Schote: „Wir wollen keinen funny Shit machen.“

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Schote bleibt ein Karlsruher Original. Auch über acht Jahre nach seinen ersten Untergrund-Gehversuchen bleibt der Rap-Fetischist seinem düsteren Swagger treu: Seine fein säuberlich komponierten Lines zur Untermalung der eigenen Stärke bricht er nach wie vor mit ironischen Zwischentönen. Immer wieder treffen die überlebensgroße Kunstfigur und der rumhängende (bis vor kurzem) Langzeit-Student aufeinander. Am 31. März veröffentlicht Schote gemeinsam mit seinem Produzenten (seit Tag eins) sein Debütalbum „Schuss“ via WSP. Jonathan Nixdorff sprach mit Schote zum Gespräch über Existenzängste, Battle-Rap und Wortästhetik.

Dein letzter größerer Aufschlag war die „Neue Bars Sued“-EP. Wie verlief die Arbeit danach am Album und wie wolltest du dich nach der EP neu ausrichten?

Erstmal haben wir uns keine Deadline gesetzt. Wir haben einfach so lange Mucke gemacht, bis wir uns gedacht haben, dass wir fertig sind. Wir hatten auch vom Label gar keinen Druck. Wir haben uns einfach Zeit gelassen, nebenbei fast nichts gemacht und uns nur auf’s Album konzentriert. Alles in allem war das sehr entspannt.

Vor allem auf „Kein Job“, aber auch auf ein paar anderen Songs sprichst du teilweise an, dass du ausschließlich Musik machst. Manchmal hört man da auch ein bisschen Zweifel raus. Hast du manchmal Angst, dass das schief geht?

Das wurde für mich fast zum Hauptthema des Albums. Ich feiere es einfach sehr, zu machen, was ich will – und das ist eben Rap. Trotzdem bleiben immer auch ein paar Zweifel. Man weiß eben nicht, was in zehn Jahren sein wird. Und es ist auch scheiße, mit 50 immer noch Battle-Rap-Alben aufzunehmen. Alle Menschen sollten machen, worauf sie Bock haben, aber das ist nicht immer einfach. Aber solange ich rappen kann, würde ich nebenbei jede Scheiße machen, um mich zu finanzieren. Ich würde keinen Vollzeitjob machen, bei dem ich nebenbei keine Musik mehr machen kann. Ich habe ein bisschen Glück, dass ich Grafik mache und im Prinzip einen Halbtagsjob daraus machen kann. Ich habe gerade aufgehört zu studieren und mein Diplom nicht gemacht. Trotzdem kann ich jetzt irgendwelche Aufträge machen, aber ich will mich eigentlich nicht in eine Agentur setzten. Zwei kreative Jobs gleichzeitig zu machen ist immer ein bisschen schwierig.

Hast du nicht auch lange in einer Bar gearbeitet?

Ja, in einem Club. Das wäre zum Beispiel ein Nebenjob, den ich gerne mache um mir die Musik zu finanzieren. Aber auf Dauer macht einen das völlig kaputt. Man sollte nie länger als zehn Jahre in einem Club arbeiten, sonst wirst du irgendwann Inventar.

Wie geht es also weiter?

Mein Plan ist es, weiterzumachen wie bisher, aber zu versuchen, alles ein bisschen professioneller anzugehen – sowohl Rap als auch Grafik. Ich habe ja bis jetzt noch studiert, da erwartet dann niemand von mir, dass ich 3000€ im Monat verdiene. Aber wenn man älter wird, will man auch nicht für immer in einer WG wohnen. Deshalb wird’s Zeit, dass ich alles ein bisschen ernsthafter mache in meinem Leben.

Es kommt wahrscheinlich auch darauf an, dass es natürlich wächst. Das Vorhaben, mit Musik dann mal richtig viel Kohle zu machen, geht ja meistens schief.

Dafür muss ich mir einfach eine YouTuberin suchen und mit der gemeinsam irgendwelche Projekte machen. (lacht)

Ich hatte auch das Gefühl, dass du ein bisschen mehr Einblick in dein Leben gegeben hast, als sonst. Wie bist du textlich an das Album herangegangen?

Ich weiß gar nicht, ob sich das irgendjemand vornimmt: mehr über sich selbst zu erzählen. Das passiert einfach so und ist stimmungsabhängig. In meinen Texten ist immer ein Teil meines Privatlebens enthalten. Ich habe aber nicht vor, ein autobiografisches Album zu veröffentlichen. Meine Texte leben davon, dass ich auf der einen Seite übertreibe, wie geil ich bin, und auf der anderen Seite zeige, dass nicht alles so Hollywood-mäßig ist, wie man oft denkt. Manche Leute denken ja wirklich, nur weil sie irgendein Video von dir auf YouTube sehen, dass du krass berühmt bist. Mir ist es sehr wichtig, dass die Leute begreifen: nur weil man ein Release oder ein Label hat, heißt das noch lange nicht, dass man keine Alltagsprobleme mehr bewältigen muss. Es ist nicht alles so geil, wie viele denken.

