Phazz, ein Track mit Lord-Pusswhip-Feature und einen (Fast-)YouTube-Hit mit 100.000 Klicks. Genügt eigentlich als Überzeugung. Wenn nicht, dann am Besten von Anfang bis Ende durch seinen Soundcloud-Channel hören. Es erwartet euch sanfter, verschlafener Franzosen-Rap mit fast schon meditativen, tief rollenden Beats. Ohne viel Schnickschnack, dafür aber umso solideren Sexy-Time-Gangster-Raps. Ob die Lyrics krass sind? Keine Ahnung, für inhaltliche Analysen fehlen hier leider die Französischkenntnisse. Aber auch ohne Sinn lässt sich sein Sound leicht erschließen – auf emotionaler Ebene, so wie Französisch sonst halt auch zieht.

05

Asaad – Holdin Hope

Seit 2009 ist Asaad immer wieder ein Begriff in so manchen HipHop-Head-Diskussionen. Der Under-the-Radar-Rapper machte den Eindruck, ein bekanntes Gesicht in Musikkreisen zu werden. Er ergatterte Feature-Tracks mit TDE-Lyricist Ab-Soul und die Begleitrolle auf dessen Tour. Nebenbei gab’s sogar noch Beef mit Pusha-T, für den er auch schon als Voract funktionierte. Trotz der für sich generierten (aber nicht immer positiven) Aufmerksamkeit, schaffte Asaad nie wirklich den Durchbruch. Seitdem droppt er einen Song nach dem anderen und füllt seinen Soundcloud-Channel mit einer unüberschaubaren Menge an Material. Gutem Material. Von Artwork über Beats bis hin zu einem außergewöhnlichen Flow stimmt alles. Einige seiner unebenen Raps werden von Producer-Genie Knxwledge und dessen frischen Off-Beat-Ästhetik veredelt. Vielleicht ist der Durchschnittshörer einfach noch nicht bereit für den experimentierfreudigen Asaad.