Retrogott bleibt „Hardcore“ auf bisher unveröffentlichter LP // News

Wenn der Retro-G-O-Doppel-T spricht, sollte man zuhören. Und wenn er uns ein ganzes wiedergefundendes Album schenkt, sollte man sich nicht wehren und es schnellstmöglich runterladen.

Nachdem 2008 Retrogott und Hulk Hodn als Huss & Hodn ihr Album „Jetzt schämst du dich!“ veröffentlichten, galten sie vielen deutschen Rap-Heads als neue Untergrundhoffnung. Die simplen und gleichzeitig funkigen Battleraps überzeugten, Der Konflikt zwischen Realness und Wackness wurde plötzlich wieder zentrales Thema der deutschen Szene-Debatten. Wer aber denkt, dass er auf einem bisher unveröffentlichten Retrogott-Album namens „Hardcore“, dessen Lieder in den Jahren 2009 bis 2013 enstanden, solche Realkeeper-Hymnen mit absichtlich unkorrekten Texten findet, liegt eher falsch.

Während sich nämlich in den Jahren nach dem Release der Debüt-LP der Boom Bap-Battlerap-Hype immer weiter ausbreitete, entwickelte sich der Retrogott gedanklich und musikalisch weiter: Homophobie und Ableismus sparte er sich immer häufiger, die Themenwahl wurde zu großen Teilen weniger szenebezogen, die Texte wurden damit einfach komplexer und auch relevanter. Das Ergebnis dieser Entwicklung konnte man schon auf dem 2013er-Release „Fresh und Umbenannt“ erahnen, schließlich auf den Alben „Auf ein Neues“ (mit Hazenberg und Hulk Hodn), „Timing und Effekte“ (mit Twit One) und „Sezession“ (mit Hulk Hodn) in voller Größe genießen.

Was das am Dienstag überraschend zum Free Download veröffentlichte Album „Hardcore“ bietet, ist ein Einblick in diesen Wandel, in gewisser Weise eine Rohversion dessen, zu was sich Kurt Hustle bisher entwickeln konnte. Gemastert wurde von Romeo Jesus, ob die Beats auch von Anderen als Retrodios himself stammen, wissen wir nicht genau. Guten Genuss!