Krekpek: „Wir wollen an Erscheinungsbildern arbeiten.“ #workinonit

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Das Wesen des geschmackvollen Raps ohne Rap hat kaum jemand so sehr mit hochwertigen Beat-Tapes bereichert wie Krekpek. Seit 2012 kompiliert das Kollektiv um Benne Basquiat und Figub Brazlevič nun schon ihre instrumentale Rundfahrt „Audio Dope“ quer durch die europäische Beat-Landschaft. Mit Beiträgen von Enaka, WunTwo, FloFilz, Kabuki, Mortis One, Q-Cut, Robot Orchestra und vielen anderen kann sich Krekpek, das unter anderem als Brand auch Streetwear und Illustrationen erstellt, getrost auf die Fahne schreiben, einen beispielhaften Überblick über die Szene des instrumentalen HipHops zu geben. Wir haben uns mit Benne Basquiat kurz via E-Mail ausgetauscht, um mit ihm über das erste Vinyl-Release „Audio Dope 3“, Arbeitsteilung und Ablehnungen zu sprechen.

Ihr arbeitet seit Jahren schon in den Bereichen Grafik, Videos und Streetwear, jetzt startet Krekpek auch noch ein Label. Was ist der einende Kern und die Motivation hinter all diesen Aktivitäten?

Was wir die letzten Jahre sowieso schon gemacht haben, wollten Figub und ich als Label nach außen kommunizieren, was zur Folge hatte, dass es einen Namen brauchte. Die Idee stand schon länger im Raum. Wir arbeiten seit 2009 projektweise zusammen und haben damit unsere Erfahrung und unser Wissen vereint. Ich wollte Krekpek ursprünglich keine genaue Ausrichtung geben, da ich die Freiheit liebe, das zu tun was ich möchte. Krekpek als Label oder Marke wird sich weiterhin nicht nur auf Musik beschränken, sondern unterschiedliche Ideen realisieren.

Wie ist Krekpek überhaupt entstanden?

Krekpek ist ein Name, den ich einem bestimmten Bereich von Arbeiten gegeben habe, die im Jahr 2009 entstanden sind. Damals begann ich Grafiken aus verschiedenen Bereichen abzuändern und neu zu interpretieren. Parallel druckte ich damit Shirts und Sticker. Mein Freundeskreis und ich haben damals die ganze Welt mit Stickern zugeklebt und das alles ist dann irgendwann in die Videos von zum Beispiel Moontroop, Figub Brazlevič oder Schote gekommen und hat sich dadurch weiter verbreitet.

Das Internet hat mittlerweile mehrfach bewiesen, dass ein Musiker heutzutage nicht mehr zwangsläufig auf klassische Industriestrukturen zurückgreifen muss. Wie zeitgemäß ist es, im Jahr 2016 noch ein Label zu gründen?

Wir sind kein klassisches Label. Wir möchten mit einigen Künstlern projektbezogen, aber wiederum mit anderen langfristig an kompletten Erscheinungsbildern arbeiten. Krekpek versteht sich als Ideenschmiede und entwickelt gemeinsam mit den Künstlern Konzepte. Wir wollen nicht nur das fertige Produkt verkaufen, sondern mit den Künstlern Ideen gemeinsam erarbeiten und verschiedene Leute dabei zusammenbringen.


Ihr verfolgt einen sehr ganzheitlichen Ansatz. Gibt es eigentlich eine Aufgabenteilung oder funktioniert alles basisdemokratisch?

Die Aufgabenteilung ist von Projekt zu Projekt unterschiedlich und wird von Projekt zu Projekt neu festgelegt.

Gerade im instrumentalen Bereich ist die Wertschätzung für Vinyl noch sehr ausgeprägt. Warum seid ihr mit „Audiodope“ erst jetzt den Schritt gegangen, eine Platte zu veröffentlichen?

„Audio Dope“ ist eine organisch gewachsene Beattape-Serie, die wir nicht überstürzt wachsen lassen wollten. Bei einem Projekt mit dieser Qualität und dieser Größenordnung ist es wichtig, etwas abzuliefern, was allen Beteiligten gefällt und auch den Anspruch hat sich von Release zu Release gesteigert. Als wir damit angefangen haben, gab es wenige Beattapes in Deutschland – die Kultur ist die letzten Jahre gewachsen. Vor zwei Jahren noch haben wir „AudioDope02“ in limitierter Stückzahl auf Tapes unter der Hand verteilt.

Musikjournalisten schmeißen gerne mit Begriffen wie „die deutsche Beat-Szene“ um sich. Das impliziert auch, dass es sich um ein bestimmtes soziales Umfeld handelt, welches ein bestimmtes Selbstverständnis eint – existiert „die deutsche Beat-Szene“ überhaupt und nimmt sich als solche auch wahr?

Die deutsche Beat-Szene existiert schon lange, wird aber erst seit ein paar Jahren deutlicher wahrgenommen. Es gibt einen starken Austausch untereinander und man kennt sich auch durch gegenseitiges Booking. Hier in Berlin gibt es Events wie Beatgeeks, oder EastwestSessions, die Produzenten regelmäßig eine Bühne geben.


Ihr featuret mittlerweile nicht mehr nur Producer aus dem deutschsprachigen Raum. Wie läuft die Zusammenstellung einer Compilation organisatorisch genau ab?

Wir haben Producer wie Enaka, die auf jeder Issue waren, da sie zur engeren Crew gehören und wir seine Sachen feiern. Jeder Producer hat Freunde oder Bekannte, die er uns empfiehlt. Figub Brazlevič liefert dazu auch regelmäßig Vorschläge und Ideen, die das Ganze ergänzen.

Was unterscheidet „AudioDope“ von anderen, vergleichbaren Projekten? Gab es Vorbilder bei der Umsetzung?

Als ich mit „AudioDope“ angefangen habe, wollte ich eine Beattape-Serie machen, die sich durch die Auswahl der Beiträge, Artwork und dem Video von anderen Projekten unterscheidet und damit von der Konkurrenz abhebt. Ähnliche Projekte und damit Vorbilder gibt es in NYC schon länger.

Wie sehr greift ihr bei den Künstlern in den Produktionsprozess ein? Gibt es inhaltliche Vorgaben?

Wir lassen den Künstlern grundsätzlich maximale Freiheit. In Zukunft werden wir themenbezogene Projekte realisieren, die wir inhaltlich und optisch lenken werden.

Habt ihr auch schon mal einen Beitrag abgelehnt?

Wir haben bisher „AudioDope“ 01- 03 releast. Da gab es immer mehr Beiträge, als drauf passten. Für „AudioDope03“ gab es sehr viele Tracks, die wir auch gerne veröffentlicht hätten. Uns war es aber wichtig, dass das gesamte Release einen durchgehenden Flavour hat, um es ausgeglichen kompilieren zu können. Es spiegelt viele verschiedene, aktuelle Stile wider, hat aber auch klassischere BoomBap-Beats dabei, die das Ganze insgesamt abrunden.