Redaktionscharts: Christopher Kammenhuber // Jahresrückblick

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Das Jahr neigt sich dem Ende zu und wir beginnen, zurückzublicken. Insgesamt war vieles schlecht, vieles langweilig, vieles einfach nur verachtenswert. Musikalisch gesehen gab es dennoch einige Lichtblicke. Aber weil auch das bekanntlich Geschmackssache ist, haben wir unsere Schreiberlinge gefragt, welche zehn Momente, Songs, Alben, Pranks oder was auch immer ihr Hip Hop-Jahr geprägt haben. Das Jahresrésumé in der heutigen Ausgabe mit: Christopher Kammenhuber.

10

Pilz bei DLTLLY

Mit Battle-Rap ist es ja immer so eine Sache: die einen kommen nicht klar, wenn ein neues Video hochgeladen wird, den anderen erinnern Acapella-Battles an Poetry-Slam (lol… Poetry-Slam). Nichtsdestotrotz gibt es auch Highlights: Im April stellt Pilz sich in der von Mackern durchsetzten Battlerap-Szene hin und rasiert vom Feinsten. Props!

09

Ufo 361 – Für die Gang (Video)

DREIHUNDERTEINUNDSECHZIG Leute haben wir gefragt: Welche Hook wurde 2017 am öftesten zitiert? Und alle dabbten „Für die, für die.. Gang“. Ufo konnte beweisen, dass er Ohrwürmer verstanden hat und GZUZ seinen (mit Abstand) besten Part in 2017 droppen. Natürlich toll, wenn ein Hit bei rumkommt. Und eigentlich sind wir ja alle in einer Gang – zumindest seitdem niemand mehr „Freundeskreis“ sagt (Grüße gehen raus, Max Herre).

08

Azizi Gibson – Memoirs of the Reaper (Album)

Auch Azizi Gibson konnte dieses Jahr abreißen. Mit „Memoirs of the Reaper“ lieferte er nicht nur eins der besten Alben 2017, sondern konnte auch endlich einer größeren Fanbase bekannt werden und seinen Vibe pushen. Meine Highlights: „Lost“ und „Levels“. Nach dem Album folgten in diesem Jahr noch zwei EPs und einige Singles, hoffentlich geht der Output so weiter.

07

Love Hotel Band – Diamant (Video)

Hurns Nebenprojekt Love Hotel Band war der erste Track der neuentdeckten Romantik im Deutschrap 2017. Lars Eidinger weint im Video, die crowd kuschelt auf dem Melt! und auch du bist nicht allein. Die Welt ist schön! Ciao.

06

KUSO GVKI – Love You (Video)

Auf einmal war er da: Mit „Cinnamon“ prügelt KUSO GVKI im Januar seinen ersten Hit raus, zwei Monate später folgt „Love You“. Beide Tracks überzeugen akustisch (Sounds: irgendwo zwischen gestern und heute) und visuell (Videos: Prädikat ästhetisch wertvoll). Wie Kuso Gvki aussieht, ist übrigens noch nicht geklärt: Bei keinem der diversen Live-Auftritte nahm er seine Maske ab.

05

Doubtboy & Tightill live

Im Sommer stieß ich bei einem Festival auf die Cuties Doubtboy&Tightill. Die Stage war wie eine postapokalyptische Tankstelle designt und die beiden Rapper standen auf einem zerstörten Auto. Und trotz Endzeit, Weltschmerz und Festivalkater luden die schonungslosen Romantiker zu einer emotionalen Achterbahnfahrt ein, die mit einem lächelnden Gesicht, einem warmen Herz und ECHTEN Gefühlen endete. Ich wünsche den beiden Bremern nur das Beste für 2018, dem Rest empfehle ich „R’n’B-Anarchie“ anzumachen.

04

MC Bogy interviewt Morlockk Dilemma

Das Deutschrap-Interview-Game hat mit MC Bogy einen neuen Star. Isso. Der inzwischen gesichtstätowierte Lankwitzer ist zwar nie wirklich vorbereitet („ich hatte dich noch nicht auf dem Schirm“), dafür hat er die besten Jokes und Anekdoten am Start. Die wiederholt er zwar andauernd, aber das ist halb so wild. Mein diesjähriges Highlight war das Interview mit Morlockk Dilemma, in dem zwei sehr verschiedene Menschen aufeinandertreffen um ihre Verbindung in der Alten Schule zu finden – oder was ist nochmal Nihilismus?

03

Jay-Z – Story of O.J. (Video)

In diesem Jahr wurden in den USA diverse politische Konflikte auf der Straße ausgetragen, wie beispielsweise der ansteigende Rassismus. Die Wahl von Donald Trump heizte die Debatten weiter an und sehr sehr viele Künstler meldeten sich zu Wort. Auch OG Jay-Z wies darauf hin, was zur Zeit so falsch läuft – „I’m not black, I’m O.J… Ok!“ Hovs Track steht beispielhaft für ein – dank DJT – wiederentdecktes Genre: Den Protestsong.

02

Female Rap

2017 konnte Female-Rap hierzulande und international die eigene Relevanz weiter ausbauen. Während SXTN, Hayiti und Sookee deutsche Stimmen pushen, überzeugen Sasha Go Hard, IAMDDB, Amindi K., Lady Leshurr, Paigey Cakey, SZA, usw. mit immer umfangreicheren Produktionen und Shows. Hoffentlich geht das so weiter, damit ich diese bescheuerte Unterscheidung irgendwann nicht mehr machen muss.

01

Trettmann – #DIY (Album)

An Trettmanns #DIY wird dieses Jahr kein Deutschrap-Jahresrückblick vorbeikommen. Ronny konnte sich nicht nur selbst bewiesen, dass man auch im gesetzteren Alter noch Erfolg haben kann, nein, sondern auch anderen Deutschrap-Artists, dass Autotune und Gefühl auch zusammen funktionieren können. Ehre dem, dem Ehre gebührt und so… Danke dafür.