Mark Smith & Tinker Hatfield: „Man muss immer innovativ bleiben.“

Sie sind die beiden wichtigsten kreativen Köpfe bei Nike und Jordan Brand: Mark Smith, seines Zeichens Creative Director bei Nike, hat zum Beispiel die berühmte Yeezy-Kollabo mit Kanye eingetütet. Tinker Hatfield hingegen hat nicht nur so gut wie alle ikonischen Air-Max-Modelle gestaltet, sondern auch jeden Jordan seit 1988. Und dabei sind sowohl Mark als auch Tinker Quereinsteiger in Sachen Sneakers.

Tinker, wie war es für dich, nach deinem Architekturstudium in einem komplett anderen Bereich zu arbeiten und Design zu machen?

Tinker Hatfield: Das Studium der Architektur ist sehr komplex und umfangreich – und dadurch eine der besten Design-Ausbildungen, die man bekommen kann. Durch meinen Wechsel von der Architektur zum Design bringe ich zudem einen ganz anderen Blickwinkel mit, als jemand, der schon sein ganzes Leben lang Schuhe entwirft. Als ich bei Nike anfing, gab es dort bereits 15 Designer und ich denke, viele achten nicht mehr so sehr auf Einzigartigkeit. Jedenfalls konnte ich viel von meinem Wissen dort einbringen. Mark hat eine Ausbildung als Grafikdesigner und macht nun Schuhe. 1996 hat uns Apple für eine Kampagne zu ihrer 30-jährigen Firmengeschichte angesprochen. Dabei wurden 29 Personen vorgestellt, um den Einfluss von Apple-Produkten in verschiedenen Berufsfeldern zu illustrieren – damals waren wir die ersten, die Schuhe am Mac designt haben. Und ich wusste damals noch nicht mal, wie man so einen Rechner anschaltet! (lacht) Damals war ich an dem Punkt, nicht das auf Papier zeichnen zu können, was ich mir in meinem Kopf vorstellte. Ich sah Mark, wie er all diese coolen grafischen Sachen mit Photoshop und Illustrator anstellte. Wieso sollten wir also nicht einfach Schuhe dreidimensional designen? Den Umriss, die Form, das Material. Michael Jordan kam dann noch dazu – und wir versuchten es einfach.

Mark Smith: Wir probierten einfach verschiedene Dinge aus. Herkömmliche Produktdesigner machen natürlich einen klasse Job, aber wir hatten eben einen ganz anderen Blickwinkel und nutzten andere Werkzeuge. Das erlaubte uns, andere Muster zu erforschen.

„Ich sollte das wahrscheinlich nicht erzählen, aber wir arbeiten im Moment am Design des neuen Air Jordan XXX.“

Tinker Hatfield

Also wäre es ein Nachteil, wenn man als absoluter Sneakerhead versucht, Schuhe zu designen?

Tinker Hatfield: Wenn man Innovationen setzen möchte: ja. Wenn man einfach coole Fashion entwerfen möchte, ist es sehr gut, wenn man ein Sneakerhead ist, weil man sich mit Farben und Materialien bereits auskennt. Oder, wenn man neue Materialien mit alten Modellen zusammenbringen will, wie Nike das in letzter Zeit sehr häufig macht. Möchte man jedoch ein innovatives Produkt entwerfen, ist es gut, wenn man andere Einflüsse mitbringt und nicht so tief in der Materie steckt.

Mark Smith: Wenn ich etwas schon x-mal gesehen habe und kein Fortschritt erkennbar ist, dann bin ich schnell gelangweilt. Man muss immer innovativ bleiben.

Tinker Hatfield: Ich sollte das wahrscheinlich nicht erzählen, aber wir arbeiten im Moment am Design des neuen Air Jordan XXX – welcher sich etwas verspätet, was aber nicht unsere Schuld ist. (lacht) Wir sind weder mit dem Marketing oder dem Verkauf befasst, und deswegen sagen wir auch nicht: Okay, bringen wir einen Schuh an die Leute. Wir wollen vielmehr einen Air Jordan XXX, der besonders ist. Einen Sneaker, der die Industrie revolutioniert. Man muss zu seinen Visionen stehen.

Gab es in der Architektur bestimmte Formen oder Stile, die direkt in das Design eines Sneakers einflossen?

Tinker Hatfield: Ich denke, dass einen alles, was man sieht, inspirieren kann. Als Architekt fallen mir große Namen ein wie beispielsweise Le Corbusier. Die größte Inspiration für mich war jedoch Samuel Mockbee, ein amerikanischer Architekt aus den Südstaaten. Er entwickelte Häuser aus dem Nichts, nutzte alltägliche Materialien, um Häuser für unterprivilegierte Menschen zu bauen. Manche Baustoffe waren einfach nur Müll, aber er nutzte sie, um etwas Einmaliges zu erschaffen. Das ist Design in seiner besten Form. Outside the box gedacht, sozusagen.

Der Name Michael Jordan trägt die Marke seit Jahren und seine Beliebtheit nimmt nicht ab. Wie wichtig ist es dagegen, ein junges Spielertalent als Repräsentanten für die Jordans mit ins Boot zu holen?

Tinker Hatfield: Ich halte das für sehr wichtig und arbeite auch gern mit neuen Spielern wie Russell Westbrook zusammen, um unsere Produkte zu testen und zu vermarkten. Er erinnert mich von seiner Spielweise ein wenig an Michael Jordan. Klar, niemand wird jemals so sein wie Michael Jordan – aber das ist ja auch okay.

Mark Smith: Es ist wie beim Motorsport: Am Ende brauchst du einfach einen sehr guten Fahrer, der das Auto auf der Strecke testet.