MRJAH – „Wir haben keine Angst vorm Mainstream“ #workinonit

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Das Producer-DJ-Duo MRJAH, Marc Romefort und Julien Hadji Arenas, hat sich über die vergangenen Jahre einen veritablen Namen in der nationalen Szene gemacht: Auf ihren Beats haben Megaloh, Marvin Game oder Takt32 gerappt und mit ihren DJ-Sets haben sie so ziemlich jede HipHop-Party in der Hauptstadt abgerissen. Wir haben uns mit den Berlinern über ihre erste Instrumental-EP „Z“ unterhalten.

Illustration: BenBes

Illustration: BenBes

Im Vergleich zu den Produktionen, die man bisher von euch kannte (z.B. die splash! Mag Cypher #5 oder „Kiffer“ von Marvin Game), klingt die „Z“-EP nochmal viel härter und Elektro-inspirierter produziert. Wie verlief die Entwicklung hin zu diesem Sound?

Marc: Wir haben MRJAH ursprünglich gegründet, weil wir weg vom Produzieren für Rapper kommen wollten. Durch Zufälle hat es sich wieder ergeben, dass wir überwiegend mit Rappern zusammengearbeitet haben, die wir kennengelernt haben. Eigentlich war es aber immer unsere Motivation, in diese elektronischere Richtung zu gehen. Ich will nicht sagen, dass wir uns verfangen haben, da es ja cool war, mit den Rappern zu arbeiten, aber oft kam einfach nicht genug dabei rum.

Julien: Releases mit Rappern dauern einfach zu lange. Wenn du alles selber machst, kann die fertige Musik direkt gemastert und veröffentlicht werden. Raus damit – und die Welt hört es.

Marc: Wir können theoretisch einen Song fertig machen und am selben Abend auf Soundcloud laden. Wir müssen uns an keine VÖ-Termine halten oder darauf hoffen, dass es der Song überhaupt aufs Album oder die EP schafft. Eigene Songs und Remixe machen einfach mehr Spaß, weil es so unkompliziert ist.

Ihr wurdet von Anfang an als „Trap“-Produzenten wahrgenommen. Wie habt ihr diesen Sound für euch entdeckt?

Marc: Ich müsste das genaue Datum mal raussuchen: Es war der Tag, an dem Baauer „Yaow“ und „Harlem Shake“ veröffentlicht hat (es war der 17. Mai 2012; Anm. d. Aut.). Das war das erste Mal, dass wir diesen Sound gehört haben. Danach kamen auch Leute wie Flosstradamus an den Start und auch Diplo hat sich immer mehr in diese Ecke entwickelt. Für uns hat der Sound genau die zwei Welten verbunden, die wir feiern: Elektro und HipHop.

Julien: Für uns war auch nie eine Frage, ob das Untergrund ist oder nicht. „Harlem Shake“ hatte von vornherein so einen Mainstream-Sound, den wir aber geil fanden. Gerade dass der Sound so zugänglich war, hat mich direkt gereizt.

Ist euch eine solche Massentauglichkeit bei euren Produktionen wichtig?

Marc: Gerade deswegen bauen wir so viele repetitive Elemente ein, damit die Leute den Vibe schnell fühlen und verstehen können. Wobei die neue EP nicht immer so zugänglich ist. (lacht)

Julien: Die Songs sind diesmal schon extrem abwechslungsreich geraten.

Ihr wolltet nach euren HipHop-Produktionen in den letzten Jahren wieder elektronischer produzieren. Wie wurdet ihr denn mit elektronischer Musik sozialisiert?

Marc: Ganz früher waren wir nur zu Techno feiern, einfach weil das Angebot in Berlin das so hergab. HipHop war damals noch nicht so angesagt in den Clubs. Ich meinte aber vor allem diesen elektronisch inspirierten Trap mit dem wir angefangen haben.

Julien: Durch die splash! Mag Cypher hatten wir uns schnell einen Namen in der Rap-Szene gemacht. Dadurch ist es gekommen, dass wir uns weniger auf den elektronisch-instrumentalen Part konzentriert haben und sich Projekte wie die „MJMG“-Platte mit Marvin Game ergeben haben.

Marc: Die Remix-EP „Resurrection 2“ war dann der Zwischenschritt. Darauf haben wir elektronischen Trap mit Rap verbunden.

Die „Z“-EP verbindet Sounds, die man aus elektronischeren HipHop- bzw. Trap-Produktionen kennt, mit Elementen, die mich an eher an Gabba- oder Hardstyle-Musik aus den 90er Jahren erinnern. Wie kommt so eine Kombination zustande?

Marc: Wir haben schon vor anderthalb Jahren zwei Remixe von Paul Kalkbrenner gemacht. Das haben wir Minimal Trap getauft. (lacht) Wenn man aber andersherum diese Four-to-the-Floor-Kicks einbaut, aber die typischen Trap-Sounds weiter verwendet, entsteht automatisch dieser Trance-artigen Charakter. Das hat sich so ergeben und es hat einfach Bock gemacht. Zum Beispiel der Song „Capsule Corp“ hat am Ende einen Part, der echt wie „Popcorn“ – dieses Lied aus den 90ern – klingt. (summt die Melodie vor und lacht)

Julien: Wir haben auch einfach viele Inspirationen aus der Kindheit eingebaut – Kram, den wir damals im Fernsehen gesehen haben und vieles mehr.

