Rest in Purple – 7 Rap-Songs mit Samples von Prince

Der überraschende Tod von Prince hat die Musik-Welt gestern in Schockstarre erben lassen. Mit dem Ableben des anderen King Of Pop ist nicht bloß einer der letzten generationsübergreifenden Weltstars von uns gegangen, sondern vor allem auch ein musikalischer Rebell. Symbol, TAFKAP oder O(+> – schon seine Pseudonym-Wahl zeigte, dass Prince ein Exzentriker war, der sich weder von der Musikindustrie, noch von Marktforschungen verbiegen lies. Sein stets explizites Songwriting über Sex, Geschlechterrollen und familiäre Tragödien, seine chamäleonartige Musikalität zwischen weltschmerzlichem Liebestaumel, enthusiastischen Balztanz und das unnachahmliche Falsett haben Leute wie Andre3000, Cee-Lo Green, Pharrell, The Weekend, Kanye West, Lil Wayne und eigentlich jeden HipHop-Musiker in irgendeiner Form beeinflusst. Wir haben anlässlich des Todes von Prince sieben HipHop-Songs herausgesucht, die sich dem musikalischen Vermächtnis von Prince Roger Nelson angenommen haben. Rest in Purple.

01

Jay Z & Beyonce – ’03 Bonnie & Clyde (Sample: If I Was Your Girlfriend)

Erstaunlicherweise ist „’03 Bonnie & Clyde“ aus 2003 tatsächlich die erste Kollabo des HipHop-Präsidentenpärchens gewesen und laut verschiedenen Quellen gar die Intitalzündung für ihre Beziehung, beinahe schon obligatorisch sich da thematisch bei dem legendären Gangsterduo zu bedienen. Der Thug und sein Ride-O-Die-Chick auf einem senhsüchtigen Mariachi-Groove, der sich notationell wie textlich nicht nur auf 2Pacs „Me & My Girlfriend“, sondern vor allem auch auf Princes „If I Was Your Girlfriend“ bezieht. Neben Jigga und B haben unter anderem auch Mobb Deep und Scarface sich an Versätzen dieser legendären Klage über das Leidwesen der Friendzone aus dem Jahr 1987 bedient.


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02

Lil B – 8 Long (Sample: Little Red Corvette)

Der reduzierte Leadsynth, ein stampfender Drum Maschine-Beat, eine langatmige Cyber-Funk-Atmosphäre und natürlich das Thema One Night Stands metaphorisiert durch luxuriöse Sportwagen – mehr Rap kann man eigentlich gar nicht in einem Song vereinen als es „Little Red Corvette“ tat. Eigentlich hatte Prince beim Schreiben aber gar keinen roten Chevrolet im Sinn, sondern einen pinken (!) Edsel. Das hätte vermutlich auch dem Based God gefallen, der sich 2003 – ähnlich wie zuvor auch Bone Thugs-N-Harmony – dieser runtergepitchten Synthie-Schmonzette annahm, um 2010 ein paar WWWeisheiten zu formulieren.

03

MC Hammer – Pary (Sample: When Doves Cry)

Weil sich hier vermutlich niemand mehr an das wunderschöne 1990 erinnern kann, hier ein kleiner Flashback: Anfang des Jahres erschien sein Überhit „U Can’t Touch This“, in der Folge tanzten auch im wiedervereinigten Weltmeister-Deutschland alle Kids auf jeder Schulparty wie MC Hammer – und gingen der Handvoll „realer“ HipHop-Heads damit gehörig auf den Sack. Denn dank seiner braven Dulli-Texte, den extra für das nervige Shuffle-Getanze designten Hosen und dem unverschämt unkreativen Sampling galt MC Hammer (zusammen mit Vanilla Ice) als der Gipfel der Sellout-Wackness. Und „Pray“ setzte noch einen obendrauf: Religionsunterricht-Rap, wieder dieses Getanze und dazu diese dreiste Sample – Princes „When The Doves Cry“ war erst sechs Jahre zuvor ein Nr.-1-Song in den USA gewesen. Aber ey, funktioniert immer noch. #stop #hammertime

04

Digital Underground – Doowutchyalike (Sample: Sexuality)

Genau, Digital Underground ist die Oaklander Rap-Crew, bei der 2Pac seine ersten (Tanz-)Schritte machte. Und bevor die anno 1990 mit „The Humpty Dance“ ihren Comedy-Funk-Style etablierten, vergriffen sie sich zunächst an „Sexuality“ von Prince: „Doowutchyalike“ verwendet zwar ein (gut verstecktes) Sample aus der leicht weirden, aber sehr idealistischen Fortpflanzungs-/Revolutions-Hymne von Prince, bleibt aber ein recht harmloser Party-Track. Mach dich locker, nimm dir einen Cracker.

05

Das Racist – Shut Up, Dude (Sample: Housequake)

Ebenfalls vom vielleicht besten Prince-Album „Sign O‘ The Times“ stammt „Housequake„, dessen rohes Drum-Arrangement für Das Racists „Shut Up, Dude“ die Grundlage lieferte. Auch wenn ansonsten das advangradistische Synthie-Instrumental der New Yorker nur wenig mit dem klassischen Funk-Tune aus der Feder von TAFKAP zu tun hat. Bei den Arbeiten zu „Sign O‘ The Times“ experimentierte O(+> übrigens auch offensiv mit Geschlechterrollen, erdachte das Songwriter-Pseudonym Camille und nahm seine Vocals auf verlangsamte Versionen der Instrumentals auf, um sie später wieder auf die Ursprungsgeschwindigkeit zu pitchen – eine Technik, die später auch Madlib und natürlich Marsimoto weiterentwickelt haben.

06

KRS-One – R.E.A.L.I.T.Y.v (Sample: Papa)

Aus schwerer Kost mach schwere Kost: Während Prince auf dem verstörenden „Papa“ davon berichtete, wie er von seinem Vater geschlagen wurde („Don’t abuse children, or else they turn out like me“), nahm KRS-One den nervös-hypnotischen Loop 1995 als Grundlage, um seine Jugend im Ghetto zu erläutern („I wake up wondering who died last night“). Fazit, das wir hier mal ziehen: Life as a shorty shouldn’t be so rough. Und das Sample ist bombe.

07

Eminem – Bagpipes From Bagdad (Sample: I Feel Or You)

Das hier ist nur gewissermaßen ein Prince-Sample, denn eigentlich hat Eminem bei „Bagpipes From Bagdad“ vom 2009er Album „Relapse“ nur das getriggerte „Chaka Kahn“ des Chaka Kahn-Songs „I Feel For You“ verhackstückt. Der 84er‘ Disco/R&B-Hit featurete neben Grandmaster Flash auch Steveie Wonder an der Mundharmonika und ist tatsächlich von Prince bereits während der Aufnahmen zu seinem Albumdebüt „Prince“ 1979 verfasst worden. Musiksterber-Alert!


08

DJ Quik – Safe & Sound (Sample: I Wanne Be Your Lover)

Als Mitbegründer des Minneapolis Sound ist Prince auch ein sehr wichtiger Einfluss für die synthetischen und basslastigen Produktionsstile der US-Westküste – kochentrockene Drums, saftige Gitarrenlicks und eine morphende Bassline lieferten quasi den Urschleim des G-Funk der 90er. Standesgemäß ist Quik damit auch begeisterter Prince-Fan, für die Kollegen von Wax Poetics hat Quik sogar eine Spotify-Playlist erstellt mit den Lieblingssongs seiner Kindheit. Rest in Purple.