„Yolo“ – Lil Yachty im Interview über Drake, Pizza und Teenager-sein

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„Internet-Rapper“ – Ein Begriff, der noch vor wenigen Jahren verhöhnend-hämisch durch die Kommentarspalten geraunt wurde, lässt sich mittlerweile auf jeden zweiten HipHop-Künstler der aktuellen Spielzeit anwenden. Allerdings gibt es dieser Tage wohl kaum einen Act, der die Insignien der Netzkultur derart einverleibt hat, wie der 19-jährige Lil Yachty. Trashige Ohrwurm-Hooks, aberwitzige Videoclips, ein charmanter Snapchat-Grind und haufenweise Re-Run-Gags in Strophenform – call him fleischgewordenes Meme. Seinen Aufstieg zur Instagram-Ikone brachte ihm einen Model-Job sowie Kanye-Co-Sign bei der „Yeezy Season 3“ im Madison Square Garden 2016 ein, sein Video zu „1 Night“ ging um die Welt und rief Teenager-Herzen wie Realkeeper-Zeigefinger auf den Plan. Mit Berufung auf die Pioniere des Anderssein wie Andre 3K, Young Thug, Slick Rick, aber auch Souljah Boy hat das (Suburb-)ATLien in nicht einmal einem Jahr die Szene unterwandert und gespalten. Fionn Birr traf den sympathischen Braids-Träger kurz vor seinem ausverkauften Auftritt in Berlin und sprach mit ihm über Drake, Pizza und darüber, was es heute bedeutet, Teenager zu sein.

Foto: Nina Francesca Nagele

Foto: Nina Francesca Nagele

Du spielst heute in Berlin. Was denkst du so über die Stadt?

Es ist mein erstes Mal hier, aber ich habe leider noch nicht wirklich viel gesehen, da ich den ganzen Tag geschlafen habe. Ich bin echt erschöpft von der ganzen Tour, den Shows und allem drum herum.

Was hältst du so von den europäischen Crowds?

Ihr habt echt viel Energie. Also wirklich high energy – ich dachte nicht, dass es so ein krasser Turn-Up wird. Manche Shows sind sogar krasser als die Shows, die ich in Amerika spiele. Aber Amsterdam war eindeutig die heftigste Show bis jetzt.

Bei Tim Westwood hast du erzählt, dass du bei Drakes Show warst.

Ja, aber ich war nur dort, ich habe nicht gespielt. Es war riesig! Natürlich viel größer als meine Shows. Aber Drake und ich haben auch einfach komplett unterschiedliche Shows. Ich glaube auf meinen Shows gibt’s krassere Moshpits und die Leute drehen mehr durch – es ist alles ein bisschen wilder.

Wenn du dich auf eine Show vorbereitest, holst du dir dann von solchen Leuten Inspiration?

Nein, eigentlich nicht. Ich mache meistens einfach, ohne viel darüber nachzudenken. Einfach machen. It’s just a show.

Du warst auch in Paris. Hattest du Zeit, die Stadt zu erkunden?

Ja, ich hatte einen Tag frei und konnte ein bisschen shoppen. Aber ich habe mir eigentlich nur random Stuff gekauft. Ein bisschen Gucci, Louis Vuitton, Saint Laurent – also nichts Spezielles. Ich bin eigentlich gar nicht so sehr an Mode interessiert. Der europäisch Swag ist eigentlich auch gar nicht so anders, als der amerikanische.

In deinem Tim-Westwood-Interview hast du auch erzählt, dass du Slick Rick gut findest. Der hat ja sehr viel Jewelry getragen, und sogar eine Krone. Wäre das was für dich?

Nein, nicht wirklich. Ich finde das richtig dope, aber ich bin nicht so wie er. Das ist ja sein Style – jeder hat seine eigene Linie. Er war mega kreativ und immer echt nice, aber ich würde sowas nie rocken.

Slick Rick hat ja auch einen Song names „Teenage Love“, dein Album wird „Teenage Emotions“ heißen. Was haben Teenager für Emotionen, die andere nicht haben?

