Ray BLK: „Musik ist etwas, für das ich hart arbeiten musste“ // Interview

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Ray BLK ist eine der spannendsten neuen Talente aus dem Vereinigten Königreich. Spätestens seit dem Stormzy-Feature „My Hood“, das mittlerweile über eine Million YouTube-Klicks hat, ist die nigerianisch-britische Künstlerin auch kein Geheimtip mehr. Zurecht, denn mit ihren rauen aber doch so sinnlichen Vocals balanciert sie zwischen schmeichelhaftem R&B und kantigen, dreckigen London-Vibes. Im Oktober vergangenen Jahres releaste sie mit „Durt“ ihre erste EP und ja, es ist ein wahrgewordener Musik-Traum. Da fällt es uns nicht schwer ihren US-infizierten 90s-R&B in voller Lautstärke in die weite Welt hinauszutragen. Auf dem splash! 20 hat sich unsere Autorin Nina Nagele mit Ray BLK über Geduld, South London und die Bedeutung von BLK unterhalten.

Foto: Nina Francesca Nagele

Foto: Nina Francesca Nagele

Viele unsere Leser, werden dich wahrscheinlich noch nicht so gut kennen. Kannst du uns deshalb am Anfang erzählen, wie du zur Musik gekommen bist und wann du angefangen hast, Musik zu machen?

Ich schreibe meine eigenen Songs seit ich neun bin. Ganz offensichtlich war ich nicht gut, ich war ja auch erst neun (lacht). Aber ja, ich hatte eben Bock. Mit zehn oder elf war ich das erste mal im Studio. Da entschied ich dann, dass Musik etwas ist, das ich weiterhin verfolgen will. Also machte ich das – als Teenager war ich in einer Band und habe nach der Schule Songs aufgenommen. Und ja, bis heute hat sich an dem Musikmachen eigentlich nichts geändert.

Du schreibst deine eigenen Songs und bist auch bei den Videodrehs sehr stark involviert – produzierst du denn auch selbst?

Nein, leider nicht. Ich wünschte ich könnte produzieren. Einer meiner Freunde versucht es mir gerade beizubringen, aber ich hab leider viel zu wenig Zeit um mich richtig damit zu beschäftigen. Aber Produzieren ist auf jeden Fall was, das ich noch lernen möchte.

Hast du denn dann ein paar Producer, mit denen du an deinen Songs arbeitest?

Nein, eher nicht. Ich versuche mit so vielen unterschiedlichen Leuten zu arbeiten, wie möglich. Einfach nur weil ich sehen will, was andere Menschen aus mir rausholen können. Ich versuche also nicht nur mit meinem gewohnten Umfeld zu arbeiten.

Zu deinem Namen: BLK ist die Abkürzung für Building Living Knowing. Was hat das für eine Bedeutung und wie bist du zu dem Namen gekommen?

Ich wollte einen Namen, der etwas bedeutet und eine gewisse Message transportiert. Building, Living, Knowing sind drei Eigenschaften, die ich versuche zu transportieren, da die drei Punkte auch für mich selbst verdammt wichtig sind. Building, weil ich versuche mir ein Fundament aufzubauen, um meine Ziele erreichen zu können. Living, weil ich versuche immer in vollsten Zügen zu Leben – Sachen auszuprobieren, zu erforschen und abenteuerlich zu sein. Und Knowing, weil ich finde, dass Bildung ausgesprochen wichtig ist und zwar dein ganzes Leben lang. Man sollt also nie aufhören zu lernen, egal wie alt oder jung man ist.

Und wie fließen diese Eigenschaften in deine Musik ein? Was für eine Rolle spielen sie?

Meine Musik vermittelt diese drei Dinge sehr stark. Mir geht es ganz klar darum, Spaß zu haben und zu leben, aber gleichzeitig sind meine Songs auch ziemlich lehrreich. Ich versuche immer eine Botschaft zu transportieren und den Hörern etwas mitzugeben. Der Building-Teil wird durch mich selbst vermittelt – wer ich bin und wie hart ich für meine Musik arbeite.

Dein Song „My Hood“ ist wahrscheinlich dein bekanntester Track. Er ist eine bittersüße Liebeserklärung an deine Heimat Catford in London. Kannst du uns ein bisschen was darüber erzählen, wie Catford so ist?

Catford ist ein sehr kleiner Ort in South-East-London. Wir haben eine sehr überschaubare aber unglaublich enge Community dort. Ich schrieb den Song, kurz nachdem ich von meinen Nachbarn ausgeraubt wurde. Ich war kurz wirklich schockiert, wie krass es ist, dass ich in einem Ort wohne, indem man von seinen eigenen Nachbarn ausgeraubt wird. Aber Catford ist eben ein sehr raues Pflaster – es gibt eine Menge Armut dort, aber es gibt dort auch eine unglaublich starke Energie und viele Leute, die sehr hart arbeiten. Es hat mich zu der Person gemacht, die ich heute bin – es hat mich sehr stark gemacht.

Catford, oder auch South London im Allgemeinen hat eine blühende Underground-Szene. Wieso glaubst du, ist das so?

