Mystisch: Kraftklub brennen „Dein Lied“ nieder

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Mit ihrem neuen Comeback-Song „Dein Lied“ haben Kraftklub gestern in einem zehnstündigen Livestream zwar strapaziös lange, aber letztlich doch metaphorisch wie sprichwörtlich alles niedergefackelt.

Über zehn Stunden hinweg war am gestrigen Donnerstag auf der Facebook-Seite der Chemnitzer der Aufbau einer Bühne zu sehen – kommentarlos in einem Livestream. Das stundenlange Abfilmen der Baustelle erzeugte natürlich schnell die anvisierte Aufmerksamkeit und haufenweise Rätsel-Raten im WWW, doch machte es die behäbige Prozedur nicht erträglicher. Wer einmal eine Bühne zusammengebaut hat, weiß um die Kleinschrittigkeit dieser Arbeit. Entsprechend wurden Kraftklub-Fans auf die Film-Folter gespannt und über eine gefühlte Ewigkeit in mysteriöser Unkenntnis gelassen – ein Rezept, das uns in dieser Form an den nicht minder zähen Holzarbeit-Film von Frank Ocean aus dem vergangenen Jahr erinnert.

Der Auftritt der Band pünktlich um 20:50 Uhr glich da fast einer orgastischen Entladung. Mit der Weltpremiere ihrer neuen Single „Dein Lied“, eine typisch-zynische Anti-Ode an eine namenlose Ex-Freundin, kehrte das Quintett drei Jahre nach ihrem letzten Studio-Album „In Schwarz“ erfreulich spektakulär zurück. Denn unter den mahnenden Worten „Du verdammte Hure, das ist dein Lied“ wurde das mühsam aufgestellte „K“-Skulptur zu den weitläufigen Streicher-Sphären des jungen Sinfonieorchesters Berlin niedergebrannt – Kino, groß, ihr wisst schon. Eine Maßnahme, die auch dem Song nicht unähnlich ist: rotzig ,radikal, aber liebenswert. Zwar könnte die Hook-Line in Wort- wie Tonfall so auch bei KIZ vorkommen, doch ist „Dein Lied“ in seiner Gesamtheit ein gelungener Comeback-Song. Das neue Album „Keine Nacht für Niemand“, natürlich eine Anspielung auf das legendäre Ton Steine Scherben-Album, ist ab heute vorbestellbar.