Vom Schornstein zur Skyline: die 10 besten Rap-Weihnachtslieder

Alle Jahre wieder… erscheinen pünktlich zu Heiligabend Weihnachtslieder-Playlists. Doch Qualität ist wichtiger als Quantität und wir fühlen uns deshalb dazu berufen, euch dieses Jahr mit der Crème de la Crème aller Holy-Night-Listen zu beschenken. Den ersten Advent haben wir alle gesund und munter überstanden und was gibt es Schöneres, als sich mit feinstem Rap sein unterkühltes Herz mit heißen Punchlines erwärmen zu lassen? Ob aus Amerika oder Deutschland: Zieht euch die besten Rap-Weihnachtslieder (in ungeordneter Reihenfolge) rein- Oh happy days!

01

Kanye West feat. Musiq Soulchild, Vado, Jim Jones, Cam’ron, Teyana Taylor, CyHi The Prynce & Pusha T – „Christmas In Harlem“

Bei all den Rants, unglücklich gewählten Alter Egos und Klatschpressen-Content vergisst man manchmal, dass Kanye einer der besten Musiker ist, die die letzten Dekaden hervorgebracht haben. Standesgemäß hat sich Mr West 2010 im Rahmen der legendären G.O.O.D.-Fridays dann natürlich auch mal an einem Weihnachstsong probiert. Das kitschige Konsumkleinod „Christmas In Harlem“ flippt nicht nur gleich zwei Marvin-Gaye-Songs über den alten „Papa-Was-Too“-Break, sondern rockt auch noch ein festliches Staraufgebot von Cam’ron bis Pusha T. „The streets lit up, it feel like Christmas officially/Told her that “You the star at the top of my Christmas tree”/ My only question is, “Where my presents?” – She said, “Shhh,” she got a gift for me that ain’t for the kids to see“, wie Kanye selbst beteuert. Also ein Song, der – und so viel Phrase sei erlaubt – keine Wünsche unter dem Weihnachtsbaum lässt


02

Morlockk Dilemma – Rohes Fest

Jeder von uns kennt mindestens eine Person, die an Weihnachten zum Grinch mutiert und uns ellenlange Vorträge darüber hält, wie verlogen und konsumgeil die Weihnachtstage sind. Eventuell seid ihr das auch einfach selbst. Die Misanthropen unserer Gesellschaft erinnern wir an den 2010’er Freetrack von Morlock Dilemma: „Es ist das Fest des falschen Lachens und der harmonischen Lüge, tote Kaninchen in Soße und rote Sofabezüge“.

03

Run The Jewels – A Christmas Fucking Miracle

Killer Mike und El-P sind vermutlich die zwei coolsten Rap-Rentner-turned-Lieblingsband, die die 1990er jemals verlassen haben. Die Single-Auskopplung ihres mittlerweile drei Jahre alten Albumdebüts „Run The Jewels“ ist ein brachialer Beton-Bombast, der sich bester Ebenezer-Scrooge-Sicht der Dinge widmet: es geht um Verlust, Wut und Sell-Out. Im selbstironischen Setting übetriebener Weihnachtsdekoration de-konstruieren RTJ nicht nur den Mythos um Underground-Romantik und Kulturverbundenheit – sondern kommunizieren auch noch ganz beiläufig durchaus angebrachte Kritik am durch-kommerzialisierten Fest der Liebe.

04

Die Fantastischen Vier – Frohes Fest

Einer der ersten Deutschrap-Weihnachtssongs kommt von den Fantastischen Vier, welcher 1993 (vor allem wegen der 2-Live-Crew-Hommage „Eins und Eins“ auf der B-Seite) von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert wurde. Dadurch bekam das Ding einen erheblichen Kultstatus und ging weg wie heiße Maronen auf dem Wintermarkt. In dem Song geht es um sozial-benachteiligte Menschen, deren Weihnachtsfest von negativen Erlebnissen geprägt ist. Heutzutage bewegt man sich hier zwar textlich auf einem Schock-Level wie Socken von Mutti geschenkt zu bekommen, aber „Frohes fest“ verdient trotzdem aus nostalgischen Gründen seinen Platz in dieser Liste.

