MC Smook: „Kein Kolben für Nazis!“

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Ohne Vorwarnung veröffentlichte MC Smook aka Marc T. übers Pfingstwochenende sein Album „Marc T. gegen den Fickjungen Larry“ exklusiv auf Spotify. Die zehn Songs überraschen mit klar ausformulierten Statements zur aktuellen gesellschaftspolitischen Lage und sehr persönlichen Einblicken – aber natürlich gibt’s auch wieder jede Menge absurde Slogans und Insider-Jokes, wie man das vom GUDG-Member mittlerweile gewohnt ist. Fabi Süd hat sich mit ihm über seine musikalische Entwicklung, kritische Texte und fortschrittliche Business-Moves unterhalten.

Wie war dein Tag, hast du heute schon Output produziert?

War eher ein stressiger Tag im Leben eines MC Smook. Musste heute lange in meinem Restaurant „Finger lecken“ arbeiten, da ein Koch derzeit im Urlaub ist. Da hilft der Chef auch mal selber aus und schneidet die Gurken. Musikalisch ging heute leider nichts, aber dafür habe ich einiges in der Pipeline wie Gazprom.

Was ist der Top-Seller in deinem Restaurant?

Gebutterter Kolben ist nicht erst seit dem gleichnamigen Musikvideo der momentane Topseller im Restaurant. Ist echt nur ein Maiskolben mit Butter für 1,50€. Den holen sich die Kids immer nach der Schule ab, wenn der Heimweg noch was länger dauert und man einen kleinen Snack braucht.

Und welches Getränk liegt diesen Sommer im Trend?

Kola mit Eis ist natürlich seit dem Hit immer im Trend und nicht mehr wegzudenken. Aber sonst rate ich, viel Wasser zu trinken. Lebe Leben!

Ist das eine Anspielung an ILoveMakonnen und seine „Drink More Water“-Mixtapes?

Nope, aber der Name seiner Mixtape-Reihe war lit. Wasser war eher so ein Reallife-Lichtblick mit 19, 20 Jahren. Mit Kohlensäure ist es das ekeligste der Welt, da trinke ich lieber Urin. Aber dann habe ich irgendwann Volvic-Wasser ohne Kohlensäure probiert.

Wenn man deinen täglichen Social-Media-Grind verfolgt und deine Musik hört, ist es fast schon überflüssig, dich zu interviewen. Dadurch lernt dich schon sehr gut kennen und weiß, was für eine Person hinter MC Smook steckt.

Wenn man das so sieht, ist es sehr nice, denn ich versuche, ein authentischer Künstler zu sein. MC Smook ist eins zu eins dieselbe Person wie Marc T. Ich sehe meine Musiksache nicht als Projekt, wie viele andere heutzutage. Und ich habe nicht die Paranoia, mich hinter einer imaginären Maske verstecken zu müssen. Deshalb funktioniert das mit Snapchat sehr gut. Ich lasse bis zu einem bestimmten Teil die Leute in mein Leben eintauchen, sei es in Form von Tracks, Tweets, Snaps oder was auch immer.

Es findet sich auch von Beginn deiner Karriere an eine gerade Linie in deinem Auftreten und deinem Sound.

Ja, ich mache im Grunde genommen seit 14 Jahren, also seitdem ich neun bin, das Gleiche. Ich habe schon immer Down-South-Musik gemacht. Jetzt nennt man das wegen der stärkeren elektronischen Einflüsse „Trap“ oder lustigerweise in Deutschland auch „Cloud“, obwohl 80% dieser Journalisten keine Sozialisation mit der Materie haben und die Musik erst seit 2012 hören. Und ich liebe Samples in der Musik. Inhaltlich war ich schon immer politisch, sarkastisch und hatte meinen eigenen Groove, was Writing anging.

Wie kamst du damals als kleiner Junge auf diesen Sound?

Das war ganz easy mithilfe des Internets. Meine Generation fing natürlich mit Eminem, 50 Cent oder Jay Z an, aber dann kam man auch schon ganz schnell auf UGK, Outkast oder Three 6 Mafia.

Ich sehe meine Musiksache nicht als Projekt. MC Smook ist eins zu eins dieselbe Person wie Marc T.


Du sagst, du leidest am Erfolg. Wie geht man damit denn am besten um?

