„Spring aus dem Fenster!“ – Kraftklub-Tipps für Wutbürger

Seit jeher stehen Kraftklub nicht nur für clever-ironische Alltagsgeschichten, sondern auch dafür, eine Band mit korrekter Haltung zu sein. Nach dem großartigen „Schüsse in die Luft“ richten sie nun mit „Fenster“ einen weiteren Song gegen das deutschtümelnde Pack, das sich im Dunstkreis von AfD, Pegida und Russia Today herumtreibt.

Vor allem mit dem ersten Part kreiert Felix aka Carsten Chemnitz eine unangenehm bedrückende Stimmung, indem er sich aus der Sicht eines Wutbürgers über „Gutmenschen“ und „die da oben“ ereifert und zur Selbstjustiz aufruft. So großartig die Message des Songs ist, so bleibt die Hook und damit einhergehende Pointe des Songs ein bisschen platt und ernüchternd (so wie bereits der „Dein Lied“-Refrain einen schalen Beigeschmack hinterlassen hat). Aber: Manchmal heiligt der Zweck eben doch alle Mittel – Grölen gegen neue und alte Nazis ist immer und ohne Einschränkung angebracht. Und ganz nebenbei ist das Arrangement des Songs und auch das blutige Musikvideo dazu allererste Sahne. Gerade sound-technisch hat man bei den Karl-Marx-Städtern das Gefühl, dass sie einen angenehmen Weg gefunden haben, Komplexität und Pop intelligent miteinander zu verbinden.

Und: Ist das eigentlich Farin Urlaub, der da am Ende die Selbstmordaufforderungen so leidenschaftlich säuselt?

Das dritte Kraftklub-Album „Keine Nacht für Niemand“ erscheint am 2. Juli.