Dresscode: Rin ist Deutschraps Fashion-Killa #1

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Sorry, Shindy, aber du hast nicht so viel Ahnung von Fashion, wie du denkst. Die 700-Euro-Sweater ohne Aufdruck haben ihren Reiz verloren. Wer Streetstyle, dessen Ästhetik und die Szene dazu wirklich verstanden hat, ist ein Kollege aus deiner Heimatstadt Bietigheim-Bissingen: Rin. Dessen neues Splitvideo zu „Blackout/Dizzee Rascal Type Beat“ ist Fashion-Film und analoger Jugendtraum zugleich.

Vielleicht hängt Shindy genau deswegen zurzeit so viel mit Rin rum und featurte ihn auf seinem Album – weil der Deutschraps einzig wahrer Fashion Killa ist. Er weiß, worum es geht. Analoge Point-&-Shoot-Kameras, teure Streetstyle-Marken, die man zum bestmöglichen Penner-Outfit zusammenstückelt und billiges Bier. Das ist die Szene, in der sich der eine oder andere von uns verirrt hat und mit leerer Geldbörse, aber vollem Instagram-Account versucht, die neuste Gosha-Kollektion zu coppen. Marken ergänzen mühsam zusammen gesammelte Second-Hand-Fetzen. Dass dabei die angebliche Individualität schnell in vollkommener Konformität aufgeht – wir nehmen es so hin. Lieber stellen wir uns die Uhr nach irgendwelchen Releases und machen die Russenhocke zur allgemeinen Wiedererkennungspose. Und irgendwie geht es in einer Subkultur auch um genau das: Dass sich Kids mit der gleichen Ästhetik, dem gleichen Stil und den gleichen Interessen finden. Dieses Streetstyle-Ästhetik-Konstrukt hat Rap und seine Jugend fest im Griff. Rapper mutieren zu Fashion-Idolen und HipHop wird zum Runway. Das hat auch Rin verstanden, und zwar besser als die ganze Konkurrenz im deutschsprachigen Raum. Der lässt deutschen Rap endlich modetauglich werden – und zwar auf international akzeptabler Ebene. Mehr Street als A$AP Rocky, nicht ganz so sad wie Yung Lean, aber genauso überzeugend. Während er mit Boxlogo und North Face in der U-Bahn flext, erzählt er welches Kleidungsstück zu welcher Uhrzeit kauft. Banalitäten – aber so stilsicher vorgetragen, dass wir sie uns in Dauerschleife reinziehen. Dabei ist das Video zu „Blackout/Dizzee Rascal Type Beat“ mehr Low-Fi-Fashion-Überdosis, als so manche Supreme-Werbung. Also s/o an Rin, dass er sowohl Tumblr-Kids und Fuccbois, als auch Streetstyle-Fetischisten mit adäquatem Fashion-Rap auf Deutsch versorgt.