Es tut schon gut, einfach mal die Hand auf den Kopf zu legen und kurz in feinster Drake-Manier dekadent zu leiden. Mir geht es danach schon besser.

Hast du niemals Zweifel oder hältst du Kopfzerbrechen grundsätzlich aus deiner Musik raus?

Es ist schließlich HipHop. Man muss schon ziemlich selbstbewusst sein, um den Dschungel hier zu meistern. Aber Zweifel sind natürlich normal. Die habe ich nicht in der Musik; ich zweifle nie, ob eine Strophe oder eine Hook nicht gut genug ist, aber vor allem auf meinem Album „Bereit zu leben“ oder auf meinem neuen Tape hört man ja Sinnkrisen heraus. „Bereit zu leben“ war ja ein richtiges Konzeptalbum und richtig anti. Alle dachten, ich würde mich jetzt durch meine Tierwelt rappen, trappen rum und die erwarteten Klischees bedienen. Aber ich habe mich ganz frei davon gemacht. Ich wollte was Eigenes erschaffen. „Bereit zu leben“ war eben ein persönliches Album, auf dem neuen Tape habe ich den politischen Hunger wiedergefunden, der 2015 nicht vorhanden war. Glaub mir, ich bin bereit zu leben und lebe Leben, aber sie wollen mich nicht leben lassen!

Höre ich da einen gewissen Idealismus raus?

Natürlich! Ich bin ein junger Mensch und ein bisschen naiven Idealismus versuche ich beizubehalten.

Wie wirkt sich dein Studium der Politikwissenschaften auf deine Texte aus?

Eigentlich kaum, ich bin selten dort. Der Fokus liegt auf anderen Dingen wie Musik, Restaurant und der sekündlichen Atmung.

Zumindest in Songs wie „Wähl nicht die AfD“ positionierst du dich neuerdings politisch eindeutiger. Wie sind die Reaktionen darauf bisher?

Ich denke, ganz gut. Ich weiß, dass ich nicht die meisten Fans habe, da ich nicht die pubertären Kiddies erreiche, die man mit anderen Themen in den Bann ziehen kann, aber dafür habe ich einen großen Haufen intelligenter Fans, die meine Statements verstehen und richtig einordnen können. Mir haben auch Idioten geschrieben, dass sie mich jetzt hassen, weil ich gegen ihre Partei hetze. Aber solche „Fans“ brauche ich nicht. Der „Wähl nicht die AfD“-Song war ein guter Filter.

Alles klingt gleich in Deutschland, so eklig warm produziert. Ich könnte kotzen.


Fehlt diesen Leuten, die mit Rechten sympathisieren und über Flüchtlinge herziehen, Liebe?

Eventuell. Ich hoffe, ich kann ihnen mit meinen schmusigen Songs etwas Zärtlichkeit geben. „Luxushotel Flüchtlingsheim“ behandelt das Thema aber noch stärker und hat die besseren Statements. „Wähl nicht die AfD“ war ein Song aus dem Affekt heraus, den ich mittags recordet und abends releast habe.

Kein Sex für Nazis oder doch kuscheln?

Kein Kolben für Nazis!

„Freimaurerjudenzionistenverschwörung“ hat neben einem interessanten Thema auch ein wirklich schönes Al-Green-Sample.

Vielleicht der Geheimtipp. Video dazu kommt soon! Der beste Songtitel von mir seit langem, ist aber von einem Dude aus dem Kaba Clan. Shout-out an dieser Stelle!

Manche interpretieren ja die wildeste Verschwörungssymbolik in Musikvideos …

Das finde ich sehr unterhaltsam. Für so was gibt es einen riesigen Markt, den die Leute auch nur ausnutzen.

Hast du schon so was mal über dich gehört?

In die Richtung Verschwörungstheorie nicht wirklich. Aber es gibt natürlich viele wilde Gerüchte …

Lüfte mal dein Geheimnis: Warum droppst du das Album so plötzlich? Reiner Move oder einfach kein Bock mehr auf Promophase?

Ich habe nichts gegen lange Promophasen. Das soll ja jeder machen, wie er es fühlt und hoffentlich damit seine Familie ernähren kann. Aber ich hatte Lust, das mal zu probieren, auch wenn ich weiß, dass Ankündigen bei deutschen Dinosaurier-Fans und -Medien besser funktioniert.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass Savas homophob ist.


