Silkersoft: „Für Casper zu produzieren war ein bisschen Kanye-West-mäßig“ // Interview

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Nachdem Silkersoft als Solokünstler unter dem Radar schon längst zu einem Liebling aller Musiknerds geworden ist, geht’s nun ziemlich schnell Richtung Oberfläche: mittlerweile produziert er nämlich für Zugezogen Maskulin und Casper. Ganz nebenbei arbeitet er noch mit dem Dude von „Rick & Morty“ zusammen und unterlegt das eine oder andere Videospiel mit dem passenden Sound – denn eigentlich ist er vom Zocken zum Musikmachen gekommen. Unser Autor Fionn Birr hat sich auf dem splash! 20 mit Silker über Gaming, seine musikalische Sozialisation und die Arbeit mit Zugezogen Maskulin und Casper unterhalten.

Du bist über das Zocken zum Musikmachen gekommen. Mit welchem Spiel kann man dich für immer von der Arbeit abhalten?

Ich würde sagen „Chrono Trigger“, das ein altes RPG für den Super Nintendo – der Soundtrack hat mich auch sehr geprägt. Den höre ich mir auch heute noch regelmäßig an, wenn ich Wäsche mache oder so. (lacht) Ich besitze tatsächlich auch noch ein Originalspiel aus Japan, das ist ja sehr gesucht und geht auf eBay auch gerne mal für 300€ weg. Mein Mitbewohner hat mir das mal von dort mitgebracht. Das ist eigentlich mein größter Schatz. Ich besitze eigentlich nicht viel, auch weil ich es nicht mag, mich an so materielle Dinge zu ketten. Wenn das Haus mal brennen sollte, will ich alles schnell zusammenpacken können. Aber das „Chrono Trigger“-Originalspiel liegt mir sehr am Herzen.

Deine Freundin hat damals Spiele programmiert, wodurch du das produzieren begonnen hast. Was waren das eigentlich für Spiele?

Das war witzigerweise genau so was wie „Chrono Trigger“. Es gab damals ein Tool aus der Heft-CD der Bravo Screenfun namens „RPG-Maker“, als wir so 14 Jahre alt waren. Damit konntest du superleicht ohne Programmierkenntnisse deine eigenen Spiele programmieren und meine Freundin Silke war sehr besessen davon. Sie hat sich dann den Namen Silkersoft erdacht, was eine Kombination aus ihren Vornamen und der Softwarefirma Squaresoft war, die unter anderem die Final Fanatsy-Reihe oder Kingdom Hearts veröffentlicht haben. Dazu habe ich dann 8-Bit-Musik in einem Programm namens »Guitar Pro« gemacht, das war der Soundtrack zu ihren Games. Ich spielte damals bereits Gitarre und in diesem Programm konnte man Notationen aus Audiofiles herauslesen, aber auch selbst Noten reinschreiben. Das war eigentlich eine Lern-Software, die auch keine geilen Instrumente oder Synthies besaß, nur solche 8-Bit-Sounds. Aber, ey, damit habe ich angefangen (lacht). Ich habe mir dann irgendwann Fruity Loops 7 organisiert, bin aber recht bald auf Ableton umgestiegen, mit dem ich auch heute noch arbeite. Silke hat das Games-Programmieren irgendwann aufgegeben und BWL studiert. Ich habe ihren Namen einfach behalten und weiter Musik gemacht.

So eine schnelle Umstellung von Fruity Loops auf Ableton deutet auf ein gewisses Know-How hin – wie hast du denn den Zugang zu diesen Programmen gefunden?

Damals war man noch ein wenig auf der Suche. Ich habe mich halt schnell gefragt, woran es liegen könnte, dass keinen meine Musik interessiert. (Gelächter) Dann liest du halt im Internet andauernd, dass Fruity Loops auch für Anfänger geeignet ist und dann fuchst man sich da eben rein. Ich benutzte FL Studio auch immer noch gerne, es gibt ja auch eine mobile Version, die ich recht praktisch finde. Natürlich ist es so gesehen voll der Quatsch, zu denken, wenn man die Software wechselt, dass die Musik besser ist – aber man will sich ja weiterentwickeln. Es ist scheißegal, welche Software du benutzt. Aber damals dachte ich halt, dass die Profis Ableton benutzten, ich das also auch machen muss, damit es klappt. Hat es ja dann auch. Vielleicht lag es nur an Ableton – Shoutout! (lacht)

Es ist scheißegal, welche Software du benutzt.

