Jérôme Boateng – „Ich habe über 600 Paar Sneakers.“

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Der Weltmeister und Champions-League-Sieger Jérôme Boateng ist nicht nur Fußballstar, sondern auch ausgewiesenes Fashion-Victim. Er liebt Sneakers, zeigt sich gerne mal mit den Homies von BSTN Clothing oder sportet neuste High-Fashion-Trends. Wir haben uns mit ihm über Schuhe und ein wenig über die Musik seines großen Bruders unterhalten.

Lass uns über Sneakers sprechen. Wie tief bist du in der Sneaker-Kultur verankert?

Ich interessiere mich sehr für das Sneaker-Thema. Ich stöbere zwar nicht den ganzen Tag im Internet und suche gezielt nach neuen Releases, aber ich achte schon darauf. Über einige Freunde mit guten Kontakten in die Szene oder auch Nike komme ich an gute Modelle. Ich habe gerne Schuhe, die nicht jeder trägt und etwas außergewöhnlicher sind.

Erinnerst du dich noch an dein erstes Paar Sneaker?

Mein erster Sneaker von Nike war damals der Air Force 1. Richtig angefangen hat es bei mir aber sogar noch davor mit meinem ersten Paar Converse Chucks in klassischem Schwarzweiß. Später kamen dann noch andere Farbkombinationen dazu.

Wie groß ist deine Sneaker-Sammlung?

Ich habe schon lange nicht mehr gezählt. Aber ich habe bestimmt über 600 Paar.

Eine noch neue Entwicklung in der Sneaker-Szene ist die Vermengung von Fußballschuh-Design und Streetwear. Inzwischen gibt es Sneaker, die auf klassischen Fußballschuh-Silhouetten und -Innovationen basieren. Verfolgst du das?

Ich interessiere mich natürlich dafür. Es ist eine ziemlich gute Sache, wenn ich als Fußballspieler die Schuhe, die mir bereits auf dem Platz perfekt am Fuß sitzen, als Lifestyle-Variante privat tragen kann. Das ist eine coole Entwicklung, damit kann ich mich auf jeden Fall identifizieren.

Gibt es einen Fußballschuh, von dem du dir wünschen würdest, dass er als Sneaker-Version auf den Markt kommt?

Beim Tiempo habe ich mich natürlich extrem gefreut, als der Sneaker, Tiempo 94, rauskam. Ich trage den Fußballschuh schon seit Jahren auf dem Platz und er ist zu meinem Lieblingsschuh geworden. Zu Beginn meiner Karriere war es noch der Mercurial Vapor, aber inzwischen bin ich absoluter Tiempo-Spieler. Mir gefällt, dass der Tiempo ein Lederschuh ist, denn ich achte auf Qualität.

Welche Brands trägst du ansonsten privat?

Das ist bei mir sehr gemischt. Ich trage gerne Givenchy oder Zanotti. Balenciaga haben sehr coole Schuhe. Die Rucksäcke und Klamotten von Buscemi gefallen mir auch sehr gut. Ich mag es, High-Fashion-Marken mit Oldschool-Teilen zu kombinieren, zum Beispiel mit alten Jordans. Es gibt so viele interessante alte und neue Trends, die man kombinieren kann. Trends entwickeln sich ja auch stetig weiter.

„Deutschrap hat mich nie so richtig interessiert. Erst durch meinen Bruder setze ich mich damit auseinander.“

Dein Bruder George hat vor kurzem seine ersten Tracks als Rapper unter dem Namen BTNG vorgestellt. Wie bekommst du diese Karriere mit und was hältst du von seiner Musik?

George ist mein Bruder, da interessiert mich natürlich, was er macht und ich bin stolz auf ihn. Ich freue mich riesig für ihn, dass er jetzt Musik machen kann. Mir gefällt seine Musik gut, weil sie anders ist. Es geht ihm nicht darum, stumpf zu beleidigen, er erzählt Geschichten aus dem Leben.

Hast du selber auch Ambitionen am Mic?

Das ist nicht mein Talent. Ich mache lieber das, was ich kann und bleibe dabei. (lacht)

Und was hörst du, abgesehen von BTNG, zurzeit für Tracks?

Eigentlich höre ich mehr amerikanischen Rap. Zurzeit sind das Jay Z, Lil Wayne oder Kanye West. Das neue Drake-Album höre ich viel, ein paar neuere Songs von Chris Brown. Das ist bei mir ein bunter Mix. Deutschrap hat mich nie so richtig interessiert. Erst durch meinen Bruder setze ich mich damit auseinander.

Mit der „Gewachsen auf Beton“-Kampagne hast du im letzten Jahr mit deinen Brüdern als Repräsentant von Berlin-Wedding im Fokus gestanden. Wie blickst du darauf zurück?

Das war natürlich eine tolle Aktion für uns, wieder auf dem Platz zu spielen, auf dem wir groß geworden sind und schon ganz früher gekickt haben. Da kamen die schönen Erinnerungen wieder hoch – aber auch die schmerzhaften: auf Beton fallen ist natürlich nicht so schön. (lacht) Aber das hat uns auch abgehärtet. Man musste sich immer auch vor den Älteren beweisen. Das haben wir mit ins Leben genommen.

Hättest du dir solche Aktionen, bei denen junge Straßenkicker gefördert werden, auch für deine Jugendzeit gewünscht?

Ja, klar. Bei mir war es noch nicht so intensiv, aber noch extremer ist es ja bei den noch älteren Spielern. Da gab es ja noch gar keine Förderung. Es ist schon toll, dass es inzwischen so viele Aktionen gibt und jüngeren Spielern die Chance gegeben wird, sich zu zeigen und sich etwas aufzubauen.

Sind dir bei den Turnieren junge Spieler besonders aufgefallen?

Klar, da sind mir einige aufgefallen. Aber das war schon in meiner Jugend so, dass man bei manchen Jungs, mit denen man gespielt hat, dachte, dass sie es schaffen. Aber es gehört ja noch mehr als nur Talent dazu, um weit zu kommen. Am Ende zählt nicht nur das Talent. Es gehört immer ein wenig Glück dazu, außerdem natürlich Disziplin und harte Arbeit.