Khalid: “ Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde ich nach Hause kommen.“

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Khalid erinnert uns immer wieder daran, wie basic wir mit 19 eigentlich waren. Zwischen jugendlichem Freigeist und Bodenständigkeit, bastelt das Soul-Wunderkind einen retro-aber-doch-modernen Mix aus Herzschmerz-Tracks und Up-Beat-Piano-Vibes. Mit seinem Hit „Location“ hat er quasi über Nacht sein Publikum von einem Freundeskreis in El Paso zu einer Millionen-YouTube-Klicks-Anhängerschaft erweitert. Mit seinem tiefen, teils kitschig-schönen Sound scharrt er jegliche R&B-Fetischisten von 15 bis 99 Jahren um sich. Das liegt auch daran, dass er schon quer durch die Welt gezogen ist, auch mal einige Jahre in Deutschland lebte und sein Sound dadurch ganz und gar nicht nach Teenie-Schmalz klingt. Am 10. März erscheint sein Debütalbum „American Teen“ und am 21. Februar kommt er für eine Show nach Deutschland. Nina Nagele hat mit Khalid übers Reisen, Selbstbewusstsein und Social Media gesprochen.

Deine Mutter war beim Militär, deshalb bist du ständig umgezogen. Was für einen Einfluss hatte das auf dich?

Ich glaube, es hat mich auf eine sehr positive Weise beeinflusst. Es hat mich offenherzig werden lassen und erlaubt mir, mich weiterzuentwickeln – wahrscheinlich viel schneller als andere in meinem Alter. Ich bin mit vielen verschiedenen Kulturen aufgewachsen und hatte somit viele verschiedene Einflüsse – besonders was Musik angeht. Ich habe sehr viel unterschiedliche Musik gehört, die ich wahrscheinlich nie kennen gelernt hätte, wenn ich immer am selben Ort gelebt hätte. Außerdem war meine Mutter im Militär-Chor, sie singt also auch. Das heißt Musik, war immer ein fester Bestandteil auf unseren Reisen. Ich war an so vielen verschiedenen Orten auf dieser Welt, dass ich die Sprache der Musik verstehe, anstatt nur die Sprache der Stimme.

Du wirst bald auf Europa-Tour sein. Wie fühlt es sich denn an, wieder unterwegs zu sein?

Es ist sehr aufregend, ich kann es kaum erwarten auf Tour zu sein. Am meisten freue ich mich eigentlich auf Deutschland. Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde ich nach Hause kommen. Ich bin quasi in Heidelberg aufgewachsen – das ist der Ort, an dem ich bis jetzt am längsten gelebt habe. Ich freue mich, wieder von der Kultur umgeben zu sein. Außerdem habe ich ein paar Freunde, die noch in Deutschland leben. Ich weiß, viele Künstler meinen, sie haben schnell genug vom Touren, aber ich weiß, ich werde es vermissen sobald die Tour vorbei ist.

Dein erstes Album „American Teen“ wird am 10. März erschienen. Was ist denn die Story hinter dem Projekt?

Es ist eigentlich wie eine Vorstellung meiner Persönlichkeit. Ich bin Amerikaner und ich bin 19. Ich habe zwar schon viel von der Welt gesehen, bin aber im gleichen Moment sehr emotional und auf meine Gefühle fokussiert. Ich akzeptiere das auch, es ist einfach eine Art Repräsentation von mir, als Individuum. Denn egal woher man kommt, ganz egal ob aus Asien, Afrika, Deutschland, Spanien, Mexiko oder Kanada – die Teenager-Jahre sind die Jahre, in denen man sich selbst akzeptieren lernt und die Individualität in einem selbst findet. Man findet heraus, wer man ist. „American Teen“ ist also eigentlich nur ein Schritt näher hin zu mir und zur Akzeptanz von dem, was ich bin. Ich hoffe einfach, dass die Hörer diese Stimmung und Einstellung in meinem Projekt hören werden – und damit auch vielleicht mehr über sich selbst erfahren werden.

Ich habe irgendwann aufgehört mir Gedanken darüber zu machen, was andere über mich denken.

Khalid

Du hast erst Ende 2015 begonnen, professionell Musik zu machen, jetzt wird dein erstes Album erscheinen – es ging also alles wirklich schnell. War das auch manchmal einschüchternd?

Oh ja, in manchen Momenten war es sehr einschüchternd. Ich hatte immer im Kopf, wie jung und unerfahren ich eigentlich bin. Aber irgendwann wurde mir klar, dass ich etwas mache, das ich liebe. Das hat alles sehr viel einfacher gemacht. Anstatt mich mit anderen zu messen, habe ich mich nur an mir selbst gemessen. Dass es so schnell ging, hat mir also auch sehr geholfen. Ich bin immer noch sehr jung und lerne immer noch, vor allem wenn es um Musik geht. Aber es passiert alles mit Vergnügen, anstatt unter Druck.

Du bist sehr offen auf deinen Social-Media-Profilen und teilst sehr persönliche Gedanken und Emotionen in deiner Musik. Das macht dich auch sehr verletzlich. Woher kommt dein Selbstbewusstsein, so viel von dir preiszugeben?

Ich glaube, das kommt von innen. Dass ich ein Militär-Kind war und das dauernde Umziehen trug auch dazu bei. Früher ist es mir sehr schwer gefallen, meine Emotionen zu akzeptieren. Als ich dann nach El Paso zog, habe ich mich sehr alleine gefühlt. Ich musste mein Selbstvertrauen erst finden. Um dieses Selbstbewusstsein zu erlangen, muss man sich selbst akzeptieren. Also habe ich irgendwann aufgehört mir Gedanken darüber zu machen, was andere über mich denken – ich akzeptierte meine Gefühle. Das war auch der Moment, indem ich begann aufzublühen. Ich lernen mich durch meine Musik jeden Tag besser kennen. Musik hat mir also irgendwie dabei geholfen, mich selbst und meine Gefühle zu akzeptieren.

Hast du denn manchmal Angst, dass du zu viel von dir preis gibst?

Nein, ich würde nicht sagen, dass ich Angst habe. Ich glaube, wenn jemand was über mich herausfinden will, dann wird er das auch. Egal, ob ich viel von mir preis gebe oder nicht. Ich fühle mich besser, wenn ich alles von mir erzähle, es teile und ehrlich bin, anstatt zu versuchen, meine Persönlichkeit und meine Gefühle zu verstecken.

Social Media und moderne Kommunikation spielen in deiner Musik immer wieder eine Rolle. Wie beeinflusst Social Media denn unsere Beziehungen?

Es hat seine Vor- und Nachteile. Ich glaube, es mangelt uns an zwischenmenschlicher Empathie, weil alles, beziehungsweise fast alles, über’s Internet passiert. Es ist so einfach, sich das Handy zu schnappen und jemanden anzurufen, aber gleichzeitig fehlt es uns an Face-To-Face-Kommuniktion. Obwohl es Face-To-Face eigentlich viel einfacher ist, sich selbst auszudrücken und man Körpersprache viel besser lesen kann, als irgendwelche Emojis. Aber Social Media hat natürlich auch sehr positive Seiten. Man kann einfach und schnell irgendwelche Nachrichten mit einem viel breiterem Publikum teilen. Ich kann mit Leuten im Ausland genau so einfach connecten, wie mit Leuten in Amerika.

Khalid ist quasi auf dem Weg nach Deutschland, um am 21. Februar eine Show in der Kantine am Berghain zu spielen. Wer sich die Soul-Seelen-Massage also nicht entgehen lassen will/kann, sollte sich schnellstmöglich ein paar Tickets holen.