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Du spielst Gitarre – wie wurdest du denn musikalisch sozialisiert?

Ich komme aus einem relativ kleinen Ort, Stadtlohn im Münsterland, direkt an der holländischen Grenze. Ich war auch krasser Metalhead, da lag die Gitarre natürlich nahe. Ich glaube, das hängt auch einfach mit meiner Gaming-Affinität zusammen, da viele Gamer Metal hören – ich war schon ein krasser Nerd. Anfangs habe ich dann in schlechten Blackmetal-Bands gespielt, die aber nie Auftritte gespielt und den Proberaum nie verlassen haben. Wir hatten aber tatsächlich schon eine Vocalbooth im Keller der Eltern unseres Sängers. Das hat aber natürlich nichts mit dem zu tun, was ich heute mache. Aber ich mochte auch Linkin Park zum Beispiel, was ja auch schon Rap-Elemente in sich trug. Natürlich ist das aus heutiger Sicht sehr schlimme Musik, aber damals fand ich das cool, weil verschiedene Stile vermischt wurden. Ich höre auch heute viele verschiedene Genres und versuche aus allen Bereichen etwas mitzunehmen. Die ersten Alben von Rustie und Hudson Mohawke um 2009 herum sind eigentlich der entscheidende Punkt gewesen, auf den ich mich bis heute beziehe. Diese beiden Platten haben, zumindest für mich, ein Genre erschaffen, das es vorher so nicht gab. Da wusste ich: „Okay, es gibt jetzt drei, vier solcher Alben – da kann ich also jetzt auch mitmachen.“ Aber nicht so Trittbrettfahrer-mässig, ich sah schon auch, dass ich meinen eigenen Twist da reinbringen kann, weil diese Platten ja auch irgendwo etwas von Videospiel-Soundtracks hatten auf eine Art. Aber das ist vermutlich einfach unsere Generation.

Vielen deiner Beats, auch gerade den instrumentalen Produktionen, haftet etwas Asiatisches an.

Auf jeden Fall! Aber das kommt ja daher, dass ich zwar in Deutschland auf einem Dorf, aber eben vor dem Super Nintendo saß, wo ja im Prinzip die ganze Zeit asiatische „Produktionen“ liefen. Meine Musikschule war so gesehen eigentlich hauptsächlich japanisch. (lacht) Vermutlich spricht mich daher deren Tonleiter und Harmonieverständnis mehr an.

Der klassische splash!-Besucher kennt dich in erster Linie als Producer für Zugezogen Maskulin. Du hast allerdings 2009 bereits einen Song auf dem Label What! What! Records releast.

Das ist damals zu Myspace-Zeiten 2007/2008 entstanden, als diese Chiptune-Szene gerade voll angesagt war. Das Witzige ist: zur selben Zeit waren auch die Sachen von Ed Banger auf Myspace sehr populär, wodurch die ich dann auch etwas aggressivere Beats gemacht und viel mit Gate-Compressions und solchen Dingen experimentiert habe – meine Musik war damals eigentlich Justice kombiniert mit Chiptune, wenn man so will. (lacht) What! What! Records war ein kleines Label aus Halle (Saale), die sich ein bisschen auf elektronische Musik konzentriert haben und meine Sachen anscheinend ganz geil fanden. Ich bin mir aber gerade nicht mehr sicher, ob die mich oder ich sie angeschrieben habe – der Remix ist jedenfalls über Myspace entstanden, ganz zaghaft erst mit gegenseitigem Liken und Kommentieren und dann irgendwann ins Gespräch kommen. Das ist aber irgendwann wieder eingeschlafen, auch weil ich dann eine Ausbildung als Mediengestalter gemacht habe.

Meine Musikschule war so gesehen eigentlich hauptsächlich japanisch.

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Wie kam denn dann HipHop in dein Leben?