Marc: Wir wollten uns aber auf kein Genre festlegen. Von eher konservativem EDM-Trap bis hin zu solchen Eurodance-Geschichten ist alles dabei. Aber wir sind offen. Wir haben ja sogar schon Scooter gesamplet. (lacht)

„In Deutschland feiern die Leute grundsätzlich nichts, was Mainstream ist.“

Marc Romefort

Seht ihr euch selber in Zukunft im EDM-Genre, das nach wie vor boomt? Gerade EDM-Festivals sind ja riesig.

Marc: Sofort! Wir haben auch im Dezember mit Yellow Claw in Berlin aufgelegt, was für uns eine ganz neue Erfahrung war. Da war wirklich ein DJ, der Hardstyle aufgelegt hat, aber auch Ekali, der eher Newschool-HipHop und Trap spielt – so wie wir sonst auch. Da haben wir aber auch härter aufgelegt, das war teilweise schon Schranz und hat richtig Spaß gemacht. Ich hätte vor ein paar Jahren niemals gedacht, dass ich sowas auflegen würde. Aber die Leute waren voll offen dafür.

Der Begriff EDM ist ja eigentlich negativ konnotiert.

Marc: In Deutschland feiern die Leute grundsätzlich nichts, was Mainstream ist. In den USA wird der Begriff dagegen inflationär benutzt. Die sagen wahrscheinlich auch zu Berliner Techno, dass es EDM sei. Aber Trap kann eben auch „Electronic Dance Music“ sein, obwohl viele bei dem Begriff eher an HipHop, Jeezy und Gucci Mane denken. Ich nenne diese Mischung, die wir auch machen, EDM-Trap.

Ihr hat also keine Angst vorm Mainstream?

Marc: Auf keinen Fall, wir haben Bock darauf. Jemand wie Diplo ist auf solchen Festivals ja auch am Start. Der ist für mich das Nonplusultra, was in der Producer- und DJ-Welt gerade geht. Der spielt die Mainstream-Gigs, nimmt sich aber auch die Freiheit, in kleinen Clubs aufzulegen.

Wie kam es, dass ihr die ganze EP der Anime-Serie Dragon Ball Z gewidmet habt?

Marc: Wir haben die Manga-Hefte damals in Frankreich gelesen. Wir waren bei Band 20 als das in Deutschland überhaupt erst rauskam. Als wir nach Deutschland gekommen sind, hatten wir die Sammelkarten aus Frankreich, die uns die anderen für gutes Geld abgekauft haben, weil es die hier noch nicht gab. Wir haben mies Business gemacht. (lacht) Bei Dragon Ball geht es ja auch um Energie, dadurch war das Thema naheliegend für unsere EP.

Julien: Ich hab irgendwann einen Song gemacht, auf dem ich das Lachen von Frieza gesamplet habe. Aus diesem Song heraus ist die Idee entstanden, eine ganze Geschichte darauf aufzubauen.

Marc: Wir haben viele Referenzen eingebaut. Die EP ist wie ein Manga rückwärts-chronologisch aufgebaut. Außerdem sind es sieben Tracks, angelehnt an die sieben Kugeln. Das Cover von BenBes ist auch richtig krass geworden. Er hat uns extra gefragt, welche Ästhetik aus Dragon Ball er auf uns anwenden soll. Ob wir eher jung oder eher wie die älteren Charaktere aussehen wollen. Ob das Motorrad modern oder im Retro-Look gehalten sein soll. Das war auch für ihn ein Herzensprojekt.

Wer ist bei MRJAH eigentlich wofür zuständig?

Julien: Ich konzentriere mich auf das Produzieren. Wir geben uns gegenseitig Feedback, aber ich führe aus. Dadurch, dass wir uns schon seit einer Ewigkeit kennen, läuft die Arbeit sehr einfach und oft nehmen wir uns die Gedanken schon gegenseitig vorweg.

Marc: Wenn Julien mir was schickt und ich dann antworte, dass er noch die Snare ändern soll, kommt auch mal zwei Sekunden später zurück, dass er das schon längst gemacht hat. (lacht) Tatsächlich kümmere ich mich mehr um die Organisation drumherum und bereite unsere DJ-Sets vor. Live habe ich dann den aktiveren Part.

Julien: Gerade mit seiner Perspektive als DJ kann mir Marc auch beim Produzieren sehr guten Input geben.

Wie sieht die nahe Zukunft für euch aus?

Julien: Stacks machen. (lacht)

Marc: Bricks auf dem Tisch stapeln und sortieren. (lacht) Aber erstmal sind wir gespannt, wie „Z“ ankommt und ob wir das Glück oder die Chance haben, auch international wahrgenommen zu werden. Wir sind im HipHop-Bereich super vernetzt, aber die Musik gehört in ganz andere Kreise, in die wir erstmal reinkommen müssen. Crispy Crust, die das Release präsentiert haben, gehen ja schon mal in die richtige Richtung.