Ich kenne den Song, klar. Als junger Mensch befindest du dich ständig im Wachstum. Man geht durch verschiedene Phasen, versucht irgendwie herauszufinden, wer man ist und sich selbst zu finden. Man erlebt viele Sachen zum ersten Mal. „Teenage Emotions“ sind nicht unbedingt etwas, das Erwachsene nicht auch erleben. Ich denke aber nicht viel über das Erwachsen-werden nach. Ich habe auch keine Angst davor, aber man gewöhnt sich irgendwann an die Emotionen, die ich jetzt vielleicht das erste Mal fühle.

Du nennst dich ja „King of Teens“. Was machst du eigentlich, wenn du im August 20 wirst?

Keine Ahnung, ich werde dann einfach der „King of Youth“ sein.

Was glaubst du, ist der Unterschied zwischen Teenager-sein heutzutage und der Vorgängergeneration?

Ich glaube, Social Media und die ganze neue Technologie macht den größten Unterschied aus. Meine Generation und ich sind andauernd online, jeder ist auf Social Media vertreten und nutzt dauernd irgendwelche verrückten Technologien. Man muss nicht mal mehr das Haus verlassen, um berühmt zu werden. Das hatten die vorherigen Generationen nicht. Wir sind so ungefähr die ersten, die damit aufgewachsen sind.

Du nimmst keine Drogen und trinkst keinen Alkohol. Was findest du denn so nervig am High-sein?

Ich finde es nicht nervig, das habe ich nie gesagt. Es ist einfach etwas, das ich nicht mache – ich mag es einfach nicht. Ich werde auch niemanden dafür verurteilen, jeder sollte das machen, was er will. Ich weiß einfach nur, dass es nichts für mich ist. Wenn man jung ist, probiert man ja auch vieles aus. Ich hatte diese Phasen natürlich auch, aber ich habe sehr schnell gemerkt, dass das nicht ich bin. Also habe ich mich dagegen entschieden. Aber es gibt echt viele Leute, die mir nicht glauben, wenn ich sage, dass ich keine Drogen nehme. Ich höre aber eh nicht darauf, was andere Menschen von mir halten – also ist mir das relativ egal. Ich habe auch nicht das Bedürfnis, mich irgendwie zu betrinken oder so. I just be chillin‘.

Es gibt viele, die mir nicht glauben, wenn ich sage, dass ich keine Drogen nehme.

Lil Yachty

Du hast einmal gesagt, du empfindest den Klang deiner Stimme als „fucking cartoon character“. Was für eine Superkraft hättest du gerne?

Ich wäre gerne wie Nightcrawler. Ich will teleportieren können. Ich könnte überall gleichzeitig sein.

Hast du einen Lieblingscomic?

Ich lese eigentlich keine Comics, habe ich auch noch nie getan. Ich mochte aber Zeichentrickserien und Animes: „Afro Samurai“ oder „Major Lazer“, aber natürlich auch alle Marvel- und D.C.-Sachen. Aber gelesen habe ich sowas nie.

Was guckst du zur Zeit auf Netflix oder im TV?

Verdammt, wie hieß diese Show nochmal? Wir sind schon so lange auf Tour, ich erinnere mich gerade nicht. Warte, lass mich mal nachsehen. (schaut auf sein Smartphone) „Broad City“ auf Comedy Central. Das ist wahnsinnig funny.

Was ist eigentlich deine liebste Mahlzeit: Frühstück, Mittag-, Abendessen oder Snacks?

Pizza. Immer. Am liebsten Peperoni. Aber eure Pizza hier ist scheiße, ehrlich gesagt. (lacht)

Was ist dein Lieblingscomputerspiel?

(denkt lange nach) Ich weiß es nicht so recht: Ich denke, „Ultimate Marvel vs. Capcom 3“ auf der XBox 360.

Ich wünsche dir viel Spaß bei deiner Show nachher.

Yolo!