Manu Crook$: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der neue Shit aus Australien überall ist.“

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Australien ist nicht unbedingt berüchtigt für seine Beiträge zur HipHop-Kultur, berühmt schon gar nicht. Nach den Hilltop Hoods in den 90ern stiegen nur wenige andere Rapper aus der südlichen Hemisphäre gen Norden auf. Nicht grundlos hat sich der bekannteste australische HipHop-Blog Thank Guard für den Slogan „Australian Hip-Hop That Doesn’t Make You Cringe“ entschieden. Doch das soll jetzt alles anders werden: In den Metropolen in Down Under brodelt der Untergrund. Die HipHop-Heads sind ihren schlechten Ruf leid und rebellieren mit zeitgemäßen Beats und innovativen Rhymes gegen den vorherrschenden Status Quo. An der Spitze des Protestzuges schwenkt Manu Crook$ aus Sydney die Fahne, der mit seiner Posse aus aller Welt den australischen Sound ganz ohne vorbelasteten Aussie-Anstrich global tauglich macht. „We turn up to turn up” rappen sie, und sprechen damit nicht nur für sich alleine. Im Interview mit Viola Funk erzählt Manu Crook$ vom neuen Shit aus Australien, seinem aktuellen Video „Assumptions“ und dem plötzlichen Hype.

Erzähl uns ein bisschen über dein heute erschienenes Video „Assumptions“.

Wir haben uns bei diesem Video für eine düstere, pulsierende Atmosphäre entschieden. Ich finde, es ist ein guter Übergang vom „Blowing Up“-Video. Obwohl keine richtige Storyline zu erkennen ist, gibt es dem Song eine unerwartete Wendung. Wenn du nur den Song hörst, würdest du wahrscheinlich ein typisches Turn-up/Party-Video erwarten, aber genau das wollten wir eben nicht machen. Wir haben etwas Aufregendes, Unerwartetes und Spaßiges kreiert. For real!

Deine ersten Tracks erleben gerade einen ernstzunehmenden Hype. Zane Low spielt sie alle, dein letztes Video hat bei Fader Premiere gefeiert, du warst Support für Danny Brown und Denzel Curry. Wie fühlt es sich an?

Ich muss sagen, ziemlich dope. Allein die Tatsache, dass meine Tracks international gehört werden, ist unglaublich. Das fühlt sich natürlich noch krasser an, weil ich so weit weg in Down Under bin. Es ist unglaublich aufregend für mich und ich freue mich darauf, noch mehr Musik mit der Welt zu teilen.

Deine Crew klingt sehr global und hat nicht unbedingt einen typisch australischen Sound. Wie kommt’s?

Für mich ist Musik eine universelle Sprache. Ich bin von so vielen unterschiedlichen Kulturen und Leuten umgeben, was meiner Meinung nach definitiv dazu beiträgt, dass ich nicht besonders australisch klinge. Ich meine, das ist nicht unbedingt etwas Schlechtes oder so. Nur hänge ich eben hauptsächlich mit Leuten rum, die nicht besonders „Aussie“ sind; so auch meine Produzenten. Miracle kenne ich am längsten, einfach weil wir beide Ghanaer sind. Dopamine habe ich im Studio kennengelernt. Er ist Italiener.

Auf fast jedem Track rappt ihr darüber, wie viel ihr arbeitet. Work, work, work…

Das ist ungelogen alles, was wir machen. Wir sind fast jeden Tag im Studio und machen Musik. Jeder Tag ist ein Schritt in die richtige Richtung, um unsere Ziele zu erreichen und unsere Träume zu erfüllen.

Der Plan ist nicht unbedingt, global reinzupassen, sondern unser eigenes Ding zu machen.

Manu Crook$

In deine Texten baust du viele Referenzen zu US-Tracks ein, wie Rihannas „Work“ und Madeintyos „Uber Everywhere“. Ist der US-Sound ein großer Einfluss für die Jugend in Australien?

Ich würde nicht sagen, dass es hier der Haupteinfluss ist, aber natürlich wachsen wir alle mit unseren Lieblingskünstlern auf, die eben vor allem aus den Staaten kommen. Natürlich beeinflusst das auch bis zu einem gewissen Grad die Jugend und die Kultur, wenn man ständig ihre Musik hört. Abgesehen davon spielt das Internet eine große Rolle. Ich meine, ohne das Internet würden wir hier unten fast nichts mitbekommen und die ganze dope Musik von all den dopen Künstlern verpassen.

Wie würdest du die aktuelle australische Rap-Szene beschreiben?

Ich denke, die Kultur wächst hier in Australien gerade noch. Es gibt inzwischen viele großartige Rapper und zusammen bringen wir den australischen HipHop und den Sound voran. Der Plan ist nicht unbedingt, global reinzupassen, sondern unser eigenes Ding zu machen. So ist es auch viel spannender und eine schönere Herausforderung. Bloß die Staaten zu kopieren, wäre ja langweilig. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der neue Shit aus Australien überall ist.

Eine Line aus „Blowing Up“ ist „We just livin‘ young and livin‘ dumb“. Was spielt das für eine Rolle in eurer Musik?

Es geht nur darum, wir selbst zu sein, jugendlich zu leben und einzusehen, dass wir Fehler machen werden und das auch okay ist, solange wir aus ihnen lernen. In der Vergangenheit haben wir vielleicht Entscheidungen getroffen oder haben sie bei anderen Leuten gesehen, die nicht unbedingt klug waren. Ich bin der Meinung, wir müssen das auch in unsere Musik einfließen lassen und unsere Geschichten erzählen.

Was passiert gerade im Untergrund in Sydney?

Es gibt viele ehrgeizige Talente, die gerade auf dem Weg nach oben sind. Sie sind hungrig und verschieben die Grenzen im Sound immer mehr. Hier sind immer wieder kleine, coole Events, die eine Plattform für uns schaffen und uns die Möglichkeit geben, unser Talent zu zeigen. Immer mehr Blogs, Radios, Leute etc. supporten unser Movement und das ist schon cool!

Wo in der Welt wärst du im Moment gerne? Wo passiert es?

Ich habe das Gefühl, dass überall so viel passiert – in den Staaten, in Asien, in Europa, in Afrika. Ich war leider noch nie da, aber das habe ich jedenfalls gehört. (lacht) Als erstes würde ich sehr gerne in die USA und nach Europa reisen, um verschiedene Szenen und Kulturen kennenzulernen. Hoffentlich schaffe ich es, dieses Jahr noch nach Europa zu kommen, um dort Musik zu machen und mit anderen Künstlern zu kollaborieren.

Was läuft bei dir gerade rauf und runter?

Ich höre so viel Musik und sehr verschiedene Genres, aber im Moment digge ich 6lack. Ein paar Leute aus UK sind auch sick. Ich habe auch sehnlichst auf das neue Ed-Sheeran-Album gewartet!