Mural Art: Wer hat die Gesichter in Ferropolis gemalt?

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Der Tagebau Golpa Nord dürfte den wenigsten Deutschrap-Nasen dieser Tage ein Begriff sein – mit Kohlewerken hat der gemeine Hobbyrapper ungefähr so viel am Hut, wie das Ruhrgebiet mit der Erfindung der Currywurst. Doch das Betriebsgelände des Braunkohlekombinats Bitterfeld, das immerhin von 1957 bis 1991 zahlreiche Kraftwerke der Region mit Rohstoffen versorgte, lag und liegt in: Ferropolis, der Stadt aus Eisen.

Vermutlich hat sich jeder splash!-Besucher schon einmal gefragt, wer eigentlich diese riesigen Männer- und Frauengesichter sind, die vor den Toren des besten Festivals der Welt so ernst in die Landschaft blicken. Handelt es sich hier etwa um die Gründerväter des splash! Festivals? Ist splash! ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen der acht Porträts? Oder sind es gar die Erfinder von deutschem Rap? In der Tat, handelt es sich nicht etwa um erdachte Charakter, sondern um real-existierende Personen, die als Bergleute in Ferropolis gearbeitet haben und im Rahmen des Kunstprojekts „Spuren“ von ecb porträtiert wurden. Für arte Creative hat der Streetartist sich dabei über die Schulter schauen lassen.

Doch in dem 60-minütigen Film aus dem Dezember 2015 wird nicht bloß die blanke Realisierung einer Künstler-Auftragsarbeit dokumentiert. Viel mehr, werden Zeitzeugen-Gespräche geführt, die einen in die Welt jener Menschen holt, die teilweise bis zu 24 Stunden in den kolossalen Baggern am Gremminer See geschuftet haben. Eine Besonderheit, schließlich macht Hendrik Beikirch nur selten die Biografien und Persönlichkeiten hinter seinen monochromen Portraits öffentlich. Zudem wird Archivmaterial aus den Tagen gezeigt, als weder das Freilichtmuseum, noch das buntes Festival-Treiben, sondern kräftezehrende Arbeit die Stimmung des Geländes bestimmten. So steht der Film „Spuren – ein Kunstprojekt von Hendrik Beikirch“ symbolisch dafür, wie man aus einer Industrie-, eine Erinnerungs- und Kulturlandschaft verwandeln kann.