Make Up Not War – „Only the internet can judge me.“

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Die Berlinerin Eda Vendetta ist ein wahres Multitalent: Labelinhaberin, aufkommender YouTube-Star und seit neustem auch noch Bloggerin. Ganz gleich, ob es um ein neues Design für ihr Label oder ein Video über ihre zwei Rassekatzen geht, Eda nimmt kein Blatt vor den Mund, lebt und arbeitet ganz nach dem Motto „Only the internet can judge me“. Aber Vorsicht, ihren Sarkasmus darf man nicht unterschätzen. Wir haben mit ihr über den Einfluss ihres Ehemanns Crystal F auf ihre Arbeit und typische Klischees der Internetwelt gesprochen.

Aus welcher Idee ist dein Label Make Up Not War entstanden?

Das klingt jetzt etwas langweilig, aber es war die Abschlussarbeit an meiner Akademie. Ich wollte etwas anderes machen als alle anderen. An meiner Akademie war es üblich, ein Magazin oder Buch zu gestalten und ich wollte mich nicht nur auf dem Papier ausleben. Mein Thema sollte praxisbezogener sein. So ein Buch oder Magazin wird auf einer Ausstellung oftmals schnell und lieblos durchgeblättert. Also habe ich kurzerhand eine erste Kollektion designt und den Ausstellungsraum in einen fiktiven Store verwandelt. Zusätzlich habe ich schon erste Samples an Leute aus meinem Freundeskreis verteilt, die die Sachen dann bereits in sozialen Netzwerken gepostet haben, ohne dass es einen Shop, eine erste Kollektion oder die Absicht gab, die Sachen wirklich einmal zu veröffentlichen.

Gibt es die eine Inspirationsquelle? Und darf dein Mann auch seinen Input mit einbringen?

Die Einflüsse kommen von überall, meist tagesaktuell. „Comme des lass stecken“ war eigentlich nur ein Family-&-Friends-Ding. Das World Wide Web wurde dank A$AP Rocky von „Comme des fuckdown“-Beanies und -Shirts überschwemmt. Das „Was Lan Was“-Motiv ist eher ein Klassiker. Es muss aber nicht immer urban sein. Bei dem „Karma 69“-Shirt lag ich in der Sonne und habe zu viel M.I.A. gehört. Mein Mann spielt im kreativen Prozess absolut gar keine Rolle. Ich frage ihn manchmal nach seiner Meinung, aber auch nur, um meine eh schon feste Meinung nur noch einmal bestätigt zu bekommen. Allerdings ist er der Grund, warum ich den Shop überhaupt erst zum Leben erweckt habe. Ich habe ein ganzes Jahr lang Shirts nur für Freunde und Bekannte drucken lassen. Nach meinem Abschluss wollte ich die ganzen Skizzen – trotz großen Andrangs – gar nicht mehr sehen. Wäre er nicht so hartnäckig geblieben, wäre ich wahrscheinlich immer noch am Überlegen, ob ich den Schritt nun überhaupt wagen soll. Der Deal war: Er streckt das Geld für die ersten Shirts vor und wenn ich es in den Sand setze, kommen eben keine neuen Shirts mehr. Man sieht: Er hatte Recht.

„Und dann komm ich und baue mir konzeptlos nach dem Motto ‚Only the internet can judge me‘ Reichweite auf.“

Eda Vendetta

In der Internetwelt gibt es viele Klischees. Denkst du, die treffen auch schon auf dich zu?

Ich bin da, ehrlich gesagt, auch nur irgendwie reingerutscht. Mein YouTube-Channel Eda Vendetta war eigentlich ein Teil meiner Bachelorarbeit. Auch hier ist es wahnsinnig schön, wieder etwas gemacht zu haben, was auch nach dem Studium noch Hand und Fuß hat. Die Magazine meiner Mitstudenten stauben vermutlich unter ihren Betten ein. Dazu sollte man allerdings sagen, dass mein Prüfungsdozent bis ca. eine Woche vor Abgabe nicht verstanden hat, was das alles eigentlich soll. Für die Bestnote hat es dann aber trotzdem gereicht. Ich erwähne das nur, um Mut zu machen. Es muss nicht immer der einfachste und offensichtlichste Weg sein. Aber kommen wir zu den Klischees: Ich habe mich sehr lange unwohl gefühlt. Man ist auf einmal in irgendeiner Parallelwelt. Die Leute wissen, was sie da tun. Das ist ein straightes Business. Und dann komm ich und baue mir konzeptlos nach dem Motto „Only the internet can judge me“ Reichweite auf. Ich hatte das Gefühl, das dicke Kind zu sein, das im Sportunterricht immer als letztes gewählt wurde, weil es kontraproduktiv fürs Team sein könnte. Mittlerweile habe ich bemerkt, dass man die Unsicherheit anderer meist mit Arroganz verwechselt.