Ich hatte während meiner Schulzeit, obwohl ich ja eigentlich eher Metal gehört habe, eine kleine Aggro-Berlin-Phase. Ich habe das zwar nicht nach außen getragen, aber fand das schon alles ziemlich geil. Da hat sicher auch eine gewisse Ironie in meinem Hörverhalten eine Rolle gespielt – so wie Leute heute Yung Hurn hören, vermute ich. Aber wir waren eben auch finanziell nicht so gut ausgestellte Kids vom Dorf, weshalb wir uns schon auch mit den Sachen, die da gesagt wurden, irgendwie identifizieren konnten. Es gab aber auch Leute, vor denen wir Angst hatten, die das alles richtig ernstgenommen haben. Wir waren halt Nerds. Ich stand da irgendwo zwischen – ich habe ja auch die deepen Aggro-Sachen reingezogen und fand das nice. Die anderen, die wichtig für mich waren, sind ganz klar: K.I.Z. Das fand ich musikalisch auch nice. Ich muss auch zugeben, als ich grim104 das erste Mal gehört habe, dachte ich: „Oh, der rappt ja so ein bisschen wie K.I.Z. – das ist cool!“

Nach deinem Remix für What! What! Records nimmt dein musikalischer Output allerdings erst ab 2013 an Fahrt auf.

2009/2010 habe ich eigentlich nur nach Feierabend zur Entspannung zuhause Beats geschraubt. Das war so zu der Zeit als Hudson Mohawke und Flying Lotus gerade populär wurden. Dieses ganze Movement war für mich extrem aufregend und inspirierend. Allerdings gab es keine richtige Szene für solche Sachen, schon gar nicht in Deutschland. HudMo und so haben ja auch auf Warp Records releast, was für mich und meine Musik damals utopisch entfernt war. Ich habe also erstmal nur Musik für mich gemacht, die vermutlich auch zu schlecht war, um sie ernsthaft irgendwo zu releasen. 2012 habe ich dann meine Ausbildung beendet und mich wieder mehr auf Musik konzentrieren können, mir zum Beispiel auch einen Soundcloud-Account zugelegt und solche Dinge. Es war damals zwar noch nicht so groß wie heute, aber da habe ich schnell bemerkt, dass es wieder eine Community gibt, wie zu Myspace-Zeiten. Darüber bin ich damals mit einen Rapper namens Dominic Lord aka A$AP Dom in Kontakt gekommen, der tatsächlich Mitglied des A$AP Mobs war – allerdings wurde er da aus ungeklärten Gründen wieder rausgeschmissen, und wollte dann sein eigenes Projekt starten. Ich hatte einen Song von ihm auf einem Hudson-Mohawke-Beat gehört, den Pitchfork veröffentlicht hatte. Dazu habe ich dann einen kleinen Remix gemacht und auf Soundcloud gestellt, wodurch Dominic Lord auf mich aufmerksam wurde. Eigentlich ging es mir da gar nicht um den Rap, sondern um den Beat, aber wir haben dann vereinbart, zusammenzuarbeiten. Daraus ist ja offensichtlich nichts geworden (lacht). Der hat auch bis heute nichts mehr richtig releast und diese ganze Abmachung zwischen mir und ihm ist ganz komisch einfach dem Sande verlaufen. Einfach Funkstille. Das war aber generell ein merkwürdiger Sommer, weil ich zum Beispiel zwar wusste, dass ein Rapper vom A$AP Mob huge sein muss, auch weil Pitchfork über den schreiben. Gleichzeitig war ich aber überhaupt nicht im Rap drin. Aus heutiger Sicht kommt mir Dominic Lord auch ein bisschen vor wie ein Fake-Artist. Kennst du diese Geldwäscheläden in Berlin, wo du immer nicht weißt, ob das jetzt ein richtiger Handyshop oder ein Geldwäscheladen is? So war Dominic Lord immer ein bisschen. (Gelächter) Trotzdem hat es mich motiviert und auch selbstbewusster im Umgang mit meiner eigenen Musik gemacht. Ich habe mich dann bewusst dazu entschieden, erstmal im Haus meiner Eltern wohnen zu bleiben und ein Jahr lang nur Musik zu machen – das fanden meine Eltern auch okay, denn ich hatte ja eine abgeschlossene Ausbildung.

Du bist dann auf einem Sampler mit Dorian Concept gelandet.

