Redaktionscharts: Nina Francesca Nagele // Jahresrückblick

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Das Jahr neigt sich dem Ende zu und wir beginnen, zurückzublicken. Insgesamt war vieles schlecht, vieles langweilig, vieles einfach nur verachtenswert. Musikalisch gesehen gab es dennoch einige Lichtblicke. Aber weil auch das bekanntlich Geschmackssache ist, haben wir unsere Schreiberlinge gefragt, welche zehn Momente, Songs, Alben, Pranks oder was auch immer ihr Hip Hop-Jahr geprägt haben. Heut gibt’s die Top 10 unserer Redakteurin, Emo-Kind und Head of Brand Communication Nina Francesca Nagele.

10

Schönbrunner Gloriettenstürmer – Lass heute Nacht (Video)

Nein, das ist kein Rap. Nein, das ist nicht mal annähernd HipHop. Ja, es ist New Wave Schlager. Und ja verdammt, es war trotzdem einer meiner Rap-Momente 2017. Wieso? Habt ihr denn alle kein Herz? Das ist wahrscheinlich der schönste Lovesong des Jahres und solange ihr Wörter wie Schlager-Rap verwendet, hab‘ ich die Schönbrunner Gloriettenstürmer in meinen Top 10! Öffnet eure Herzen und genießt dieses visuelle Meisterwerk, ihr Kunstbanausen.

09

Yung Lean – Red Bottom Sky (Video)

Ich hab‘ mich dieses Jahr wohl auf kein Album so sehr gefreut, wie auf Leandoers „Stranger“. Als der traurigste Sad Boy dann im Vorhinein „Red Bottom Sky“ droppte, wusste ich: Album wird killer. Punkt. Und während andere Rapper mit den Guns in der Luft herumfuchteln, chillt Lean mit ’ner Motorsäge im Wald = Video auch killer. Noch ein Punkt.

08

Analoge Fotografie – Gunner Stahl, Places+Faces und Co.

Analoge Fotografie war dieses Jahr kaum aus irgendwelchen HipHop-Medien, Rap-Instagramprofilen oder Musikvideos wegzudenken und ich kann euch nicht sagen, wie froh ich darüber bin! Außerhalb unserer Landesgrenzen ist dieser wunderbare Retro-Trend nämlich schon viel länger im Rap-Game verankert und verzaubert seit Jahren meine Aesthetics. Der Atlanta-born Fotograf Gunner Stahl ist schon längst der Lieblingsfotograf eurer Lieblingsrapper und das britische Kollektiv Places+Faces hatte auch schon alle möglichen Rap-Stars vor der Kamera. Hierzulande muss man zwar immer noch fleißig nach diesen analogen Portrait-Meisterwerken suchen, man findet sie dann aber zum Beispiel bei Svenja Trierscheid.

Gunner Stahl

Gunner Stahl

07

Misogi – Violent Candy (Track)

Sein Album „Death Metal“ ist quasi der wahr gewordene Emo-Traum meines 16-jährigen Ichs und „Violent Candy“ eindeutig mein allerliebster Lieblingssong für immer. Misogi bleibt also auch dieses Jahr wieder einer der talentiertesten und spannendsten Producer überhaupt. Tausend Herz- und Rosen-Emojis *_*

06

Lou The Human – Humaniac! (Album)

„This man is a maniac“ – ich denke diese Intro-Zeile auf dem Album beschreibt den New Yorker Rapper eigentlich ziemlich gut. Sein Sound ist teilweise so verstrickt, dass er Gefahr läuft auf Dauer einfach anstrengend zu werden. Trotzdem bin ich nach den ersten paar Sekunden komplett auf Lou The Human und seinem unwiderstehlichen Humor hängen geblieben. Vielleicht bin ich ja auch ein (Hu)Maniac, who knows?

05

IAMDDB – Shade (Video)

Fuck, wie sehr ich diese Ästhetik fühle – IAMDDB ist einfach ein Traum auf allen Ebenen! Habe ungewohnterweise ewig gebraucht, um die talentierte Britin auf meinen Radar zu packen, doch mittlerweile ist „Shade“ wohl einer meiner meist gehörten Tracks. Kein Wunder, vor allem bei DIESEM VIDEO!!!

04

Kweku Collins feat. Allan Kingdom – Aya (Video)

Ja, wer brav meine Soundcloud Treasures gelesen hat, weiß eh schon, dass Kweku einen ganz besonderen Platz in meinem Digger-Herz hat. Ich kann mich nicht mal mehr genau erinnern, wann ich auf dieses außergewöhnliche Talent gestoßen bin, doch spätestens „Lonely Lullabies“ mit diesem unmenschlich genialen Daughter-Sample hat mich in seinen Bann gezogen. Und dann noch dieser Track mit Allan Kingdom UND dieses Video. Ciao.

03

Ski Mask The Slump God – Baby Whip (Video)

Ja, ich = Soundcloud-Kind und Slump God = Soundcloud-Gott. Von „Baby Whip“ über das Feature mit Ferg auf Missy Elliott-Beat bis hin zu seinem Instagram Story-Grind. Musikalisch zu 100% in Love. Mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen.

02

Kojey Radical – 700 Pennies (Video)

Ok, Kojey Radical ist wohl der größte und talentierteste Künstler, den ich jemals gesehen habe. Und ja, ich weiß: Der Begriff Poetry-Rap hat meistens einen unangenehmen Beigeschmack, doch der Brite schafft es irgendwie, seine Worte in einer perfekten Symbiose mit den niederschmetternden Drums zu verbinden, sodass ich bei jedem einzelnen Track Gänsehaut bekomme. Einfach Traum, und zwar von Soundästhetik, Inhalt, Visuals bis hin zu Live-Shows – also wirklich ALLES.

01

Diskussionen & der Versuch, etwas zu verändern

So, irgendwo in dieser Liste musste doch noch die Sexismus-Debatte kommen, aber ich versuche, mich kurz zu halten. Es läuft immer noch so viel falsch: ob in unserer Gesellschaft generell oder auf die Rap-Blase, in der wir uns befinden, heruntergebrochen. Als Frau kämpft man täglich gegen diesen Drecks-Sexismus an; Homophobie, Rassismus, Antisemitismus und jegliche andere Diskriminierung sind immer noch mehr als präsent, und zwar in jedem verdammten Lebensbereich. Und wir sind noch lange nicht zufrieden. Doch wenn man in dieser Hinsicht 2017 etwas zusagen muss, dann dass WIR VERDAMMT LAUT WAREN. Wir haben diskutiert, demonstriert und unmenschliche Arschlöcher in die Schranken gewiesen. Wir haben uns engagiert, haben Fehler aufgezeigt und versucht, etwas daran zu ändern. Und ja, das ist zwar ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, doch wir haben diesen Schritt gemacht und ich bin verdammt froh darüber. Und um im nächsten Jahr noch viele dieser Schritte nach vorne zu machen, sollten wir die kleinen Erfolge des bald endenden Jahr als Motivation nehmen, um noch intensiver für Gleichberechtigung, Toleranz, Gerechtigkeit und die Wertschätzung von Vielfalt zu kämpfen – Auch im Rap-Game, Leute. Das war’s, bussi baba.