05

Jim Jones feat. Stack Bundles & J.R.Writer – Ballin‘ On Xmas

Eigentlich ist Weihnachten die perfekte Zeit für Dipset: Übertrieben kitschige Leuchtreklame, jahreszeitlich-bedingte Pelz-Kleidung und jede Menge Sweets für deine Sweety. Auch Stack Bundles eröffnet die Feierlichkeiten über dem „Christmas in Hollis“-Instrumental von Run D.M.C. mit den Worten: „I love Christmas – I can just imagine the white/The trees, the candy canes/The holidays remind me of the game“. Es folgen „Ho,Ho,Ho“-Kalauer, Jingle-Bells-Hi-Hats und Rentier-Flyness. Man merke: „Dipset“ reimt sich auf „Christmas“.

06

Money Boy – Yolohafte Swagnachten

Wer sich an Weihnachten weder mit Sozialkritik, noch mit kitschigen Liebesfloskeln auseinandersetzen möchte, der kann sich ruhigen Gewissens „Yolohafte Swagnachten“ von Money Boy reinfahren. In gewohnter Manier geht es in der MBeezy-Version des Weihnachtsfestes um Bitches, Alkohol und Designer-Marken. Der Boy berappt außerdem Sizzurp im Glühwein und Codein im Kinderpunsch. Zwischendurch stöhnt immer mal wieder eine Frau. Was soll man sagen? Perfekter Sound, um ihn am Esstisch mit der Familie laufen zu lassen.

07

Snoop Doggy Dogg feat. Nate Dogg, Daz Dillinger, Bad Azz & Tray Deee – Santa Claus Goes Straight To The Ghetto

„It’s 12.30 AM, Christmas Eve/I’m out with the gangstas and thieves/Celebratin‘, postin‘ up with eggnog“, tja auch am heiligen Abend darf die Jagd nach Hak, Mula und potenziellen Sexpartnern nicht aufgegeben werden. Doch immerhin gönnt sich sogar Daz Dillinger in der besinnlichen Zeit zum Hustle auf der Straßenecke auch mal ein Tässchen Eierpunsch. Ein festlicher Curtis-Mayfield-Flip, eine perfekte Santa-Claus-Immitation seitens von Snoop und eine unfickbare Nate-Dogg-Hook später, verwandelt sich dann auch jeder Schlitten zwischen Kleinmachnow und Kalifornien in einen Cadillac auf der Road to the riches.

08

Kollegah – Bosshafte Weihnachten

Auf der X-Mas-Edition vom „Hoodtape Vol.1“ , welches 2010 erschien, findet sich „Bosshafte Weihnachten“. Eigentlich ein typisches Kollegah-Werk, in dem eine spitzbübische Punchline die Nächste jagt. Allerdings eben in Weihnachts-Deko gehüllt: Die Vergleiche sind so bemüht weihnachtlich, dass es einem warm ums Herz und schlecht zugleich wird – wie nach einem viel zu großen Schluck Amaretto. Trotzdem ist es zauberhaft, so wie der dazugehörige Glockenbeat mit in den Himmel gepitchtem „Engels“-Gesang.

09

Ying Yang Twins – Deck Da Club

Seien wir mal ehrlich: Shoppingstress, krampfige Weihnachtsfeiern mit den Bürokollegen, unausstehlich überfüllte Weihnachtsmärkte – es gibt kaum eine Zeit im Jahr, die so viel Wackness in kurzer Zeit ballt, wie die Wochen zwischen dem ersten und vierten Advent. Doch die Ying Yang Twins wussten nicht nur beim „Whisper Song“, dass es im Leben nur um den Turn-Up geht. Denn die Crunk-Veteranen releasten 2008 mit der „The Ying And The Yang Of The Holidays“-EP sogar einen kompletten Adventskranz an Festtagstunes zum Aufdrehen und Abgehen. Neben der Frage, ob Crunk heut nicht doch als Großvater-Trap durchgeht, stehen die fünf Songs übrigens auch auf der Liste der heißesten Kandidaten für die schrecklichsten Weihnachtslieder aller Zeiten. Frohes Fest!

10

King Orgasmus One – ich und meine Weihnachtsatzen

Auf „Weihnachten im Untergrund 2“ lieferte Orgi 2012 den Hit „Ich und meine Weihnachtsatzen“. Der Gute hat sichtlich Spaß an Weihnachten und zelebriert Heiligabend auf seine ganz eigene Art: Mit heißen Mädels, einer standesgemäßen Bong und literweise Alkohol. Orgi bleibt eben hart und das sogar als Weihnachtsmann verkleidet.