Red-Bull-Doku über Hafti: „Der Haftbefehl von Haftbefehl“

Eine Binsenweisheit: Das Leben ist geprägt von Entscheidungen, es gibt immer Gewinner und Verlierer. Die Biografie von Haftbefehl sah anfangs nicht nach der eines Siegertyps aus: Schulabbruch, Kriminalität, Strafverfahren, Flucht. Der 22-minütige Dokumentarfilm „Der Haftbefehl von Haftbefehl“ zeichnet die Geschichte von Aykut Anhan nach, trifft mit ihm Weggefährten an Originalschauplätzen und gewährt erstmals einen intimen Einblick in den spektakulären Aufstieg des derzeit einflussreichsten deutschen Rappers. Chabos wissen, wie er Babo wurde.

„Und dann kam die Straße/Und die Feinde mit dem Para/Hast du auch schwarze Haare?/Welcome to Alemania.“ Das frühere Leben von Haftbefehl als turbulent zu bezeichnen, wäre noch untertrieben. Als er 14 Jahre alt ist, begeht sein Vater Selbstmord. Kurz darauf beschließt Aykut Anhan, von der Schule abzugehen, um für seine Familie zu sorgen. Die hinterlassenen Schulden seines Vaters und die Verantwortung als „Mann im Haus“ treiben ihn zum Äußersten, bald ist Aykut umgeben von Drogen und Kriminalität. Doch das schnelle Geld wirft lange Schatten, Jugendarrest und Strafverfahren bringen Aykut zu einer prägenden Entscheidung: Um den gnadenlosen Mühlen der deutschen Justiz zu entgehen, flieht Haftbefehl für drei Jahre zu Verwandten nach Istanbul. Weg aus Offenbach, aus Deutschland, aus dem gewohnten Umfeld, das zu viele Verlockungen birgt. In der türkischen Hafenstadt beginnt er sich neu zu strukturieren, wagt erste musikalische Gehversuche und trifft letztlich den schweren Entschluss, sich den deutschen Behörden zu stellen.

Nach Aufenthalten in Amsterdam und Arnheim geht der Babo zurück nach Offenbach und beginnt unter den strengen Auflagen für seinen Aufenthalt eine Ausbildung, die er allerdings schnell wieder abbricht. Der gerade Weg scheint nicht kompatibel mit Aykuts Erwartungen an das Leben – so konnte es nicht weitergehen. Haftbefehl beginnt nebenher zu rappen. Eines Tages meldet sich ein gewisser Jonesmann bei ihm, Ende 2010 bekommt er dann einen Anruf von Sido und so langsam kristallisiert sich heraus, welche Aufgabe das Schicksal für den Offenbacher vorgesehen hat …