Du bist der erste deutsche Rapper, der ein Album ausschließlich über einen Streaming-Dienst veröffentlicht – und das ganz ohne Promophase.

Ich bin in allem immer der Erste – in Deutschland. Man könnte meinen, Kanye mit Tidal sei mein Vorbild, aber selbst da war das Datum der Veröffentlichung im Gegensatz zu meinem Mixtape schon bekannt. Beyonce hat es mit dem neuen Album ohne Ankündigung über Tidal gemacht, aus dem Nichts. Rihanna ebenso, aber sie hat noch Platten gepresst und Beyonce jetzt auch, die wollen natürlich gut verkaufen. Ein guter Trend jedenfalls. Ich bin der Early Adopter.

Über was für einen Vertriebsweg bist du auf Spotify gelandet?

Über mein eigenes Label Matchday Music, ich habe einen eigenen Labelcode. M-M-M-Matchday Music!

Spotify bringt jetzt aber nicht die dicksten Erträge …

Juckt! Die sollen mich in paar Playlists reinputten, das gibt ganz gutes Geld. 100% geht an mich. Ich bin so selfmade, dass Selfmade Records im Vergleich ein Produkt von VW, McDonald’s und Nestlé ist.

Orientierst du dich nur businessmäßig an den Staaten oder hast du auch musikalisch konkrete Vorbilder?

Ich mag schon, was derzeit in den Staaten abgeht. Auf das neue Drake-Album musste ich jetzt eine Woche warten, weil ich kein Tidal habe, somit kam viel mehr Vorfreude auf. Alle meckern, dass so viel gestreamt wird. Aber ich finde, es ist eine gute Entwicklung. Nichts geht über eine echte Vinyl in der Hand, aber um mir das für meine eigenen Produkte zu ermöglichen, muss ich noch ein bisschen strugglen.

Welche Streamingdienste nutzt du selbst?

Ich nutze Spotify, finde das ganz gut, denn man hat es auf dem Rechner und auf dem Handy. Es ist kostenlos. Das hat für mich noch etwas Mixtape-Charakter, denn jeder kann es pumpen, wenn er will; aber dann halt nicht in der allerbesten Qualität. Wie ein Mixtape halt, wie eine Kassette. Deshalb habe ich diesen Deal auch gewagt.

Du machst ernstere Alben und fortschrittliche Business-Deals. Wächst dein Equipment mit oder ist das noch immer das alte 130-Euro-Mikrofon mit Magix Music Maker?

Es ist immer noch das gleiche Equipment wie mit 13 Jahren. Es wurde seitdem nicht aufgefrischt. Ich finde das einfach zu romantisch, um es ändern zu wollen. Mein Sound ist so eigen. Alles klingt gleich in Deutschland, so eklig warm produziert. Ich könnte kotzen. Meine Mische hat Seele, Historie und Humor!

Die GUDG ließ verlauten, in Zukunft professioneller produzieren zu wollen.

Ja, ich nehme auch bei 8Moss in Köln auf, der studiert an der SAE. Da ist der Sound etwas fetter, aber wir haben es ziemlich an meinen Magix-Sound angepasst – für die Homogenität.

Wie siehst du die jüngste Veränderung von Money Boy? Wirst du deinen Körper in Zukunft auch McFit-Schönheitsidealen anpassen?

Ich bin ein sexy Boy, ein Sexsymbol unserer Zeit. Ich habe eine gute Figur, ich will minimal was abnehmen. Ich brauche kein Fitnessstudio – und morgen ist sowieso Matchday. Cola macht dick. Trinkt Wasser.

Mit welchem deutschen Rapper würdest du gerne mal ein Feature machen?

Trettmann! Und mit Kool Savas. Würde mich nachts sehr ruhig schlafen lassen, so ein Feature.

Würdest du Jucy Gay aufs Feature snitchen oder hat Kool Savas Altherrengnade verdient?

Wie meinst du? Haben die Beef? Dann bin ich natürlich pro Trapgaylord!

Nein, kein Beef. Aber Juicy reibt sich schon gern an dem von Leuten wie Savas etablierten homophoben Duktus im deutschen Rap.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass Savas homophob ist. Unsere urbane Alltagssprache ist von Grund auf homophob, rassistisch und beleidigend gegenüber Menschen mit Behinderung, aber wir meinen es ja nur in einem übertragenen und nicht persönlichen Kontext.