Das kam auch über das Internet zustande. Mamiko Motto moderierte damals eine Radiosendung auf NTS und hatte mich einfach angeschrieben und gefragt, ob ich Lust hätte, etwas zu ihrer Compilation beizutragen. Das verlief total unromantisch, ich glaube, wir haben vielleicht fünf Nachrichten hin- und hergeschrieben – so: „Ey, nicer Track, wir pressen den jetzt auf eine Platte.“ „Alles klar!“ (lacht) Es war schon cool, von meinem kleinen Zimmer im Haus meiner Eltern aus solche Sachen zu realisieren.

Das klingt jetzt so, als wäre dir das alles in den Schoß gefallen.

Ich würde nicht sagen, dass alles leicht war und ein bisschen Glück gehört immer dazu. Ich habe mich natürlich auch bemüht. Aber es war jetzt nie so eine bewusste Wahl – ich war einfach super obsessed mit Produzieren und es hat sich alles geil angefühlt. Damals habe ich nächtelang durchmusiziert oder mir Mastering-Turotials reingezogen. Ich dachte damals halt auch: „Du musst mit den Großen mithalten, oder es zumindest versuchen, wenn das alles geil klingen soll.“ Es hat sich aber nie nach Arbeit angefühlt oder mich vor Entscheidungen gestellt, wo ich zwischen kreativem Anspruch und finanzieller Lage abwägen musste. Ich bin eigentlich immer meinem Bauchgefühl nachgegangen bisher. Und dann kamen eben immer wieder diese kleinen Erfolgserlebnisse wie zum Beispiel dieser Sampler. Oder meine Teilnahme an der Red Bull Music Academy 2015 in Paris.

Du warst dort damals der einzige deutsche Teilnehmer. Was hast du von dort eigentlich mitgenommen für deinen musikalischen Weg?

Zum einen habe ich dort Menschen kennengelernt, wie zum Beispiel Dorian Concept. Zum anderen habe ich auch viel über Musiktheorie gelernt. Zum Beispiel, welche Stimmungen mit welchen Akkorden erzeugt werden können und wie man die miteinander kombinieren kann. Wir hatten einen Dozenten, der einen Jazz-Backround hat. Außerdem habe ich auch einen anderen Zugang zu elektronischer Musik gefunden. Ich habe damals ja noch bei meinem Eltern gewohnt und dachte zum Beispiel immer, dass 4-To-The-Floor-Beats keine Kunst seien. In Paris waren wir dann aber auch mal in einem richtig guten Technoladen und da habe ich begriffen, welche Atmosphäre durch diese Musik erst entsteht. Es hat meinen Horizont auf jeden Fall erweitert.

Du hast vormals in erster Linie als Solokünstler gearbeitet. Wie hat sich die Arbeit mit Zugezogen Maskulin entwickelt?

ZM war für mich der erste große Job, wo mir klar war, dass ich mit Musik jetzt Geld verdienen kann. Beim ersten Album war es auch noch so, dass ich superlang an jedem Beats saß und die Jungs auch ab und zu gefragt habe, ob sie es überhaupt geil finden, was ich da zusammenbaue. Das hat sich verändert. Beim neuen Album ging alles viel schneller und lockerer. Ich wohne mittlerweile in Berlin und habe einen Job als Sounddesigner für eine Spielefirma bekommen. Oft habe ich mich abends schon darauf gefreut, Musik für ZM machen zu können. Viele Beats auf dem neuen Album sind in vielleicht einer Stunde entstanden. Ich habe ihnen die Sachen auch meist direkt geschickt und die haben oft direkt drauf geschrieben – das war total im Flow und hat alles extrem Spaß gemacht. Ich habe immer gesagt: ich fühle mich wie ein alter Rocker, der tagsüber seinen Bürojob und abends mit seinen alten Buddys von der Rockband noch ein bisschen Mucke macht. (lacht)

Ich fühle mich wie ein alter Rocker, der tagsüber seinen Bürojob und abends mit seinen alten Buddys von der Rockband noch ein bisschen Mucke macht.

Silkersoft

Du hast auch am neuen Casper-Album mitgewirkt. Was war deine Aufgabe in dem Produktionsprozess?

