Review Round #8 [Prinz Pi x Cro x DJ Adlib]

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Prinz Pi – Hallo Musik

„Tschüss Deutscher Rap – Hallo Musik“. Als Friedrich Kautz seine Hörer mit diesen Worten aus seinem letzten Album entließ, meinte er dies natürlich nicht wörtlich. Schließlich gehörte zur musikalischen Identität des Prinz Pi schon immer die bewusste Abgrenzung von einer Szene, die dem Berliner stets zu stumpf textete. Weniger Monate nachdem er sich mit „Rebell ohne Grund“ und der „Achse des Schönen“ an die vorderste Front der so oft beschworenen neuen Rap-Realität gesetzt hat, folgt jetzt das akustische Best Of „Hallo Musik“. Wer bei der Verbindung von HipHop und akustischen Gitarren Schlimmes ahnt, darf sich entspannt zurücklehnen. Die musikalische Umsetzung alter Songs in ein neues Gewand funktioniert. Insbesondere ruhige Schmuckstücke weniger beachteter Veröffentlichungen aus dem Oeuvre des Prinzen wie „Trümmer“, „Mädchen vom Werbeplakat“ und „Fluch der Besten“ funkeln in den reduzierten Darbietungen noch heller. Hätte sich Pi auf der gesamten Länge auf eine latent melancholische Sammlung aus Porno-typischer Gesellschaftskritik und Songs über die komplizierte Beziehung zum schönen Geschlecht konzentriert, wäre „Hallo Musik“ die perfekte Untermalung für Kaminabende und ähnlich mondäne Beschäftigungen. Bei den Aufnahmen von „Generation Porno“ und „Der neue iGod“ wird Pi verständlicherweise die Live-Darbietung des Albums im Kopf gehabt haben. Auf Platte stören diese Songs leider den Hörfluss. Am Ende steht trotzdem eine spannende Werkschau eines konstant guten Rappers und eine Feststellung: An Prinz Pi führt auch in der kommenden Spielzeit kein Weg vorbei.

Text: Sascha Ehlert

Cro – Easy EP
Das ist er also, der neue Stern am Deutschraphimmel. Cro hat nicht nur im Internet einigen Wirbel mit seinem chilligen Sound gemacht, auch ins TV hat er es schon geschafft. Und das zurecht: der Titelsong der zehn Anspielstationen umfassenden EP ist ein astreiner Hit, der leider in der falschen Jahreszeit releast wurde. Die restlichen Songs von „Easy“ sind hingegen leider eher seichte, mitunter fade Kost und werden dem Hype nicht gerecht. Die technisch anspruchsvolle und melodische Art zu Rappen erinnert genau wie die Instrumentals nicht nur einmal an Gevatter Mac Miller aus den Staaten. Das ist ja erstmal nicht verkehrt, Singsang-Rap kommt bekanntlich nicht nur bei Rapfans gut an (das wusste auch schon Kid Cudi). Allerdings bleibt zu wünschen, dass er für sein Album noch etwas stringenter an Beatqualität und Texten arbeitet. Dann dürfte der verdiente Erfolg auch im Winter nicht auf sich warten lassen.

Text: Axel Genz

DJ Adlib – Haus & Garten (Hi-Hat Club Vol. 6)
Wir hatten Jazz, wir hatten Westcoast-Stampfer aus Kaisermühlen, wir hatten eine mehr als ordentlichen Suff und trotzdem gab es bisher keinen Totalausfall. Im Gegenteil: das Niveau der Hi-Hat Club Serie ist verdammt hoch und lotete mit jedem weiteren Beitrag die Grenzen kontemporärer Sample-Musik neu aus. Mit DJ Adlib schmeißt das Melting Pot Label nun den sechsten Teil der gefeierten Hi-Hat Club Serie auf den Markt. Stellt sich die Frage, wo wir DJ Adlib einordnen können und vor allem wie der sympathische Kölner abschneidet. Zunächst: „H&G“ ist natürlich anders als die Vorgänger. Zum offensichtlichen Part: Es finden sich zum ersten Mal auch Rap-Features auf  einigen Tracks. Zum Sound: den Hörer erwartet klanglich ein bunt durchmischter Sound, der wie eine Zusammenfassung der bisherigen Hi-Hat Clubs klingt. Sprich: soulige Einflüsse, flotte Drums, warme Bässe und auch gerne mal ein paar dreckige Elektro-Sounds. Das ist nicht wirklich weltbewegend und auch die Rapparts sind keine Offenbarung (auch wenn jeder Verse von Planet Asia mein Herz höher schlagen lässt); dennoch legt DJ Adlib ein wunderbar unverkrampftes und entspanntes Album in bewährter Hi-Hat Club Qualität vor. Für mich ist sein Beitrag dennoch der schlechteste Teil der Serie. Was aber nicht bedeutet, dass wir es mit einer schlechten LP zu tun haben. Im Gegenteil. Nur die anderen Teile waren halt alle so verdammt gut.

Text: Axel Genz