McGregor vs Mayweather: Die Punchline-Preview

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Es ist das Ereignis, auf das die Kampfsport-Welt seit bald einem Jahr wartet: Nach unzähligen Provokationen und feuchten Fan-Träumen werden der irische MMA-Fighter Conor McGregor und Box-Legende Floyd „Money“ Mayweather zusammen und gegeneinander in einen Boxring steigen. Was das mit Rap zu tun hat? Mal abgesehen davon, dass Floyd bekennender HipHop-Fan ist und ein Label betreibt und Conor mitunter Drake zitiert, besitzen Rap-Texte eine hohe Affinität zu Verweisen auf die schlagenden Künste. Bevor ihr eure Wetteinsätze verbratet, solltet ihr euch deshalb ein paar Referenzen ansehen. Samstag Nacht gegen 3 Uhr unserer Zeit wird sich entscheiden, ob die Qualität von Punchlines auf die Qualität wortwörtlicher Punches hinweisen kann.

„Notorious“ Conor McGregor

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Azad feat. Calo – Conor McGregor

Wenn jemand im martialischen Survival of the Fittest, von dem Azads Straßenrand erzählt, „NXTLVL“ ist, dann wahrscheinlich der Mann aus Dublin. Der Track ist nicht etwa ein Gag, sondern fester Bestandteil des Albums und ein echter Ohrwurm. „Don’t give a fuck!“ Und wozu Shaho Casado anrufen, wenn es Unmengen an visuell beeindruckendem Material von Kämpfen und Pressekonferenzen gibt, um die maschinengewehrtartigen 808s zu begleiten. Dieses Musikstück dürfte einige Menschen mit Conor McGregor vertraut gemacht haben und wäre ein perfektes Einzugsthema. Vielleicht findet ja die UFC 250 in Frankfurt statt.

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Merkules – Conor McGregor

Auch in Nordamerika gibt es Künstler, die dem frechen Iren Sinnstiftendes abgewinnen können. Der Kanadier Merkules begann mit 16 Jahren zu rappen und hat seitdem mit Hilfe einiger YouTube-Hits, shirtloser Auftritte und enger Fankommunikation in den sozialen Medien eine loyale Gefolgschaft um sich geschart. Einmal wurde der jugendliche Außenseiter auf dem Nachhauseweg von älteren Teenagern so böse attackiert, dass sein Gesicht bis heute davon vernarbt ist. Wer solche Erfahrungen verarbeitet, taugt nicht nur zum Rapper, sondern auch dazu, eine öffentliche Person, die sich Dinge nicht gefallen lässt und sich zu wehren weiß, zu idolisieren. It’s a Match!

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Der Rest

Sowohl Dardan („Miami Vibes“) als auch Luciano („Gauner in Lacoste“) entdeckten dieses Jahr schon die klangvolle Konsonantenkette „Bretter wie Conor McGregor“. Das ist nicht direkt ein Guttenberg, aber etwas langweilig. Majoe prangerte auf „Silberner Ferrari“ die Lauchigkeit von Rucksack-Rappern an und erklärte: „Du warst nie in Holland Crackhändler und niemals wie Conor McGregor.“ Der Zusammenhang erschließt sich hier nicht auf Anhieb: McGregor kommt zwar aus der Dubliner Arbeitergesellschaft, hat aber vermutlich seinerseits nie mit Packs auf dem Leidseplein gestanden. Blicken wir über den Teich, wird es glücklicherweise interessanter. „I’m Connor McGregor, I never lose“, rappt Frank Casino auf „Whole Thing“. Für viele Fans, die auf McGregor setzen ist tatsächlich dessen mystische Prophetenfähigkeit ein Faktor. Neinsager vor den Kopf zu stoßen und Erwartungen zu übertreffen, ist quasi Conors Beruf. Ganz korrekt ist die Aussage nicht mehr: Im März letzten Jahres gab McGregor im Rear Naked Choke von Nate Diaz auf. Mayweathers Statistik dagegen beträgt 49-0. Die runde 50 wird er sich im vermutlich letzten Kampf seiner Karriere nicht nehmen lassen wollen.

Floyd „Money“ Mayweather

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Money Boy – Mayweather

Azads Gegenüber im Match der Deutsch rappenden Fans dieser Ansetzung wäre wohl ein gewisser Swagster aus dem fünfzehnten Bezirk. Der aus der Rente zurückgekehrte Floyd „Money“ Mayweather dient dem unter neuem altem Namen agierenden Money Boy zur Inspiration. Das gemeinsame Hobby ist offensichtlich, wird es doch von beiden im Namen getragen. Textlich geht es weniger um eine Kampfsport-Karriere als um ihre angenehmen Begleiteffekte, aber das ist kaum überraschend. Ahnbar ist es. Ahnbar.

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Young Thug feat. Travi$ Scott, Gucci Mane & Gunna – Floyd Mayweather

Eine Supergroup aus Young Thug, Travi$ Scott und dem Eismann behandelt den 40-Jährigen Boxer auf Thuggers Mixtape „JEFFERY“- das mit dem schönen blauen Kleid – ähnlich. Mystisch: In den Lyrics fällt der Titelgebende kein einziges Mal. Vielleicht ist irgendwann alles gesagt. Schließlich hatte Young Thug schon auf „Heart Attack“, „Mind Right“ und „Yamborghini Dream“ aus dem Leben des „Money“ erzählt. Respekt ist verdient: 2016 war wohl einmal im Gespräch, dass Thugger ein Teil des „The Money Team“-Kollektivs wird, mit dem Mayweather auch in Mode, Musik und Entertainment-Zweigen seine Fußspuren hinterlässt.

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Der Rest

Im Deutschrap-Kontext wird es hier karg: Lediglich Shindy reimt auf „Megalomanie“ mit Bushido „Mayweather“ auf „Steakmesser“. In den Staaten ist Mayweather als Rekord-Champion, popkulturelle Ikone und Vorbildfigur für schwarze Sportler wie Geschäftsmänner über die Jahre aber von unzähligen Rappern für Punchlines und Vergleiche eingesetzt worden: Big Sean, The Game, Drake und selbst Nicki Minajs „Anaconda“ nahmen seinen Namen in den Mund. Rick Ross erklärt indes, dass Floyd und er mit den „Same Hoes“ kuscheln und einschlafen. So angenehm das auch klingt, muss das Highlight die offizielle Feature-Rolle auf der Ludacris-Single „Undisputed“ sein. Im Aushilfsjob als Ludas Coach steuert Mayweather in bester Motivationsredner-Manier gleich drei Spoken Words-Parts bei, die den Weg an die Spitze nachzeichnen. Früher oder später – man ahnt es – beginnen die Beiden, in Dialog zu treten. „You know what you can do! – I know! – You Luda! You lookin good, let’s go! – Alright!“ Cringe? Kult? You decide!