Das war eigentlich klassisches Co-Producing. Am Anfang war es eine ganz klassische Anfrage: „Schick mal Beats“ und daraus hat sich dann ein Dialog entwickelt. Ich glaube, am Ende war es der Metalband-Background, weshalb die mich überhaupt gefragt haben, ob ich mitmachen will. Ich habe real dann eigentlich keine Beats gemacht oder ganze Songs produziert, sondern eher meine Ideen in bereits bestehende Arrangements einfließen lassen – hier eine Fläche hinzugefügt, da eine Distoriton draufgelegt und so weiter. Das hatte schon etwas von Kanye-West-Produtkionen irgendwo, weil man mich einfach machen lassen hat. Am Ende hatte ich auch keinen Einfluss darauf, ob die Snare, die ich in dem Song noch eingebaut oder ausgetauscht hatte, drinnen bleibt oder wieder rausfliegt.

Wie unterscheidet sich eine Instrumental- von einer Songproduktion mit Vocals für dich?

Gerade bei ZM habe ich viel gelernt. Früher haben mir Rapper immer gesagt, dass meine Beats so „voll“ seien und dass Sie es schon geil finden, aber nicht wüssten, wo da jetzt noch ein Rap reinpassen soll. Ich habe halt super-maximalistisch, aber – für einen Rapper – auch ein bisschen strukturloser produziert. Jetzt weiß ich einfach, wie ein Rap-Beat im Arrangement aufgebaut sein muss, damit der Rapper begreift, wie ich das meine. Das ist dann ganz stumpf: Strophe-Hook-Strophe-Hook und vielleicht nochmal ein C-Teil und dann wieder die Hook. (lacht) Wenn ich aber selbst Musik mache, dann ist mir das scheißegal. Dann mache ich die ersten 10 Sekunden und denke mir: »Okay, was wäre jetzt geil?« Da passiert viel intuitiv, in dem ich auf meinem Midicontroller ein bisschen herumjamme.

Da du ja über Videospiele zur Musik gekommen bist, läge es jetzt nahe, dir einen Vorliebe für Hardware und Synthesizer zu attestieren.

Ich arbeite eigentlich gar nicht so viel mit Hardware. Ich bin einfach schnell mit Tastatur und Maus. Es gab mal ein Interview mit der Münsterländer Zeitung, die mich wegen meiner Teilnahme an der Red Bull Music Academy besucht haben. Da haben die mich auch gefragt, ob ich für ein Foto nicht noch irgendwas rumzustehen habe – das Keyboard auf dem Foto benutze ich aber kaum. (lacht) Ich finde das schon geil, aber ich bin auch einfach faul und heutzutage brauchst du ja auch nichts mehr großartig anschließen oder verkabeln, sondern kannst es direkt im Programm machen. Eigentlich geht es ja auch immer mehr dahin. Natürlich nehme ich auch manchmal den OP-1 von Teenage Engineering in die Hand, wo ich die Sounds auch alle im PC hätte, mir es aber einfach Spaß macht, damit herumzuspielen. Ich glaube, wenn dir es Spaß macht, machst du am Ende auch die geilere Musik.

Kannst du die 808 und diese Preset-Sounds, die gerade alle benutzen, denn eigentlich noch hören?

Ich finde es voll okay, wenn Leute das machen. Willst du etwa Leuten wie den Ärzten oder so vorwerfen, dass schon hunderte Bands vor ihnen die gleiche Gitarre benutzt haben? Oder nimm die Effektpedale – das ist ja so gesehen auch nur ein Preset. Ich habe das Gefühl, sobald es digital wird, brüskiert sich so ein elitärer Zirkel, der dann kritisiert, dass man nur zwei Mausklicks für einen geilen Sound braucht. Ja, das stimmt. Aber ich sehe es eher so: ein guter Musiker kann auch mit einem Preset einen Song machen, der eigenständig ist. Das ist ja die eigentliche Kunst. Ich würde nie auf ein Preset verzichten, nur um auf Biegen und Brechen einen eigenen Sound zu verwenden, obwohl das Preset geiler klingt. Das ist auch einfach eine Quatschdebatte: solange es dir Spaß macht, kannst du doch machen, was du willst.