Poetry in motion: Loyle Carner live

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Ein wenig unbeachtet vom Szene-Mainstream hat sich der Brite Loyle Carner zu einem Künstler entwickelt, den man inzwischen gar nicht mehr weg ignorieren kann. Mit seinen BoomBap-induzierten Alltags-Balladen ist er zum absoluten Publikumslieblings avanciert. Nun kommt er mit seinem „Yesterday’s Gone“-Album zurück nach Deutschland.

Ausverkaufte Shows auf der Insel und dem Kontinent, Props aus der ehrenwerten Musikredaktion der BBC und nun frisch-gebackener Album-Debütant. „Yesterday’s Gone“ widmet sich seinem Spezialgebiet: dem unverkrampft lyrischen Deep-Talk. „Let me keep it/I never speak it/Keep it a secret“ – seine zart-beseelten Protestsongs frönen dem Understatement. Nicht das große Drama, sondern die innere Zerrissenheit bestimmt die Lyrik des Südlondonders – man könnte auch sagen „very british“. Denn die unaufgeregte Idylle, in der sich die Slow-Jams von Carner entfalten, erklimmt immer dann jene entrückende Strahlkraft, wenn er intim wird: „We’d sit for hours/Sun, thunderstorm or showers/In the same living room watching the bloom turn to flowers“, heißt es etwa auf „Cantona“, der Ode an seinen verstorbene Stiefvater. Loyle Carner ist nicht mal ein Lyricist, er ist ein Poet. Das ist schon ziemlich wahnwitzig, wenn man bedenkt, dass bei ihm in jungen Jahren Legasthenie diagnostiziert wurde, mit dem Hinweis, dass er das Schreiben mal lieber bleiben lassen solle. Auch die Frage nach seinen liebsten US-Rappern beantwortet Loyle elegant entgegen Erwartungen und Trends. So inspirieren ihn die bodenständigen Alltagsgeschichten von Homeboy Sandman und die pointierte Punchline-Gebärden eines Kenn Starr – zeitgeistige Schlagwort-Spitter sind nicht seine erste Wahl.

Doch bei aller Zerbrechlichkeit bescheinigte ihm der NME auch gleich, dass er „rhymes with supreme confidence“ am Mikro performt. Denn nicht nur Soundästhetik und Song-Arrangements hat Loyle Carner aus den großen Rap-Alben der 1990er mitgenommen, auch das kulturbewusste Bestreben, ein Live-MC zu sein. „Ich will meine eigene, kleine Schiene fahren.“, erklärter er uns Ende letzten Jahres im Interview. Das wird vom 1. bis zum 3. März auch in Deutschland tun, wenn er auf der Bühne ein weiteres Mal die Fans in Berlin, Köln und München verzaubern wird.

01.03.2017 – Berlin – Gretchen
02.03.2017 – Köln – Club Bahnhof Ehrenfeld
03.03.2017 – München – Ampere