Ja, das stimmt. Musik war einfach schon immer Teil unserer Kultur in South London. Als ich noch in der Schule war, hat man am Pausenhof Musik gemacht und jeder wollt in einer Crew sein – Musik war also schon seit Kindheit immer ein Teil v0n uns. Außerdem gibt es sonst nicht viel, das man machen kann. Man muss also irgendwas finden, mit dem man sich beschäftigen kann. Und viele Menschen finden dann eben Musik.

Wie kam es denn zu dem Stormzy-Feature auf „My Hood“?

Ich habe Stormzy vor drei oder vier Jahren auf einer lokalen Talent Show getroffen. Meine beste Freundin kannte ihn und hat mich ihm vorgestellt. Seit dem sind wir eigentlich Freunde. Das Feature entstand also ganz natürlich.

Das ist South London-Culture – wir lassen uns eben nichts gefallen.

Ray BLK

In einem anderen Interview hast du gesagt: „The biggest issue that people I know or people where I’m from face has been finding opportunities to make something of themselves.“ In diesem Sinne: Was war denn deine Chance und wie hast du sie genutzt?

Ganz ehrlich, ich glaube mir wurde nie eine wirkliche Gelegenheit geboten. Musik war viel mehr etwas, für das ich hart arbeiten musste – es war ein Traum, den ich verfolgt habe. Ich glaube Menschen aus meiner Umgebung müssen zwei oder dreimal so hart für Erfolg arbeiten, als so manch andere. In der Musikindustrie läuft es oft so, dass man irgendjemanden kennt oder, dass deine Eltern vielleicht sogar selber im Musikbusiness arbeiten. Ich musste den Underground-Weg gehen. Also Songs online stellen, schauen ob es den Leuten gefällt, sehr sehr kleine Shows spielen und mir so einen Namen machen. Aber ich glaube, ich gehe deshalb auch ein bisschen anders ans Musikmachen heran. Ich habe eine wirklich starke Leidenschaft und ich bin sehr hungrig – ich wollte immer schon das Beste daraus machen. Ich bin sehr fokussiert auf meine Musik – Leute die eher darüber stolpern, gehen vielleicht nicht so ernsthaft damit um.

Deine Musik klingt teilweise sehr amerikanisch. Woran liegt das?

Ich glaube das liegt einfach an den unterschiedlichen Interpreten, die ich höre – ich bin stark beeinflusst von Musik aus Amerika, genau so aber auch von britischen Künstlern. Ich liebe zum Beispiel Lauryn Hill, aber auch Amy Winehouse und Lilly Allen, die ja Britinnen sind. Ich glaube meine Liebe für diese beiden Musikrichtungen wuchs zusammen und ich bin zu einem Hybrid aus den verschiedenen Sounds geworden, die ich selbst höre.

Im Oktober letzten Jahres hast du mit „Durt“ deine erste EP veröffentlicht. Wie war es, daran zu arbeiten? Gab es denn besonderen Druck, da es dein erstes Werk war?

Nein, gar nicht. Ich glaube es war etwas, das ich einfach aus Spaß gemacht habe. Es war etwas, das ich aus Freude zur Musik gemacht habe – wir hatten so oder so ein paar Sessions, haben Songs recorded und ich dachte dann eben: „Ok cool, lass etwas daraus machen.“ Ich verspürte also gar keinen Druck, es fühlte sich auch nicht so an, als würde irgendjemand darauf warten.

Du erwähnst in deinen Songs und Interviews immer wieder, dass Geduld eine sehr wichtige Eigenschaft ist. Was bedeutet Geduld für deine Musik?

Ja, Geduld ist sehr wichtig für mich. Ich lasse mir Zeit mit meiner Musik. Immer wenn ich irgendwelche Recordingsessions habe, versuche ich nicht zu sehr auf das Ziel fokussiert zu sein – man muss nicht immer sofort einen fertigen Song haben. Man kann mit etwas kleinem anfangen und es dann mit der Zeit weiterentwickeln. Aber auch ich muss noch lernen, geduldig zu sein. Manchmal denke ich, meine Tracks sind fertig, aber im Endeffekt arbeite ich dann noch vier Monate daran. Also, ich nehme mir wirklich viel Zeit für meine Musik.

Zum Abschluss noch eine Zitat aus einem anderen Interview: „There’s a lot of bullying – but there’s also a culture of knowing how to defend yourself.“ Wie hast du gelernt dich zu verteidigen? Und wie hilft dir das deinen Platz in der Musikindustrie zu finden?

Ich glaube, einfach indem ich ich selbst bin. Das ist South London-Culture – wir lassen uns nichts gefallen. Man muss sich einfach eine dicke Haut wachsen lassen und immer bereit sein, sich zu verteidigen. So wurden wir erzogen, so sind wir und so ist es auch in der Musikindustrie: ich habe lasse Negatives nicht zu nah an mich ran. Meine Persönlichkeit und all meine Erfahrungen, die ich gemacht habe, haben mich mit der Zeit viel stärker gemacht – ich lasse mich nicht wirklich negativ von außen beeinflussen. Ich bin ein Optimist, ich versuche also immer positiv zu denken und mein Ding einfach durchzuziehen.