Rookiie: „Ich bin bei TV Total die Treppe heruntergefallen.“ #workinonit

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Eigentlich hat Rookiie einen irreführenden Künstlernamen. Denn der 21-Jährige hat bereits zahlreiche Wettbewerbe als Beatboxer absolviert und konnte sich unter anderem schon Berliner Meister sowie deutscher Vizemeister in der Mundstrumental-Musik nennen. Als einer der besten Beatboxer Europas hat der Berliner zudem Fernsehauftritte in Frankreich, Österreich oder Deutschland hinter sich gebracht und im Mai mit Sample-Spürnase HawkOne seinen ersten Release „Quite Nice“ veröffentlicht. Der Lebenslauf eines „Frischlings“ liest sich anders. Mit seiner „Gunfingers EP“ wagt sich Rookbert nun in der Disziplin des Beatmakings. Seine Spezialität: Grime

Man kann dich zwar als Newcomer bezeichnen, aber du hast schon ein paar Kollabos produziert, eine LP mit Hawk One veröffentlicht und bist auch als Beatboxer aktiv. Kannst du dich einmal vorstellen?

Mahlzeit, Rookiie mein Name, in engeren Kreisen auch bekannt als „Rookbert“. Ich produziere Grime und hab vorher in Deutschland und Nachbarländern Geräusche aus meinem Gesicht zu Geld gemacht.

Beatboxing und Produzieren ist nicht so weit voneinander entfernt. Was war zu erst da und wie bist du dazugekommen? Gab es auch mal Rap-Versuche?

Zuerst war das Beatboxing da. Grund dafür waren lange Fahrstuhlfahrten und so ein Typ, der das währenddessen immer praktiziert hat. Ich habe es dann für mich perfektioniert. Und Rap-Versuche gab es nie. Dafür bin ich eine viel zu große Labertasche und würde niemals auf den Punkt kommen. Es sei denn, es wären so acht bis zehn Minuten-Tracks. Aber ich denke, es ist für alle das Beste, wenn ich nicht auch noch anfange zu rappen.

Der Sound der besagten „Quite Nice“-LP mit Hawk One ist im Vergleich zur „Gunfingers EP“ viel traditionalistischer. Woher kommt deine Affinität für Grime?

Der HawkOne hat mich mal beim Bier gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mal mit Ihm eine Platte zu produzieren. Kurz und schmerzlos haben wir einfach angefangen. Das Ergebnis lässt sich,auch wenn es nicht nach Grime klingt, auf jeden Fall hören, finde ich. Meine Affinität für Grime ist schnell erklärt: Ich habe, seitdem ich Musik höre und mache, schon immer mehr nach UK geschaut – die ganze Palette an Genres durch. Das, was für mich selbst aber am besten funktioniert und am meisten gehört wird seit einigen Jahren, ist Grime. Die Energie und der Vibe ist einfach heftig mein Ding!

Ich denke, es ist für alle das Beste, wenn ich nicht auch noch anfange zu rappen.

Rookiiee

Dein Instagram-Account lässt vermuten, dass du eine Vorliebe für klassische, deutsche Hausmannskost hast. Wenn Grime eine Speise wäre, woraus bestünde sie?

Ist das investigativer Journalismus? Die Frage ist gar nicht mal so einfach zu beantworten die Frage. Hm, ich will jetzt kein Gericht irgendeinem anderen unterordnen. Na gut, dann wäre es wohl ein Schnitzel, mit Gulasch als Beilage/Soße, dazu Semmelknödel und Rotkohl. Als Getränk gibt es ein 8° Grad-Celsius-kühles Bier vom Fass.

Grime hatte es in Deutschland bislang immer eher schwer. Woran liegt das, deiner Meinung nach?

Das kann ich nur vermuten. Wenn ich mein direkteres Umfeld betrachte, wird einfach mehr nach USA und Frankreich geschaut, mit der Begründung: „Ich hasse britisches Englisch“. Wobei das nun langsam irgendwie salonfähig wird,was ich gut finde.

Welche Producer haben dich beeinflusst?

Footsie, Skepta, Splurgeboys, Swifta Beater, SX, Preditah, Toddla T, und und und, …

Auf deinem Instagram-Account hast du ebenfalls eine Hand voll Platten gepostet. Bist du ein klassischer Cratedigger?

Da muss ich dich leider enttäuschen. Samples wirst du bei mir so gut wie nie finden. Die Platten, die auf meinem Account zu finden sind, hat mir mal der liebe Doz9 von Schaufel & Spaten aus seinem Keller spendiert, als ich angefangen habe zu produzieren. Nach einigen Monaten jedoch, habe ich festgestellt, dass samplen nicht so wirklich zu meinem Stil passt. Das war auch in der Zeit, als die Platte mit HawkOne entstanden ist.

Mit welchem Equipment arbeitest du denn?

Das ist recht überschaubar. Ich nutze ein MacBook mit Logic Pro X, einen Arturia-Controller und einige Instrumente von Native Instruments. Ich limitiere mich da sehr bewusst, für mich gilt: „Weniger ist mehr“. Einfach auch, um mich nicht in 3000 TB Sounds zu verlieren.

Du warst als Beatboxer u.a. bei TV Total – kannst du vielleicht eine Anekdote dazu erzählen? Wie war es, dort zu sein?

Lass mich kurz überlegen, … Nach dem sehr angenehmen Flug und Fahrservice dorthin, war meine erste Amtshandlung bei der Frage: „Möchtest du etwas trinken?“, die Antwort: „Jo, Bier!“ Bei der Vorbereitung der Sendung wurde eine Testfahrt mit seinem spacigen, fahrenden Untersatz gemacht. Das hatte den Hintergrund, dass es angeblich mehr Schwung hat, als es aussieht. In meinem jugendlichen Leichtsinn dachte mich: „Wat ist das denn für’n Quatsch?! Dit isn’ 3 km/h schnelles Etwas!“ Die Treppen sind auch gefährlicher, als man denkt. Die sind gefühlt 2,5cm breit. Bei meinem Talent bin ich die beim Test auch nicht wirklich gelaufen, sondern der Reihe nach etwas unelegant herunter-gestolpert.. Zum Glück habe ich das unversehrt überlebt. Als ich es dann endlich in den Sessel geschafft hatte, und das Teil losfuhr, bin ich aber auch noch direkt aus dem Sessel geflogen. Ich hoffe, die Vorstellung davon ist mindestens halb so amüsant, verglichen zu dem, wie es wirklich war.