Ich feiere es einfach sehr, zu machen, was ich will – und das ist eben Rap.

Schote

Ist das ein Gedankengang, der sich im letzten Jahr entwickelt hat – darüber nachzudenken, was passiert, wenn es nicht nach Plan läuft?

Ja, voll. Ich habe aufgehört zu kiffen. Auch aus dem Grund, weil man sich einfach viel zu viele Gedanken macht, was passiert, wenn es nicht klappt. Man macht sich voll fertig. Mein Rezept bleibt: einfach machen und wenn es nicht klappt, dann klappt es halt nicht. Da kann man dann eh nichts machen.

Enaka produziert nach wie vor alle Songs. Was ist eure musikalische Vision?

Wir wollen keinen funny Shit machen. Es soll immer ein bisschen düster bleiben. Diesen Film fahren wir auch in den Videos: Am liebsten würden wir alle nachts drehen. Aber sowas schränkt einen natürlich ein. Ich würde auch gerne einmal einen „Hey, alles cool!“-Track machen und erzählen, wie schön alles ist. Aber das passt nicht zu unserem Konzept. Enaka und ich brauchen dafür keine Mindmap. Er rafft, was ich geil finde und ich raffe, was er geil findet. Klar, er macht nicht ausschließlich düstere Beats, aber er ist glücklich, dass ich seine düsteren Beats haben will.

Reizt es dich sehr, mal daraus auszubrechen? Oder vielleicht für anderen Künstler als Ghostwriter zu arbeiten?

Das reizt mich voll. Ich habe auch voll Bock, mal was anderes zu machen und ich schreibe nebenbei ja auch andere Sachen – die hört nur niemand, weil ich sie nicht rausbringen kann. Um für andere Künstler Songs zu schreiben, habe ich noch zu wenig Zeit. Ich habe mir darüber aber auch noch keine Gedanken gemacht. Ich könnte wahrscheinlich voll gute Liebeslieder schreiben. Ich habe auch echt Bock auf Liebeslieder, aber die will ich nicht verkörpern oder ich will damit nicht in Verbindung gebracht werden. Ich müsste mir echt irgendeinen Sänger-Schönling suchen.

Wäre es eine Option, dir ein Alter Ego zuzulegen?

Dann mit Maske oder was? Wie macht man das dann?

Naja, zum Beispiel wie Marsimoto und Materia.

Ja, aber seine Persönlichkeiten überschneiden sich ja. Das beißt sich nicht. Wenn ich jetzt als Alter Ego einen Dude hab, der seine Freundin vermisst, dann würde das nicht passen. Da glaubt mir ja dann keiner mehr, was ich sonst so erzähle.

Glaubst du nicht, du kannst als Schote auch mit der Zeit neue Themen erschließen?

Ja, auf jeden Fall. Mich wundert das auch immer wieder bei so leuten wie Morlockk, der mehr oder weniger schon immer das gleiche macht – aber trotzdem wird’s nicht langweilig. Man kann sich das immer wieder geben. Aber ich denke mir, dass ich nach zehn Jahren Bock auf was anderes haben werde. Mein nächstes Album wird nicht nur Battle Rap.

Was fasziniert dich denn bis heute so sehr an Battle Rap?

Mich fasziniert Rap. Und für mich hat Rap viel mit Wortspielen, mit phonetisch coolen Lines, zu tun – und wenig mit dem Thema. Ich mag dieses Basteln mit Zeilen. Mir ist der Inhalt eigentlich scheißegal. Wenn uns Leute zuhören würden, wenn ich über nichts rede, würde ich das machen. Es geht mir auch nicht um komplizierte Lines, ich will nur das Gefühl vermitteln, dass es cool ist. – Jetzt klinge ich wie Fler: Aber mir geht es hauptsächlich um die Wortästhetik. Ich würde ganz viele Wörter nie rappen, weil sie dumm klingen. Andere Rapper scheißen darauf. Ich muss mir im Prinzip auch eingestehen, dass meine Fans „echte Heads“ sind. Es gibt immer wieder ein paar Trendhörer, aber im Endeffekt mache ich Mucke für Leute, die Rap geil finden. Und das finde ich auch wunderschön. Und es gibt auch Frauen, die meine Musik ganz gut finden. Also so falsch kann’s nicht sein. (lacht)