Emo-Vibez: Lil Peep und Lil Tracy auf dem Weg zur Weltherrschaft

lil peep

Facetatt-Vorbilder Lil Peep und Lil Tracy sind auf dem besten Weg aus ihrer Soundcloud-Unterwelt-Nische in die Welt der Normalsterblichen zu marschieren. Aber erstmal gibt’s ein neues Video zu „Witchblades“.

„Alles so neu und innovativ bei Lil Peep“, schreien die Medien, während wir Emo-Rap längst auf unserer Haut stehen haben und uns fast täglich zu unseren liebsten Punk/Grunge-Trap-Hymnen die Augen ausweinen. Das Soundcloud-Universum birgt eine derartig riesige Anzahl an unentdeckten Künstlern, dass es immer wieder an der bestehenden HipHop-Welt rüttelt, sobald einer der mysteriösen Gestalten von „Soundcloud-Rappern“ aus ihren dunklen, verrauchten Löcher an die Oberfläche kriechen. Eingeschworene BoomBap-Gangster-Rap-HipHop-Heads werden in deren Musikwahrnehmung fast schon beleidigt und wüten um sich: „Ist das Rap? Ist das Real? Dürfen Gangster weinen?“ Ja, Ja und nochmal Ja. Schon seit ein paar Jahren macht eine massive Subszene rund um TeamSesh, $uicideboy$ und Lil Peep Tränen salonfähig und Außenseiterdasein unglaublich cool – eine Versammlung aus deprimierten Kids und WWW-Fanaten, die mittlerweile so groß ist, dass die Mauern zwischen Soundcloud-Königreich und unserer Welt einzubrechen drohen. Und ein einst von Außenseiter regiertes Subgenre schwappt also langsam aber sicher in den Mainstream über. Aus 808s, grungigen Gitarren-Riffs und beklemmender Teen-Angst entsteht eine Ebene zwischen Turn-Up und Tiefpunkt, zwischen Nirvana und No Limit Records, Blink 182 und Gucci Mane, auf der sich stilsicher eine Blase aus Internet-Emotionen bildet, die nicht mehr nur für Cloud-Kenner präsent ist.

In dieser Blase funktioniert Lil Peep seit Ende 2015 als einer der Götter, der mit Kurt-Cobain-Vibes und Gesichtstattoos sowohl Rebell, als auch verletzlicher Niemand ist. Mit seinen Mixtapes „Cry Baby„, „Castles“ und „Hellboy“ schlich er sich in die Herzen einer Generation, die keine Angst vor Emotionen hat und als stolze Softies über Xannies, Cocain, Suicide und Liebeskummer gleichermaßen dahin philosophiert. Lil Tracy steht dem keinesfalls hinterher und gemeinsam werden sie zu den Posterboys einer tiefgehenden Subszene eines unendlichen Soundcloud-Universum, in den Himmel gelobt. Dass die zwei Underdogs auf dem besten Weg in die Mainstream-Musik-Welt sind, sei ihnen vergönnt. Denn Releases, wie deren aktuelles „CÅSTLES II“ soll niemanden vorenthalten sein. Zu einem der Stand-Out Tracks „Witchblades“ gibt es seit gestern auch ein Video… oder besser gesagt einen Lo-Fi-Traum aus einem (nicht mehr so) fernen Parallel-Universum.