Hättest du dir jemals vorstellen können, dass aus einem Projekt für deine Bachelorarbeit mal etwas wird, mit dem du teilweise deinen Lebensunterhalt finanzierst?

Vorstellen schon, ich habe aber auch eine blühende Fantasie. Ich hatte tatsächlich mit meinem Leben abgeschlossen. Ich dachte, ich werde den Rest meines Lebens Club Mate trinken, während ich mich Tag für Tag in einer Werbeagentur quäle, die mir nicht richtig zusagt. Ich hatte tierische Angst, in das „Generation unbezahltes Praktikum“-Loch zu fallen.

Das Label MTAS und dein eigenes polarisieren beide ziemlich stark. Darf man in Zukunft vielleicht mal auf eine Kollaboration hoffen? Ihr zwei wirkt nicht wie typische Konkurrenten, die eine ähnliche Zielgruppe haben.

Ich habe Eric Wodegnal durch meinen Mann kennengelernt. Er hatte ihm Shirts zugeschickt. Irgendwann sah ich ein Shirt und dachte: „Fuck, das hätte auch von mir sein können.“ Das Schöne ist, dass Eric letztens auch so einen Moment bei mir hatte. Ich bin ein Freund davon, Dinge, die man feiert, auch einfach mal zu pushen, statt es im Geheimen abzufeiern. Das sollten sich viel mehr Menschen mal zu Herzen nehmen. Kollaboration klingt irgendwie schwierig. Ich weiß nicht, wie er arbeitet. Aber da müsste man sich dann hinsetzten und brainstormen. Ich muss zugeben, dass ich noch nie eine Idee hatte, als ich mich bewusst hingesetzt und darüber nachgedacht habe. Ich frage ihn mal, was er davon hält, wenn wir gemeinsam zum Yoga gehen..

Gibt es generell jemanden, mit dem du gerne einmal zusammenarbeiten würdest?

Da gibt es einige, aber wir müssen realistisch bleiben. Looky Looky aus Berlin waren tatsächlich ein Riesenvorbild für mich. Ich habe deren Sachen getragen, da war noch lange nicht an Kreativsein, geschweige denn Shirts drucken zu denken. Das muss man sich wie in der Musikindustire vorstellen: Wenn Künstler sagen, sie haben, als sie jung waren, die Musik von jemandem gehört und nie gedacht, dass sie irgendwann einmal mit ihnen zusammen im Studio an Songs arbeiten würden.

Würde eine eigene Sneakerkollektion nicht auf der Hand liegen? Deine Sammlung ist ja mehr als beachtlich und auch die Jungs von Turnschuh-TV haben dein Talent erkannt und dich kurzerhand mit ins Boot geholt.

Ich habe mich oft gefragt, wie ein Schuh wohl aussehen würde, der von mir kommt. Ich muss zugeben, dass ich wahnsinnigen Respekt davor habe. Ich bin schon total überfordert, wenn es darum geht, einen iD-Schuh zu gestalten. Ich liebe Schuhe zu sehr und würde daraus vermutlich eine Lebensaufgabe machen. Auf meiner heimlichen To-Do-Liste steht aber tatsächlich, einen Sneaker rauszubringen und ein Buch zu schreiben.

Wie sieht es mit musikalischen Einflüssen aus?

Wie schon erwähnt, gehört Musik zu meinen Top-Inspirationsquellen. Ich könnte dir zu jedem Shirt sagen, was ich in dem Moment, als die Idee aufkeimte, gehört habe. Das kann aber alles sein: Ich konnte mich noch nie zwischen Slipknot und Wu-Tang entscheiden.

Was steht in nächster Zeit bei dir und deinem Label Make Up Not War an?

Ja da wird einiges kommen. Ich plane grad eine neue Kollektion. Anfangs haben mir die Mittel gefehlt und jetzt ist es leider die Zeit. Mir ist es immer extrem wichtig, die entscheidende Frage, ob ich das Teil selbst tragen würde, mit einem klaren Ja beantworten zu können. Viele machen Klamotten, die sie selbst gar nicht unbedingt tragen würden. Alles was bei mir verkauft wird, findet sich auch in meinem Kleiderschrank wieder.

Eine letzte Frage noch: Was ist deiner Meinung nach das absolute Must-have, das in keinem Kleiderschrank fehlen darf?

Ein weißes Basic-Shirt und eine schwarze Lederjacke. Glaubt mir, mehr braucht es meistens nicht. Holt euch zehn weiße Shirts und ihr seid safe – egal, ob Mann oder Frau.