R.I.P. Odem – Berliner Graffiti-Legende verstorben

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Ein Raunen ging heute durch die Social-Media-Kanäle der Berliner Old School. Der legendäre Graffiti-Writer Odem ist heute unter bisher unerklärten Umständen verstorben.

„Keiner wusste so richtig, wie er damit umgehen sollte. Da war plötzlich einfach einer weg. Gestern war er noch da, hatte seine Späßchen gemacht, man hatte mit ihm gequatscht. Und jetzt war er tot. Jeder wusste, dass es ihn genauso gut hätte erwischen können. Mann, Scheiße, das Ding, das wir da machten, das war Spaß und Action. Dafür lebten wir. Für nichts anderes.“ Schon im ersten Kapitel seines ikonischen Buches „Odem: On The Run – eine Jugend in der Graffiti-Szene“ setzte sich Odem mit der einzigen Gewissheit auseinander, die auch das Leben als Writer birgt: den Tod. Für nicht wenige deutsche Graffiti-Künstler gilt seine Autobiografie aus dem Jahr 1997 als eine Bibel, die der Spiegel seinerzeit als Protokoll eines „abenteuerlichen Auf- und Abstiegs in der Berliner Graffiti-Szene – ein Leben zwischen Kunst und Knast, Clique und Polizei“ beschrieb. In einem Interview von 1997 äußert sich Odem noch einmal persönlich zu seinen Beweggründen, das Buch zu verfassen.

Auch sein ikonischer Beitrag im Buch „SprayCity – Graffiti in Berlin“, ein Graffiti-ABC aus dem Jahr 1994, schlug hohe Wellen und gilt heute als Lehrstunde des Berliner Style-Writings. Als Teil der SOS-Crew ist Odem eine der wichtigsten Figuren des europäischen Graffiti der 1980er und 1990er Jahre gewesen – Berliner Wände sähen ohne ihn anders aus.

Ein kleiner Funfact: Neben seinem Alter-Ego Odem, malte der Sohn kroatischer Einwanderer aus Berlin-Charlottenburg auch „SOR“, das aufgrund unzureichender Englisch-Kenntnisse für „Se Optical Revolution“ statt „The Optical Revolution“ stand. Weitere Bilder von Odem findet ihr bei den Kollegen von ilovegraffiti.de und auf Instagram.

Wir trauern um den Stylemaster. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und seinen Freunden. Rest in Peace.